Rund 30 Gäste tauschen sich bei Podiumsdiskussion zum Thema Flüchtlinge aus

Ängste werden weniger

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Bei der Podiumsdiskussion (v.l.): Moderator Thomas Rogalske (stellv. Kreisvorsitzender), Marie-Luise Bernotat (Sprecherin der Arbeitsgruppe „Patenschaften“ der Flüchtlingshilfe Lübbecke), Bürgermeister Dr. Bert Honsel, Claudia Armuth (Jugendmigrationsdienst Minden-Lübbecke), Sozialarbeiter Anton Schick (Jugendcafé Real-Life in Espelkamp), Bundestagsabgeordneter Dr. Tim Ostermann und Moderatorin Marlene Hartke.

Rahden - Die Flüchtlingskrise dominiert nach wie vor die politische Debatte – auch im Mühlenkreis. Wie sehen junge Menschen die Situation? Welche Hoffnungen oder Sorgen haben sie? Das diskutierte der Kreisverband der Jungen Union (JU) am Samstagnachmittag im Rahdener Bahnhof.

Mit rund 30 Gästen war die Besucherzahl überschaubar, viele der Stühle blieben leer. Zum einen war dieser Umstand sicherlich auch dem Wetter geschuldet. Zum anderen darf es aber auch als Zeichen dafür gedeutet werden, dass die Ängste und Sorgen in der Bevölkerung weniger werden – weil sie sich nicht bestätigt haben.

Zu den Referenten gehörten Rahdenes Bürgermeister Dr. Bert Honsel (CDU), der Bundestagsabgeordnete Dr. Tim Ostermann (CDU) aus Herford als Vertreter der Bundespolitik, der Sozialarbeiter Anton Schick vom Jugendcafé Real-Life in Espelkamp, Claudia Armuth vom Jugendmigrationsdienst Minden-Lübbecke und Marie-Luise Bernotat, Sprecherin der Arbeitsgruppe „Patenschaften“ der Flüchtlingshilfe Lübbecke.

Letztere zeichnete aus ihrer Erfahrung ein ähnliches Stimmungsbild. Bei ersten Diskussions- und Informationsveranstaltungen in Lübbecke seien bei teilweise sehr aufgeheizter Stimmung zahlreiche Bürger mit ebenso vielen Ängsten und Sorgen herbeigeströmt. Gerade nach der kurzfristigen Räumung der Jahn-Realschule im September hatte es „ganz großen Aufruhr“ gegeben. Mit der Zeit seien die Emotionen und die Zahl der Interessierten jedoch geringer geworden. Dies könne man als Zeichen dafür werten, dass sich viele der anfänglichen Befürchtungen nicht bestätigt haben.

Rahdens Bürgermeister Honsel bestätigte diesen Eindruck. Nach den Silvester-Vorkommnissen habe auch er als Vater einer Tochter „einen Hals gehabt“, gab er offen zu. Tatsächlich habe es in in Rahden aber nicht eine einzige Strafanzeige gegeben. Auf Fragen zum Thema Registrierungen versicherte Honsel: „Keiner kommt unkontrolliert nach Rahden.“

Sozialarbeiter Anton Schick berichtete, dass er wegen einiger Vorfälle und aggressiver Verhaltensweisen in Espelkamp schon ein paar Mal die Polizei rufen musste. Oft sei dabei Alkohol im Spiel. In solchen Fällen greife das Konzept der „Paten“ in Lübbecke und der „Kümmerer“ in Rahden, die aufmerksam hinschauen und Bernotat zufolge entsprechende Personen dann direkt „zur Brust nehmen können“.

Natürlich gibt es nach wie vor Herausforderungen, die bewältigt werden müssen. Aktuell hat der Kreis Minden-Lübbecke 4.650 Flüchtlinge zu beherbergen, 370 davon sind Rahden zugeteilt, nannte der Bürgermeister bei der Veranstaltung der Jungen Union Fakten und Zahlen aus kommunaler Sicht. Für die Integration dieser Personen sind 2,7 Millionen Euro angesetzt, was zwölf Prozent der aktuellen Haushaltsplanungen ausmache.

Die Stimmung im Publikum war geteilt. Auch eine recht aufgebrachte Stimme meldete sich zu Wort und bezeichnete Deutschland mit seinen Sozialleistungen als einen „Magneten für Wirtschaftsflüchtlinge und illegale Einwanderer“. Ein anderer Besucher hingegen war sinngemäß der Meinung, die beschlossene Einschränkung der Aufnahmezahlen sei ein Einschwenken in die rechte Ecke.

Bundestagsmitglied Dr. Tim Ostermann äußerte hierzu, dass man die Ängste auch ernst nehmen müsse und es ein klares Zeichen seitens der Politik brauche. Und dieses sei, die Zahl deutlich zu reduzieren. Honsel betonte, dass ein Stopp auch auf kommunaler Ebene entscheidend sei. Denn: „Die Integration wird Jahre und Geld kosten.“ Das Beschleunigen von Verfahren, das zusätzliche Schaffen von Sprachfördermaßnahmen und kürzere Wege in den Arbeitsmarkt lauteten die Schlagworte.

Die Zukunftsaussichten, welche die geladenen Referenten zum Abschluss gaben, ließen eine positive Tendenz erkennen. Anton Schick, der zusammen mit seiner Familie einst selbst als Flüchtlingskind nach Deutschland kam, appellierte an die Zuhörer, „sich nicht von der Einseitigkeit der Medien beeinflussen zu lassen und ihr Herz zu öffnen“. Denn Integration hänge immer von beiden Seiten ab. Claudia Armuth vom Jugendmigrationsdienst Minden-Lübbecke ergänzte: „Es ist sehr viel nachgedacht worden und unheimlich viel in Bewegung.“ Man darf sich also überraschen lassen – auch positiv.

mama

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