GVOA-Aufsichtsratsvorsitzender Friedrich Klanke verteidigt die Sockelgebühr und übt Kritik an der angedachten Wertstofftonne

Pohlsche Heide kämpft um Müll und gegen Billigkonkurrenz

+
Ausgediente Kochtöpfe sollen laut Bundesumweltminister Altmaier zukünftig in die Wertstofftonne. ·

Rahden - Von Melanie RussSTEMWEDE/RAHDEN · Selten waren sich alle Fraktionen und Verwaltungen in Stemwede und Rahden so einig wie bei diesem Thema.

Die vom Abfallentsorgungsbetrieb Minden-Lübbecke (AML) angedachte Sockelgebühr sorgt in beiden Gemeinden für Entrüstung. Kein Wunder, müssten doch beide Kommunen mehr Geld an den AML überweisen. Doch auch durch die von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) vorgeschlagene Einführung einer Wertstofftonne könnten die Gebühren steigen.

Statt wie bisher Verpackungen in gelben Säcken zu sammeln und andere Wertstoffe in der Restmülltonne zu entsorgen, will Altmaier alle Wertstoffe in einer einheitlichen Tonne sammeln. Wer die Wertstoffe einsammeln darf – Kommunen oder private Entsorgungsunternehmen –, dazu hat sich Altmaier bislang nicht geäußert. Aus gutem Grund: Denn mit den Wertstoffen lässt sich ein lukratives Geschäft machen.

Friedrich Klanke, Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft zur Verwertung organischer Abfälle (GVOA), die die Pohlsche Heide betreibt, fürchtet, dass nicht die Hiller Müllbeseitigungsanlage über die Wertstoffe wird verfügen können, sondern die Privatwirtschaft. „In der Restmülltonne würden dann nur die Abfälle verbleiben, mit denen nichts zu verdienen ist“, so Klanke, der die CDU-Fraktion im Kreistag führt.

Er zweifelt an der Sinnhaftigkeit des Altmaier-Vorschlags. Müllbeseitigungsanlagen seien schließlich mit teurer Sortiertechnik ausgestattet. „Wozu brauchen wir die, wenn es im Hausmüll nichts mehr zu sortieren gibt?“, fragt er. Eine sinnvollere Alternative sieht Klanke darin, die Restmülltonne auch für die Abfälle zu nutzen, die bislang in die gelben Säcke kommen. In der Müllbeseitungsanlage könnte dann alles ohne großen Aufwand sortiert werden, was zu mehr Einnahmen und stabilen Gebühren führen würde.

Die Kritik an der Sockelgebühr kann Klanke nicht nachvollziehen. Es gehe nicht darum, mehr Müll zu produzieren, wie dies von einigen Lokalpolitikern postuliert worden sei, sondern darum, den ohnehin vorhandenen Müll im Kreis zu halten. Der Vorwurf, der gewerbliche Abfall solle über den Hausmüll subventioniert werden, ist nach Klankes Auffassung nicht gerechtfertigt. Die Abfälle von Groß- und Kleinbetrieben sollen mit günstigeren Konditionen an die Pohlsche Heide gebunden werden und so die Gebühren insgesamt niedrig halten. Die Konkurrenz um den Müll ist groß. So biete beispielsweise die nächstgelegene Deponie in Bielefeld Dumpingpreise. Sie könne sich das leisten, weil sie inzwischen abgeschrieben sei, so Klanke.

Wenn er die Sockelgebühr in der Sache auch verteidigt, so gibt der GVOA-Aufsichtsratsvorsitzende zu, dass ihre Kommunikation nicht optimal war. „Die Sockelgebühr ist von Jürgen Striet nicht gut vorbereitet worden“, übt Klanke deutliche Kritik an dem Kreisbaudezernten und AML-Chef. Wie aus einer internen E-Mail hervorgeht, hatte Striet empfohlen, dass der Betriebsausschuss des Kreises die Entscheidung für eine Sockelgebühr auch gegen den Widerstand mehrerer Kommunen, darunter Stemwede und Rahden, trifft. Dies sei einer einstimmigen kommunalen Lösung und damit verbundenen Verzögerungen vorzuziehen.

Auch die Größe der Pohlschen Heide wurde in der Vergangenheit immer wieder kritisiert – unter anderem vom Rahdener FDP-Fraktionschef Hans-Eckhard Meyer und Jürgen Lückermann von der Stemweder FWG. Friedrich Klanke will diese Kritik nicht gelten lassen. „Gewisse Dinge kann man einfach nicht voraussehen. Als die Anlage gebaut wurde, war von Altpapier und gelben Säcken noch keine Rede“, so Klanke. Außerdem würden heimische Firmen inzwischen selbst wertvolle Rohstoffe aussortieren und verkaufen. Das habe einen Rückgang der Müllmenge und -qualität zur Folge gehabt.

Dennoch ist die Pohlsche Heide nach Aussage Klankes gut ausgelastet. Dazu trägt nicht zuletzt Abfall aus dem Nachbarkreis Diep holz bei. Weil der auf einen Ausbau seiner Deponie in Bassum verzichten will, werden ab 2012 jährlich 25 000 bis 30 000 Tonnen Abfall nach Hille geliefert. Eine ähnliche Kooperation strebt der AML derzeit mit dem Landkreis Nienburg an.

Das könnte Sie auch interessieren

Jugend-Challenge in Verden

Jugend-Challenge in Verden

Fast 80 Tote nach Buschfeuern in Kalifornien

Fast 80 Tote nach Buschfeuern in Kalifornien

May warnt vor Putsch im Brexit-Streit

May warnt vor Putsch im Brexit-Streit

SCT-Ball in Twistringen

SCT-Ball in Twistringen

Kommentare