Abgerissene Stromleitung brachte Tiere des Eselhofes Priesmeier in große Gefahr

Pommerngans „Marie“ hatte einen Schutzengel

Ganz gleich, was um sie herum passierte: Pommerngans „Marie“ blieb bei dem Unwetterchaos am Mittwoch besonnen auf ihrer Brut sitzen.

Oppendorf - Von Anja Schubert· Werdende Mütter brauchen manchmal starke Nerven. Und dazu eine gehörige Portion Glück. Mehr als eine Stunde bangten und zitterten Gerhard und Brigitte Priesmeier vom gleichnamigen Oppendorfer Eselhof am Mittwochabend mit ihren Tieren.

      Während des Unwetters, das auch über Oppendorf hinwegzog, hatte ein abknickender Baum direkt über dem Streichelzoo des Eselhofes eine Stromleitung vom Mast gelöst, und nicht nur die brütende Pommerngans „Marie“ in Lebensgefahr gebracht, auf deren Brutstätte ein abgeknickter Ast zudem noch Feuer fing.

Noch einen Tag nach dem Unwetter sitzt „Bauer Gerd“ und seine Frau Brigitte der Schreck in den Gliedern. Der riesige Ast einer Pappel, der durch den Gewittersturm abgebrochen war, fiel ausgerechnet auf eine 10-kV-Leitung, die im Bereich des Gänsegeheges und des Streichelzoos, in dem Esel, Hängebauchschweine, Ziegen und Hühner zu Hause sind, verläuft. Der Ast stürzte zu Boden und riss einen der drei Stromdrähte von der Isolator-Traverse mit in die Tiefe. Rund drei Meter über dem Boden blieb er, verfangen in dem heruntergestürzten Ast, hängen. Durch die Hochspannung begann der Ast zu schmoren und setzte das Laub in Brand – direkt auf „Maries“ Hüttendach.

Priesmeiers reagierten in der bedrohlichen Situation sehr besonnen, denn durch die durchhängende Stromleitung war auch der Eselstall, der zuvor noch mit frischem Stroh eingestreut worden war, in Gefahr. Trotz ihrer Angst um die Tiere unterließen sie es schweren Herzens, sie aus dem mit Draht umzäunten Gehege in Sicherheit zu bringen. Das hätten sie mit ihrem eigenen Leben bezahlen können. „Wir haben bei der NIKE angerufen und sie aufgefordert, zur Rettung der Tiere den Strom abzustellen“, so Brigitte Priesmeier. „Der Mitarbeiter dort empfahl uns, sicherheitshalber auch noch die Feuerwehr zu informieren, warnte uns vor allem eindringlich davor, dem Draht zu nahe zu kommen.“

Nachdem klar war, dass über dem Anwesen der Priesmeiers eine 10-kV-Leitung verläuft, waren mindestens zehn Meter Sicherheitsabstand geboten, damit der Strom nicht auf die mit Rettungsgedanken beschäftigten Personen übersprang. „Was für eine Leitung über unser Gelände verläuft, wussten wir ja selbst nicht“, so Brigitte Priesmeier. „Ein Meter Sicherheitsabstand pro kV sei einzuhalten erklärte uns der Mitarbeiter des Stromversorgers.“

Die Löschgruppe Oppendorf ereilte der Hilferuf der Priesmeiers, als sie gerade einen umgestürzten Baum auf der Brockumer Straße beiseite räumten. Schnell verlagerten die Kameraden ihren Einsatzort zu den Priesmeiers an die Oppenweher Straße, doch auch sie unterließen es tunlichst, sich in die Gefahrenzone zu begeben, solange der Strom noch nicht abgeschaltet war. „Wir konnten ja noch nicht einmal das große Stahltor öffnen, um mit dem Einsatzfahrzeug bis zum Gänsegehege mit dem brennenden Ast vorzurücken“, so Brigitte Priesmeier. „Außer die Gefahrenstelle weiträumig abzusichern, konnte die Feuerwehr zunächst nichts tun. Denn auch aus der Ferne wäre ein Löschen des Brandes mit Wasser lebensgefährlich gewesen, da Wasser bekanntlich leitet.“

Gerd Priesmeier machte noch auf eine weitere Gefahr aufmerksam: „Wäre die Hochspannungsleitung gerissen, hätten die hochvoltig aufgeladenen Enden jemanden töten können und den Eselstall in Brand setzen können.“

Mehr als eine Stunde mussten Priesmeiers und die Feuerwehr der Dinge harren, die da kamen, als endlich der Strom abgeschaltet war und Oppendorf, Wehdem und Oppenwehe im Dunkeln der Nacht versanken. „Wir sind dann schnell zu Maries Stall gelaufen, mit der Befürchtung, dass sie die Geschehnisse nicht überlebt hat“, erzählt Brigitte Priesmeier von ihrer Angst, in die sich Sekunden später grenzenlose Erleichterung mischte. Marie saß munter auf ihrem Gelege. „Sie hat die Nerven behalten. Genauso wie wir. Vielleicht hat sich ihre mit vielen Nägeln gebaute Hütte ja auch wie ein Faradayscher Käfig ausgewirkt.“ Anders können sich die Priesmeiers es sich nicht erklären, dass ihre Marie, nur knapp einen Meter von der tödlichen Stromspannung auf dem Hüttendach entfernt, das ganze unbeschadet überlebte. Muttergefühle, Instinkt oder die Angst vor den Witterungsbedingungen draußen? – „Wir wissen nicht, was Marie dazu bewogen hat, so besonnen zu bleiben und ihre Hütte nicht zu verlassen“, ist auch Gerd Priesmeier stolz auf seine kleine Heldin.

„Lediglich Ganter Martin hielt während der Rettungsarbeiten schnappender Weise die Feuerwehrkameraden in Schach, denn er wollte natürlich seine Frau vor den Eindringlingen beschützen“, schmunzelt Ehefrau Brigitte. „In 17 Tagen sollen die Küken schlüpfen. „Wir hoffen, dass auch die Brut in den Eiern durch die Nähe zum Strom keinen Schaden genommen hat.“

Noch in der Nacht rückte die NIKE auf dem Hof der Priesmeiers an, um mit einem Hubkran die defekte Leitung provisorisch zu reparieren und die Isolatoren-Traverse auszutauschen. „Problematisch war der lange Stromausfall für viele Viehstallbesitzer“, berichtete Brigitte Priesmeier. Denn nicht alle Betriebe seien mit Notstromaggregaten ausgerüstet. Noch einmal wird dieser Tage in Oppendorf der Strom abgestellt werden müssen, damit die Leitung ordnungsgemäß erneuert werden kann.

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