25-Jährige verstrickt sich in Widersprüche

Vom Opfer zur Angeklagten

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Mediengruppe Kreiszeitung

Rahden/Espelkamp - Die Beziehung zu ihrem Freund zerbrach, sie beschimpften und beleidigten sich. Im Streit drehte er ihr Handgelenk um und zwang sie, Schmuck, den er ihr geschenkt hatte, zurückzugeben – so hatte es eine 25-jährige Espelkamperin der Polizei geschildert und Anzeige erstattet. Doch ihr Ex-Freund wurde von dem Vorwurf der räuberischen Erpressung freigesprochen und sie saß vor wenigen Tagen selbst auf der Anklagebank des Amtsgerichts Rahden. Die Staatsanwaltschaft legte ihr falsche Verdächtigung zur Last.

Grund für die Anklage: Die 25-Jährige hatte sich bei ihren Aussagen auf der Polizeiwache und später vor dem Schöffengericht in Minden in Widersprüche verstrickt. Bei der Polizei hatte sie ausgesagt, ihr Ex-Freund habe ihr erst das Handgelenk umgedreht und dann den Schmuck gefordert. Vor dem Schöffengericht meinte sie hingegen, es sei umgekehrt gewesen.

„Ich stehe zu dem, was ich in Minden gesagt habe“, so die Angeklagte beim Prozess wegen falscher Verdächtigung. Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft und Richter Schebitz bestritt sie jedoch, bei der Polizei gelogen zu haben. Zumindest nicht bewusst. Sie räumte ein, sich nicht mehr an den genauen Ablauf der Auseinandersetzung mit ihrem Ex-Freund zu erinnern. „Da ist so viel vorgefallen“, versuchte sie sich für ihre Erinnerungslücken zu rechtfertigen. Was sie noch wusste: Es sei zu dem Streit gekommen, weil ihr damaliger Freund Geld für ein Tattoo verlangt habe. Das habe sie ihm nicht geben wollen. Eigentlich habe sie ihm auch den Schmuck nicht wiedergeben wollen, weil es ein Geschenk gewesen sei. Nach dem Streit ist das Paar der Espelkamperin zufolge wieder zusammengekommen. Nach ein paar Monaten folgte erst die endgültige Trennung, dann die Anzeige wegen räuberischer Erpressung. „Meine Mutter hat immer gesagt, dass er nicht gut für mich ist“, sagte die Angeklagte.

Der Richter und die Staatsanwältin fragten sie, wieso sie eine falsche Aussage gemacht habe – denn eine ihrer Angaben müsse zwangsläufig gelogen gewesen sein. „Ich war aufgeregt“, sagte die Angeklagte immer wieder, teils mit Tränen in den Augen. „Ich habe gezittert“, erinnerte sie sich an die Verhandlung in Minden. Damals hätte der Richter andauernd gelacht, was sie noch mehr verunsichert habe. „Waren sie bei der Polizei auch aufgeregt?“, hakte Richter Schebitz nach. „Ja, das war ich“, so die Espelkamperin.

„Man kann nicht alles mit Aufregung begründen“, meinte die Staatsanwältin. „Ehrlich gesagt bin ich nicht ganz sicher, ob Ihnen bewusst ist, wie wichtig eine Zeugenaussage ist“, hielt sie der Angeklagten vor. Es sei rechtlich ein „riesiger Unterschied“, ob man Schmuck freiwillig herausgibt oder dazu gezwungen wird. Schebitz erinnerte die Angeklagte, dass ihr Freund wegen räuberischer Erpressung vor Gericht saß. „Da was Falsches zu sagen, ist echt kein Pappenstiel.“

Die Staatsanwältin begrüßte eine kleine Geldauflage aus „Schulungszwecken“. Allerdings kamen sie und der Richter zu dem Schluss, dass man der Espelkamperin keine böse Absicht unterstellen könne. Das Verfahren wurde eingestellt. Zum Schluss riet die Staatsanwältin der Angeklagten, in Zukunft mehr nachzudenken.

ks

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