76-Jährige kann sich nicht erinnern

Großmutter fasst Enkelin an die Brust

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Mediengruppe Kreiszeitung

Rahden/Espelkamp - Weil sie vor Jahren bei der Arbeit in Russland von einem Pferd getreten wurde und dabei eine schlimme Gehirnerschütterung erlitten hatte, erklärte eine Angeklagte nun, sich nicht mehr an eine sexuelle Handlung an ihrer Enkelin im vergangenen Jahr zu erinnern. Das konnte Richter Hagenkötter vom Amtsgericht Rahden nicht nachvollziehen. Das Verfahren gegen die 76-Jährige wurde schließlich eingestellt.

„Ich kann mich nicht an den Vorfall erinnern“, beteuerte die Rentnerin, die 1998 nach Deutschland eingereist war, mehrmals. Über ihren Dolmetscher erklärte sie dem Richter und dem Staatsanwalt, dass sie ihre Enkelin nie beleidigt habe. „Welche Oma würde das ihrer liebsten Enkelin antun?“, fragte die Angeklagte. „Wenn ich es doch getan haben sollte, bedaure ich das sehr.“ „Was vor 40 Jahren passiert ist, hat mit den heutigen Erinnerungen nichts zu tun“, brachte Hagenkötter seine Bedenken zu den Wissenslücken der Rentnerin zum Ausdruck.

Die Tat, für die sie sich gestern vor dem Amtsgericht verantworten musste, soll sich im August vergangenen Jahres in Espelkamp ereignet haben. Die damals 12-jährige Enkelin habe bei der Großmutter auf dem Boden gehockt und gespielt. Die Angeklagte habe sie zunächst vom Sofa aus beobachtet, verlas der Staatsanwalt. Laut Anklage soll die 76-Jährige bei der Minderjährigen dann den Brustbereich befühlt haben.

„Ich habe die Familie zwei Mal um Verzeihung gebeten, aber sie haben das nicht akzeptiert“, sagte die Angeklagte, die noch im Juni diesen Jahres bei der Polizei den Tathergang geschildert haben soll. Gestern machte sie keine Angaben. Es mache sie krank, dass sie seit dem Vorfall keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn, der Schwiegertochter und der Enkelin habe. „Sie sind weggefahren und nicht wiedergekommen. Das Telefon ist abgeschaltet“, berichtete die 76-Jährige.

Die geschädigte Enkelin leidet Angaben des Staatsanwalts zufolge bis heute unter dem Vorfall und war daher nicht zur Verhandlung geladen worden. „Ich möchte ihr ersparen, erneut zu berichten“, erklärte Hagenkötter. Denn bei der Polizei habe das Mädchen mehrfach geweint. Daher wollte er den Prozess nicht unnötig in die Länge ziehen – Hagenkötter schlug die Einstellung des Verfahrens vor. Da er eine Wiederholung ausschließe, befand er es als nicht erforderlich, den Fall näher zu klären. Der Staatsanwalt und die Angeklagte stimmten zu.

„Es ist nicht in Ordnung, dass Sie Ihrer Enkelin an die Brust gefasst haben. Sie würden das doch auch nicht wollen“, machte Hagenkötter der Rentnerin deutlich. „Sie leiden darunter, dass Sie keinen Kontakt mehr haben“, schloss er aus den Aussagen der Angeklagten. „Ich wünsche Ihnen, dass Sie die Sache mit der Familie klären können. Sie haben es selbst in der Hand“, schloss Hagenkötter die Verhandlung.

abo

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