2400 Euro Strafe für 75-jährigen Pensionär / Lebensgefährtin freigesprochen

Geld in Dubai verschwunden

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Mediengruppe Kreiszeitung

Rahden/Espelkamp - Neue Möbel hatten eine 57-Jährige und ihr 75-jähriger Partner in einem Espelkamper Möbelhaus schnell gefunden. „Da ist es preiswert und wir brauchten nicht mehr zu verhandeln“, erklärte die Frau. Dass sie allerdings nicht genug Geld hatten, um die Einrichtungsgegenstände zu zahlen, war ihr nicht bewusst. Wegen Betrugs mussten sich die beiden nun vor dem Rahdener Amtsgericht verantworten.

Während das Verfahren gegen seine Lebensgefährtin eingestellt wurde, muss der Angeklagte eine Geldstrafe von 2400 Euro zahlen, weil er betrogen und sich dadurch rechtswidrig Vermögensvorteile verschafft hatte. Dem Verkäufer hatte das Paar Zahlungsfähigkeit vorgespielt, obwohl beide beim Amtsgericht Minden eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hatten.

„Ich habe mich auf meinen Lebensgefährten verlassen. Er meinte, wir haben das Geld“, sagte die Witwe. „Das ist zu wenig“, kritisierte die Staatsanwältin, dass die 57-Jährige nicht weiter geprüft habe, woher die rund 5500 Euro für die Möbel sowie weitere 225 Euro für deren Aufbau stammen sollten. Da die beiden Witwer seit zehn Jahren zusammenleben und „vorher nie was gewesen ist“, habe sie die Möbel in Ruhe gekauft, so die Angeklagte, die sich eigenen Angaben zufolge die Möbel allein nicht hätte leisten können. Dafür reiche ihre Witwenrente nicht aus, so die Arbeitslose.

„Ich bin davon ausgegangen, dass das Geld da ist“, erklärte der 75-Jährige, der vor dem Amtsgericht seine umfangreiche Familiengeschichte ausbreitete: Er habe seiner Großnichte im Jahr 2002 80000 Euro geliehen, die sie in ein Hotel in Dubai investiert habe. „Der Gewinn war für meine Enkelkinder gedacht. Und wenn es schiefgelaufen wäre, dann wäre das eine wichtige Lebenserfahrung“, so der Angeklagte zu den Bedenken von Richter Hagenkötter, dass bei der Summe ein hohes Risiko im Spiel gewesen sei. Auf schriftliche Unterlagen habe er bei diesem Geschäft verzichtet – „ich hatte bisher nie Ärger wegen Geld“, so der 75-Jährige. „Die Anlage ist kein sicheres Sparbuch“, so Hagenkötter.

Bis 2013 hätte die Großnichte 100000 Euro an den Pensionär, der das Geld aus der Auflösung einer Kiesgrube haben will, zurückzahlen sollen. Dazu ist es allerdings nicht gekommen, denn die Frau starb laut Aussage des Angeklagten 2011 bei einem Autounfall. „Ich bin platt“, lautete die Reaktion der 57-jährigen Lebensgefährtin auf die Dubai-Geschichte, die sie bei Gericht zum ersten Mal gehört habe. „Ich habe nichts gesagt, weil ich dachte, dass ich das alles hinbekomme“, verteidigte sich der Mann.

Hagenkötter folgte dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft und verhängte eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 30 Euro. „Die Tat ist kein Pappenstiel“, sagte er abschließend. Das Möbelhaus habe einen erheblichen finanziellen Verlust erlitten und seine Lebensgefährtin habe er in die Sache mit reingezogen, führte Hagenkötter dem Angeklagten vor Augen. Dieser spekulierte noch im Gerichtssaal auf einen Lottogewinn, um die Strafe zahlen zu können.

„Ich habe ihm tüchtig die Hölle heiß gemacht“, hatte die Frau zu Beginn berichtet. Schließlich würde man selbst bei einer „tüchtigen Krise“ nicht einfach gehen. Diesmal solle sie bis zuhause mit dem Schimpfen warten, riet Richter Hagenkötter, der davon ausgeht, dass dem Angeklagten die Worte seiner Partnerin eine Lehre sein werden.

abo

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