Schuhmacherei Starke besteht seit 75 Jahren / Am Qualitätsanspruch hat sich nichts geändert

Neues Leben für alte Lieblingsstücke

Handwerk mit Tradition: Heute konzentriert sich Schuhmachermeister Friedrich-Wilhelm Starke auf die Reparatur und Umarbeitung von Schuhen und anderen Lederartikeln. Maßschuhe fertigt er nur noch selten an. Einige Holzleisten stehen aber immer noch oben im Regal in seiner Werkstatt.

Rahden - RAHDEN (SoR) · Schuhe gehören zu den ältesten Bekleidungsstücken der Menschen. Eng verknüpft ist damit bis heute die Tradition der Schuherstellung. Seit 75 Jahren besteht in diesen Tagen die Schuhmacherei Starke in Rahden. Am 9. Dezember 1935 eröffnete der Schuhmachermeister Wilhelm Starke sein Geschäft. Sorgfältige und preiswerte Handarbeit verspricht er in einer alten Anzeige. Heute führt sein Sohn Friedrich-Wilhelm Starke den Betrieb. Am Qualitätsanspruch von damals hat sich nichts geändert.

Die Aufgaben eines modernen Schuhmachers liegen auf vielen Gebieten. Neben der Anfertigung von Maßschuhen erneuert er Sohlen und Absätze, repariert Schuhwerk, bessert aus oder setzt Nähte. Hinzu kommt die individuelle Umarbeitung von Modellen aus der Serienfertigung. Friedrich-Wilhelm Starke arbeitet Fußstützen und Fußbette ein oder ändert Absätze. Trotz verbesserter Arbeitstechniken und moderner Maschinen stehen die handwerklichen Fähigkeiten nach wie vor im Mittelpunkt.

Seine Lehre absolvierte Friedrich-Wilhelm Starke in Espelkamp an der Breslauer Straße. Dort, wo sich heute noch eine zusätzliche Annahmestelle für zu reparierende Schuhe befindet. Für den Beruf entschieden habe er sich, weil zum einen der Betrieb des Vaters da gewesen sei, erinnert er sich, aber auch aus Faszination für das Naturprodukt Leder. Die Meisterprüfung legte er im August 1971 mit 21 Jahren vor der Handwerkskammer Hannover ab. Im Oktober 1975 übernahm er den Betrieb des Vaters. Gab es bis 1989 neben der Schuhmacherei noch ein Verkaufsgeschäft für Schuhe und Lederwaren, konzentrierte sich der Schuhmachermeister dann auf die Reparatur von Schuhen und anderen Lederwaren, wie zum Beispiel Taschen, Koffer oder auch Reitartikel.

Oftmals sind es gerade die Lieblingsstücke, die die Kunden zu Friedrich-Wilhelm Starke zur Reparatur bringen. „Generell lohnt sich die Instandsetzung eines Qualitätsschuhs“, vertritt der Spezialist rund um Leder und Schuhe, „allein schon aus Umweltgesichtspunkten.“ Schuhe, die repariert und weiter getragen würden, würden die Müllmenge vermindern, was angesichts jährlich rund 400 Millionen Paar verkaufter Schuhe in Deutschland ein nicht zu verachtender Gesichtspunkt sei.

Die Spitzenleistung eines Schuhmachers war, ist und wird immer der Schuh nach Maß sein. Die individuelle Anfertigung – vom Maßnehmen am Fuß des Kunden, über die Herstellung der hölzernen Fußmodelle (Leisten), das Zeichnen der Schnittmuster bis hin zur Schaft-, Sohlen- und Innenlebenherstellung – lernt jeder angehende Schuhmacher in seiner Ausbildung.

Sein Meisterstück hat Friedrich-Wilhelm Starke in einer Vitrine im Geschäft ausgestellt. So können die Kunden ein Bild davon bekommen, wie viele Schritte bis zum fertigen Einzelpaar notwendig sind. „Qualitätsschuhe halten ein ganzes Leben, wenn entsprechend gefertigt, gepflegt und repariert“, erklärt Friedrich-Wilhelm Starke. Allerdings fertigt er Schuhe nach Maß nur noch selten an. „Es gibt aber immer noch Menschen, die auf einen Maßschuh Wert legen“, ergänzt er.

Das ehemals viele Beschäftigte aufweisende Handwerk des Schuhmachers ging mit der Einführung der maschinellen Schuhproduktion im 19. Jahrhundert stark zurück. Die Herstellung handgearbeiteter Schuhe ist selten geworden.

Heute gehören der Schuhmacherinnung Herford-Minden-Lübbecke noch zwölf Fachbetriebe an. „1995 waren es immerhin noch 19 Betriebe“, erinnert sich Friedrich-Wilhelm Starke. Er war lange Jahre (von 1998 bis 2010) Obermeister der Schuhmacher-Innung. Im November dieses Jahres wurde er zum Ehrenobermeister ernannt. In den zwölf Jahren als Obermeister hat er nicht einen einzigen Lehrling nach drei Jahren Ausbildungsdauer lossprechen können.

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