Ein Projekt macht deutlich, wie mit kleinen Schritten große Wirkung erzielt werden kann

„Prima“ hilft jungen Familien

Der Kindersitz für's Fahrrad gehört zu den Dingen, die Doris (2.v.r.) halfen, nicht nur ihren Bewegungsradius zu erweitern, sondern auch Selbstverantwortung zu übernehmen. Die Familienbegleiterinnen Kerstin Pieper und Diane Sheban (v.l.) sowie Projektleiterin Liane Stork und stehen beiden mit „Prima“ zur Seite.

Rahden - RAHDEN/STEMWEDE (elk) „Bevor ich ,Prima' kennenlernte, war ich eine sehr schüchterne Maus“, sagt Doris S. (21), putzt ihrer zweijährigen Tochter die Nase und schickt sie zum Puppenhaus, „denn Mama will sich jetzt unterhalten“. Schüchtern wirkt die junge Mutter in der Gesprächsrunde nicht mehr.

        Dabei hatte sie es nicht leicht, als sich ihr Kind ankündigte. Mit vier Geschwistern wohnte sie bei den Eltern. Ein kleines Zimmer mit Kochnische sollte das Zuhause für die junge Familie werden. Doris hatte keine abgeschlossene Berufsausbildung, keinen Job. Da wurde ihr ein Flyer von „Prima“ in die Hand gedrückt.

Das Projekt „Prima – frühe Hilfen für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern im Kreis Minden-Lübbecke“ wurde 2007 von der PariSozial Minden-Lübbecke ins Leben gerufen. Finanziert wird es durch die in Minden verwaltete Rudloff-Stiftung. Die speziell ausgebildeten ehrenamtlichen Familienbegleiterinnen unterstützen Familien vor allem in schwierigen Lebenssituationen. Sie kommen ins Haus, wann immer es Kummer, Sorgen oder Probleme in überlasteten Familien, bei jungen Müttern, Alleinerziehenden, Arbeitslosen, Scheidungsfamilien oder Familien mit Krankheitsfällen gibt.

Auch für Doris fand sich schnell eine Familienbegleiterin: Kerstin Pieper, 42 Jahre alt, Mutter einer erwachsenen Tochter und Erzieherin in einem Stemweder Kindergarten. Beide hatten sich bereits flüchtig kennen gelernt, als Doris ein Praktikum im Kindergarten leistete. „Wir fanden schnell einen Draht zueinander“, erzählt Doris. Wann immer sie Hilfe brauchte, war Kerstin Pieper für sie da.

„Da ich diese Aufgabe ehrenamtlich übernommen habe, kann ich auch bestimmen, wie viel Zeit ich aufwende“, erklärt Kerstin Pieper. Demnächst wird sich jemand anderes um Doris und ihr Tochter kümmern, denn Kerstin Pieper bereitet sich auf den Abschluss ihres Studiums vor. „Aber Doris hat bereits gelernt, auf ihre eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und dass sie selbst losgehen muss, um etwas zu erreichen“, ist sie überzeugt.

Als neue Familienbegleiterin ist jetzt Diane Sheban (43) für die junge Mutter da. Sie hat einen achtjährigen Sohn und war im Gastgewerbe tätig. Das kommt Doris zugute, denn auch sie hat einen kleinen Job in dieser Branche gefunden.

Alle drei haben bereits einiges gemeinsam erreicht: Doris hat eine kleine Wohnung in Lübbecke bezogen, sie ist viel mobiler, seit sie ihre Tochter auf einem Kindersitz auf dem Fahrrad mitnehmen kann, den ihr Kerstin Pieper vermittelte. Und während Doris ab demnächst an einer Ausbildungsmaßnahme von Pro Arbeit teilnimmt, wird ihre Tochter im nahe gelegenen Kindergarten gut betreut.

„Es ist ganz wichtig, dass sich Familienbegleiterin und Mutter gut verstehen“, meint Liane Stork, die das Projekt „Prima“ leitet. „Denn schließlich muss die Chemie stimmen, wenn man jemanden Wildfremdes in seinen Privatbereich schauen lässt. Aber wir finden schon für jeden Topf den passenden Deckel“, meint sie und ermutigt junge Familien, sich bei den Familienbegleiterinnen kostenlos und unverbindlich individuellen Rat und Hilfe zu holen. Kontakt: Liane Stork, Telefon 05741/3424-90.

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