Amtszeit von Bürgermeister Bernd Hachmann endet nach fast 27 Jahren

Die Ungeduld ist mit den Jahren gewachsen

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Ein letztes Mal hat Bernd Hachmann kürzlich die Unterlagen für die Ratssitzung unterschrieben. Heute wird er das letzte Mal als Bürgermeister das Rathaus in Rahden betreten, bevor sein Nachfolger Dr. Bert Honsel ab morgen die Geschicke der Stadt leiten wird.

Rahden - Interessant, spannend, bereichernd – so fasst Bernd Hachmann seine Zeit als Bürgermeister in Schlagworten zusammen. Fast 27 Jahre lang war er der oberste Verwaltungschef in Rahden. Doch nun muss er die Schlüssel zu seinem Büro abgeben, Dr. Bert Honsel wird den Betrieb mit rund 120 Mitarbeitern übernehmen. Im Gespräch mit unserer Redakteurin Anika Bokelmann blickte Hachmann zurück.

Bokelmann: Was war das Schönste in Ihrer Zeit als Bürgermeister?

Bernd Hachmann: Eigentlich war alles schön. Ich war immer wieder glücklich, wenn wir ein tolles Projekt auf den Weg bringen konnten. Denn was während meiner Amtszeit entstanden ist und entwickelt wurde, war immer eine Gemeinschaftsarbeit. Mal mit den Kollegen aus dem eigenen Haus, mal mit der Unterstützung von Land und Kreis.

An was für Projekte denken Sie da konkret?

Hachmann: Allem voran, sind das die Maßnahmen im Gesundheitsbereich. Wir haben heute eine moderne Portalklinik, obwohl vor vielen Jahren über die Schließung des Hauses diskutiert wurde. Außerdem haben wir die Grundlage für ein Gesundheitszentrum gelegt.

Das Ärztehaus war zuletzt ein wichtiges Thema, viel diskutiert und mit Unstimmigkeiten behaftet. Wie ist die Situation aktuell?

Hachmann: Es ist schade, dass das Ärztehaus zum Wahlkampfthema geworden ist. Denn bei allen Reibereien im Rat, ist uns allen bewusst, wie wichtig der Baubeginn für Rahden ist. Wenn die Grundversorgung im medizinischen Bereich in einer Stadt nicht stimmt, dann ziehen die Menschen in Städte mit einem besseren Angebot. Daher müssen wir schnell handeln.

Aber jetzt sind die Förderrichtlinien für die Ansiedlung junger Ärzte beschlossen und die Investoren haben sich noch einmal mit interessierten Ärzten zusammengesetzt. Nach wie vor halten alle an ihren Plänen fest und bis Dezember soll der Bauantrag gestellt sein.

Welche Veränderungen haben Sie hier miterlebt und angestoßen?

Hachmann: In meiner Zeit wurde viel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf getan. Wir haben das Gymnasium und die Sekundarschule ins Leben gerufen und damit dem Wunsch der Eltern entsprochen. Außerdem haben wir die Innenstadtsanierung weiter vorangetrieben, um die Attraktivität von Rahden zu erhöhen und die Aufenthaltsqualität zu steigern. Wir sind dabei immer auf der Suche nach Geschäften, die in unsere Stadt passen und individuelle Angebote haben, um uns von der Konkurrenz abzuheben.

Die Stadt hat zudem immer viele Investitionen im privaten und gewerblichen Bereich angestoßen. Immerhin sind seit 1990 in Rahden und Kleinendorf 555 neue Bauplätze entstanden, weil wir entsprechende Förderungen geboten haben.

Gab es auch Phasen, die Sie vor große Herausforderungen gestellt haben?

Hachmann: Es gab immer mal wieder Strecken in meiner beruflichen Laufbahn, die schwierig waren. Aber das gehört zum Tagesgeschäft. Mein Erfahrungsschatz ist dadurch größer geworden und ich kann heute gelassener an die Sachen herangehen.

Eine relativ neue Herausforderung für die Stadt sind die Asylbewerber. Welche Situation liegt da derzeit vor?

