Arbeitsloser muss nun Arbeitsstunden leisten

37-Jähriger lässt sich auf Betrug ein

Rahden - Ein 37-jähriger Mann wollte sich als Automechaniker selbstständig machen und musste sich für seine Methoden zur Geldbeschaffung nun vor dem Rahdener Amtsgericht verantworten. Der Arbeitslose hatte einem Bekannten vertraut, der wiederum Unterlagen fälschte, um an erhebliche Geldsummen zu kommen. Der Bekannte des Angeklagten hatte bei zwei Anbietern Kredite angefordert, die aber nie zur Auszahlung kamen. Anstelle der Selbstständigkeit kommen auf den 37-Jährigen jetzt eine neunmonatige Freiheitsstrafe sowie 250 Arbeitsstunden zu.

Die Betrugsfälle hatten sich im Oktober und November 2014 ereignet. Beim ersten Betrugsversuch stellte der dem Gericht unbekannte Freund des Angeklagten im Internet einen Kreditantrag über eine Summe von 40 000 Euro. Dazu nutzte er eine gefälschte Lohnabrechnung sowie Kontoauszüge mit dem vermeintlichen Eingang einer Gehaltszahlung. Da dies im weiteren Verlauf der Abwicklung auffiel, wurde das Konto bei der Rahdener Stadtsparkasse aufgelöst. Dies führte wiederum dazu, dass bei dem zweiten Kredit über 36 000 Euro keine Bonität nachweisbar war.

In einer Einlassung, die der Verteidiger nun verlas, hatte der Angeklagte erklärt, dass er seinen früheren Freund wiedergetroffen und ihm von seinen Plänen, als selbstständiger Automechaniker zu arbeiten, erzählt hatte. Daraufhin habe er dem Mann seine Kontokarte gegeben.

„Mit den gefälschten Unterlagen hat mein Mandant nichts zu tun“, so der Jurist, der einräumte, dass der 37-Jährige in Kauf genommen hatte, dass die Unterlagen an verschiedenen Stellen vorgelegt wurden. „Von dem zweiten Vorfall hat mein Mandant nichts gewusst“, so der Verteidiger.

Während Richter Schnasse und der Verteidiger beim Unterschriftenvergleich meinten, den Fälschungsversuch erkennen zu können, merkte die Staatsanwältin an: „So eklatant sind die Abweichungen nicht. Das müsste ein Gutachter entscheiden.“ „Es wäre sinnvoll die Originale zu haben“, so Schnasse.

Rechtschreibfehler deutet auf Betrug hin

Was ebenfalls auf Betrug hindeutete, sei die Tatsache, dass bei der Lohnbescheinigung der Ort Rahden falsch geschrieben gewesen sei, führte der Richter weiter aus. Zudem hatte der an dem Fall beteiligte Unbekannte verschiedene Wohnsitze des Angeklagten angeführt.

Lautete die Anklage zu Beginn auf Verschaffung rechtswidrigen Vermögensvorteils, einigten sich die Parteien schließlich auf zwei Fälle von versuchten Betrugs. „Er wollte den Kredit zurückzahlen“, bat der Verteidiger bei der Strafbemessung zu berücksichtigen. „Der Mann war betrugsbereit und den Banken wäre bei einer Auszahlung ein erheblicher Schaden entstanden. Außerdem hätte er wissen müssen, dass er als Arbeitsloser nicht so viel Geld ausgezahlt bekommt“, sagte die Staatsanwältin, bevor sie für beide Vorfälle eine Freiheitsstrafe von insgesamt zehn Monaten sowie 200 Arbeitsstunden und eine Geldauflage von 1 000 Euro plädierte.

Am Ende verhängte Richter Schnasse eine mildere Strafe – auch mit Blick auf die „fast tilgungsreifen Vorstrafen“, die einen Betrug sowie Verkehrsgefährdungen enthielten. Die neunmonatige Freiheitsstrafe wurde mit einer dreijährigen Bewährungsfrist ausgesetzt. Binnen eines Jahres muss der 37-Jährige zudem 250 Stunden gemeinnnützige Arbeit leisten. - abo

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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