380kV: Stemweder Verwaltung und Reininger Familien fordern Erdverkabelung

Nicht zweite Klasse

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Hoffen auf ein Einlenken der Behörden (v.l.): Kai Abruszat, Brigitte Wichering, Peter Hüsener, Hermann Seeker, Dominik Schmedt, Günter Wichering, Marion und Joachim Schmedt.

Reiningen - Von Melanie Russ. Die aus der Energiewende folgenden Eingriffe in den Lebensraum – sei es für Windkraftanlagen oder Stromtrassen, die den Strom von Nord nach Süd transportieren – sind zum Teil erheblich, die Akzeptanz in der Bevölkerung ist mancherorts verhalten. Auch im Stemweder Ortsteil Reiningen kann man die Notwendigkeit einer neuen, größeren Stromtrasse durchaus nachvollziehen. Dass die vom Energiekonzern Amprion geplante neue 380kV-Höchstspannungsfreileitung Wehrendorf – St. Hülfe aber direkt über die Höfe der Familien Schmedt und Wichering verlaufen soll (eine alternative Route würde durch den Randbereich des Naturschutzgebiets führen), sehen weder die Betroffenen noch die Stemweder Verwaltung ein. Sie hoffen nun auf die Alternative Erdverkabelung.

Die ist nach Festsetzung des Energieleitungsausbaugesetzes (Enlag) für den Bereich St. Hülfe – Ganderkesee geplant und nun auch für den südlichen Abschnitt Wehrendorf – Gütersloh vorgesehen. Nur das Teilstück Wehrendorf – St. Hülfe ist ausgenommen. Völlig inakzeptabel, findet Kai Abruszat. „Als Bürgermeister von Stemwede kann ich nur mein Unverständnis zum Ausdruck bringen, dass hier wohl mit zweierlei Maß gemessen wird“, sagte er gestern im Rahmen eines Pressegesprächs. „Hier wohnen nicht Menschen zweiter Klasse.“ Auch für Hermann Seeker, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbands, ist nicht nachvollziehbar, dass Leitung direkt über Ställe verlegt werden. „Das kann weder Mensch noch Tier auf Dauer ab“, so Seeker. Erdverkabelung sei dringend geboten.

Ganz persönlich will Abruszat seine Kritik am Montag gegenüber der Bezirksregierung Detmold äußern. Die Behörde ist für das Genehmigungsverfahren des knapp zwei Kilometer langen Teilstücks auf Stemweder Gebiet zuständig. Der Bürgermeister hat bei seiner Forderung nach Erdverkabelung nicht nur seine Gemeinde im Blick. Es gehe um die grundsätzliche Frage, ob Erdverkabelung nur da zum Einsatz komme, wo sie ökonomisch sinnvoll oder der Widerstand gegen Überlandleitungen zu stark sei, oder ob sie grundsätzlich häufiger eingesetzt werde.

Auch aus planerischer Sicht ist für Abruszat nicht nachvollziehbar, warum im Bereich Wehrendorf – St. Hülfe keine Erdkabel verlegt werden sollen. Der Bürgermeister stellte Amprion schriftlich in Aussicht, dass im Falle einer Erdverkabelung – gemäß Enlag oder auf freiwilliger Basis – sowohl die Gemeinde als auch die Familien Schmedt und Wichering ihre Bedenken zurücknehmen würden. Der Konzern habe durch die langwierigen Planfeststellungsverfahren in Niedersachsen und NRW viel Zeit und Geld verloren. Ein Umstieg auf Erdverkabelung könne relativ schnell für Planungssicherheit sorgen.

Bei der Firma Amprion ist man aber offensichtlich zuversichtlich, dass die jetzige Variante die Zustimmung der Bezirksregierung findet. Amprion-Vertreter Arndt Feldmann vermutet, dass der Bereich Wehrendorf – St. Hülfe nicht im Enlag berücksichtigt ist, weil das Planfeststellungsverfahren bereits weit fortgeschritten ist. Und Geist des Gesetzes sei es ja, den Netzausbau zu beschleunigen. Feldmann rechnet mit der Planfeststellung etwa Mitte nächsten Jahres.

Der von Amprion vermittelte Zeitdruck ist für Joachim Schmedt kein stichhaltiges Argument. Solange der nördliche Trassenabschnitt nicht gebaut werde – und dort sei man noch lange nicht soweit – habe es auch mit dem hiesigen Trassenabschnitt keine Eile. Schließlich komme der Strom von den Windkraftanlagen der Nordsee ohne die nördliche Trasse gar nicht hier an. Arndt Feldmann wiederspricht. Der Abschnitt Wehrendorf – St. Hülfe sei auch ohne die nördliche Verbindung extrem wichtig für den Stromtransport durchs Land.

Sowohl Abruszat als auch Schmedt fordern die Unterstützung der hiesigen Landtags- und Bundestagsabgeordneten ein. Denn dass der südliche Trassenabschnitt nun auch erdverkabelt werden soll, ist nach Einschätzung Schmedts wesentlich dem Einsatz der dortigen Abgeordneten zu verdanken. „Wir haben ganz große Hoffnung, dass wir auch hier Erdverkabelung bekommen“, so Schmedt.

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