Hachmann: Ich habe einen Krisenstab ins Leben gerufen, der sich um die Bedürfnisse der derzeit etwa 230 Flüchtlinge kümmert. Ein ganz großer Dank geht an dieser Stelle an die Helfer vom Arbeitskreis Integration/Asyl des Präventionsrates, die der Verwaltung und den Bauhof-Mitarbeitern sehr viel Arbeit abnehmen. Ohne die Unterstützung wäre das Angebot, dass Rahden für die Flüchtlinge vorhält, nicht möglich. Noch haben wir Wohnungen zu Verfügung. Die Stadt wird weiterhin Räume anmieten, denn bis zum Jahresende wird es sicherlich bis zu 350 Flüchtlinge hier geben.

Gibt es eigentlich einen Unterschied in der Beziehung zwischen Politikern und den gleichen Menschen privat?

Hachmann: Natürlich. Nur weil man verschiedene politische Meinungen hat, können durchaus Freundschaften entstehen. Es wäre schlimm, wenn das nicht so wäre, denn eine Freundschaft am Arbeitsplatz schließt sich nicht wegen einer Parteizugehörigkeit aus. Ich werde sicher auch weiterhin zu einigen Kollegen Kontakt halten.

Wie hat sich der Mensch Bernd Hachmann durch die lange Zeit als Bürgermeister verändert?

Hachmann: Ich bin sicherlich reifer geworden und mit den Aufgaben gewachsen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich heute – mit fast 60 Jahren – ungeduldiger bin als früher. Ich kann Dinge nicht auf die lange Bank schieben und brauche schnelle Entscheidungen.

Was hat dazu geführt, dass Sie nicht mehr als Bürgermeister kandidiert haben?

Hachmann: Auch für mich kam das Ende eigentlich sehr plötzlich. Aber ich habe ein interessantes Stellenangebot bekommen. Außerdem lockt mich der Reiz, etwas Neues zu machen. Nirgends vorher war ich so lange in einem Amt tätig, wie die fast 27 Jahre im Rahdener Rathaus.

Vor der endgültigen Entscheidung hat bei uns der Familienrat getagt. Mir ist die Meinung meiner Frau immer sehr wichtig.

Wie geht es für Sie weiter?

Hachmann: Ich werde mich aus dem politischen Leben zurückziehen. Ab dem 1. November werde ich dann wieder arbeiten. Aber ich sehe mich selbst nicht als so wichtig, als dass ich über die Presse bekannt geben sollte, wo genau.

Haben Sie einen Ratschlag, den Sie Ihrem Nachfolger Dr. Honsel mit auf den Weg geben möchten?

Hachmann: Ich halte es für falsch, wenn scheidende Amtsinhaber ihrem Nachfolger meinen, Ratschläge geben zu müssen. Daher werde ich das nicht tun. Schließlich wird Dr. Honsel seine eigenen Schwerpunkte setzen müssen und auch sicher Einiges anders machen als ich. Wenn er aber mit einer Frage an mich herantreten sollte, werde ich mich sicher nicht verweigern.

Die Vita von Bernd Hachmann:

Bernd Hachmann ist 59 Jahre alt, verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. Zu dem Haushalt in Rahden gehört zudem ein Hund. In seiner Freizeit ist der scheidende Bürgermeister sehr aktiv: Er spielt Tennis im TV Rahden, hat zwei Doppelkopf-Runden und tobt sich bei der Gartenarbeit aus. In ruhigen Stunden liest Hachmann gerne.

Seine berufliche Laufbahn begann mit einem Jurastudium, dem sich eine Tätigkeit in einer Anwaltskanzlei anschloss. Auch die Uni ins Osnabrück war eine Station Hachmanns, bevor es als Kommunalverwalter nach Bad Harzburg ging. 1989 kam Hachmann als Stadtdirektor nach Rahden, wo er 1999 zum Bürgermeister gewählt wurde. Mit 75,7 Prozent der Stimmen gewann er damals. Bei der Wahl am 26. September 2004 wurde Hachmann mit 83,7 Prozent der gültigen Stimmen, 2009 mit 63,33 Prozent wiedergewählt.

„Rückblickend scheinen die 27 Jahre gar nicht so lang gewesen zu sein“, sagt Hachmannn, der heute nach eigener Aussage mit einem lachenden und einem weinenden Auge dem Rathaus den Rücken kehrt. „Aber es war die richtige Entscheidung“, unterstreicht Hachmann.

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