58-Jähriger wegen Diebstahl vor Gericht / Badewanne sorgt für Aufruhr

„Das ist ja wie bei Barbara Salesch“

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Rahden/Espelkamp - Eine Badewanne sorgte gestern für eine hitzige Verhandlung vor dem Amtsgericht in Rahden. Die Staatsanwaltschaft legte einem 58-jährigen Lkw-Fahrer zur Last, die beige Wanne geklaut zu haben. Der Angeklagte versicherte jedoch, dass ihm erlaubt wurde, sie mitzunehmen.

Den vermeintlichen Besitzer habe er bei einem Autoschlosser getroffen, erklärte der 58-Jährige. Da beide dort warten mussten, seien sie ins Gespräch gekommen – unter anderem über eine Pferdekoppel für seinen Enkel, bei der noch eine Tränke fehlte. Sein Gesprächspartner habe erzählt, dass er eine ausrangierte Badewanne besitze, die als Tränke dienen könnte. Das Angebot: Wenn der Lkw-Fahrer ein bisschen Müll mitnehme, dürfe er die Wanne behalten.

Die Männer einigten sich und der Angeklagte machte sich auf dem Weg zu dem ihm beschriebenen Haus. Dort angekommen, habe er sogar eine Nachbarin gefragt, ob es in Ordnung sei, die draußen stehende Badewanne mitzunehmen, erzählte der Lkw-Fahrer. Das bescheinigte ein 33 Jahre alter Zeuge, der beim Verladen der Wanne geholfen hatte.

Der eigentliche Besitzer der Wanne ist ein 49 Jahre alter Mann aus Espelkamp. Er war sich sicher, den Angeklagten noch nie gesehen, geschweige den ihm seine Badewanne geschenkt zu haben. Die wollte er wieder in sein Bad einbauen, nachdem er es neu verfließt hatte – farblich abgestimmt zu der beigen Wanne. Nach dem „Diebstahl“ musste er sich eine neue Wanne und Dusche – auch die sei ihm gestohlen worden – und farblich passende Fliesen kaufen, klagte der Espelkamper. Wenigstens sehe es jetzt schöner aus als vorher, gab er nach einer scherzhafte Nachfrage von Richter Hagenkötter zu. Seine alte Wanne brauche er nun nicht mehr. Diese liegt, als Beweisstück gesichert, bei dem Angeklagten.

Auch der Lkw-Fahrer erkannte den richtigen Besitzer nicht als den Mann wieder, der ihm die Wanne versprochen hatte. Der 58-Jährige war sich jedoch sicher, das er nur eine Wanne und jede Menge Müll mitgenommen hatte. Eine Dusche sei nicht dabei gewesen.

Die Geschichte sorgte im Gerichtssaal für einigen Aufruhr. „Selbst ein Außenstehender merkt, dass da was vorne und hinten nicht stimmt“, mischte sich eine Zuhörerin in den Prozess ein. Nachdem sie der Staatsanwältin vorgeworfen hatte, ihre Arbeit nicht richtig zu erledigen, wurde die Frau des Saales verwiesen. Mit ihr verließ der Zeuge, der beim Verladen der Wanne geholfen hatte, den Raum. Er hatte lautstark seine Vermutung verkündet, dass der Badewannen-Besitzer „Geld machen“ wolle. Dieser diskutierte derweil mit dem Angeklagten. Beide wollten ihrem Gegenüber ihre Sicht der Geschichte näher bringen. „Das ist ja wie bei Barbara Salesch“, kommentierte Richter Hagenkötter das Geschehen im Gerichtssaal.

Wer dem Angeklagten gesagt hat, dass er die Badewanne mitnehmen kann, blieb offen. „Ich bin fürchterlich gelinkt worden“, befürchtete der Angeklagte.

Die Staatsanwaltschaft schlug vor, das Verfahren einzustellen. Allerdings mit einer „kleinen Auflage als Besinnung“. Denn man könne nicht einfach etwas mitnehmen, nur weil eine fremde Person das sagt. Sie schlug eine Geldauflage von 300 Euro vor. Etwas widerwillig akzeptierte der Angeklagte das Angebot der Staatsanwältin, nachdem sie ihm vorgerechnet hatte, dass ihn eine Verurteilung wesentlich teurer kommen würde. Das Geld kommt dem westfälischen Kinderdorf in Paderborn zugute.

„Und was ist jetzt mit der Badewanne?“, fragte der 58-Jährige zum Schluss der Verhandlung. Die könne er jetzt als Tränke verwenden, sagte Hagenkötter.

ks

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