Lübbecker Land Tafel verteilte knapp 500 Weihnachtskisten an Bedürftige

Nächstenliebe und Menschlichkeit

Nadine Schröder vom ArbeitsLebenZentrum (ALZ) sorgte mit ihren Kolleginnen für eine warme Mahlzeit

Lübbecke - Von Anja Schubert· Vorgezogene „Weiße Weihnachten“ mag sich manch einer gedacht haben, der sich am Freitag bei einsetzendem Schneefall auf den Weg in die Lübbecker Stadthalle machte. Hier warteten rund 500 Weihnachtskisten, die bei dem großen Weihnachtstreffen der Lübbecker Land Tafel an Bedürftige verteilt wurden. Die Bescherung am 18. Dezember – für viele der Tafel-Kunden aus dem Altkreis ein Lichtblick an den Tagen, an denen sich alles um das Fest der Liebe dreht, und Nächstenliebe, Menschlichkeit und Wärme keine Worthülsen sein sollten.

Es hatte ein wenig von „Warten auf das Christkind“, als sich die Tafel-Kunden im Hallenfoyer versammelten. Hinter verschlossener Tür warteten im Schein eines Weihnachtsbaumes ungezählte Weihnachtskisten, die hier aus allen Tafel-Ausgabestellen zusammengetragen worden waren. Noch am Mittwoch war unklar, ob die gespendeten Kisten für die Zahl der Bedürftigen ausreichen würden. Doch dann, mit ein wenig Sortieren und Umpacken, konnten alle Kunden beschert werden.

Immer nur wenige durften, begleitet von einem „Paten“, in Ruhe ein Paket auswählen, das ihren Bedürfnissen am nächsten kam. „Wir möchten aus dieser Aktion keine Massenabfertigung machen“, so Sabine Linz-Struckmeyer, Geschäftsführerin des Fördervereins der Tafel. „Wenigstens hier sollen unsere Kunden ein bisschen Ruhe und Besinnlichkeit erfahren.“

Manch einer war schier überwältigt, als er endlich den Raum betreten durfte. Sortiert nach Haushaltsgröße, von der Einzelperson bis hin zur Großfamilie, standen die Weihnachtskisten aufgereiht. Dazu auf Sondertischen jede Menge Stofftiere, Spielzeuge und Kinderbücher, damit auch für die Schwächsten der Gesellschaft das Weihnachtsfest zu etwas Besonderem wird. Das glückliche Strahlen in den Kinderaugen verriet, dass mit einem kleinen Geschenk das Fest der Nächstenliebe und Menschlichkeit hier im wahrsten Sinne des Wortes gelebt wird.

Für einen Moment gerieten die Probleme und Lasten des Alltags ein wenig in Vergessenheit. „Die Kinder stehen am Ende der Armutsspirale“, so Linz-Struckmeyer. Hier einen Ansatzpunkt zu finden, sei manchmal schwierig. „Wir kriegen des öfteren Anrufe von Lehrern, Erzieherinnen und Sozialarbeitern, die merken, dass ihre Schützlinge nicht regelmäßig genug zu Essen bekommen.“

Hier setzt die Tafel an, denn aus dem Grundgedanken, nicht mehr benötigte Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen statt wegzuwerfen, entstand ein für den Altkreis nunmehr annähernd flächendeckes Netz an Ausgabestellen für Bedürftige.

Im Februar nächsten Jahres eröffnet die Tafel mit der Ausgabestelle in Wehdem die sechste Filiale. „Wir wollen die Not in der heimischen Region lindern, aber keinesfalls die Armutsspirale am laufen halten“, hob Linz-Struckmeyer heraus. „Wir erfahren bei unserer Arbeit sehr viel Unterstützung aus der Bevölkerung, doch die Änderung der sozialen Strukturen in unserem Land obliegt anderen.“

Auch in diesem Jahr sei die Welle der Hilfsbereitschaft trotzt der schwierigen Wirtschaftlage ungebrochen. „Unser Dank gilt insbesondere allen Spenderinnen und Spendern, die es ermöglicht haben, dass wir in diesem Jahr ausreichend Pakete für unsere Kunden bereithalten konnten.“ Die Unterstützung aus Wirtschaft, Kirche und Politik zeige, dass die Tafel auf dem rechten Weg sei.

Mehr als 25 Ehrenamtliche waren am Freitag in der Stadthalle im Einsatz, sorgten engagiert mit ihrem herzlichen Wesen dafür, dass die Menschen sich wohlfühlten. Ein Handeln aus christlicher Nächstenliebe, Menschlichkeit und Solidarität, ohne große Wellen zu schlagen. Zudem sorgten Mitarbeiterinnen des ArbeitsLebenZentrum (ALZ), dem Träger der Tafel, dafür, dass es für alle Bescherten eine warme Mahlzeit gab. Auch das gesellige Beisammensein, der Austausch unter gleichsam Betroffen und das Gefühl, trotz der eigenen sozialen Notlage hier Wertschätzung zu erfahren, ist für viele eine Hilfe, dem problembehafteten Alltagstrott zu entfliehen.

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