Seniorenhaus: Letzter „Zivi“ verabschiedet

Nach Vollbad feminin eingekleidet

Abschied im femininen Zweiteiler (v.l.): Gesa und Andro Schmalge, Anita Schmalge mit Klein-Jette, Johannes Fortriede, Martin Boguschewski und Jürgen Lutkewitz.

Wehdem - (ges) · Das „Abschlusszeremoniell“ blieb auch Johannes Fortriede nicht erspart. Der letzte Zivildienstleistende im Seniorenhaus Stemweder Berg in Wehdem musste an seinem letzten Tag in der Einrichtung eine ganze Menge „Annehmlichkeiten“ über sich ergehen lassen. „Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich Heiligabend doch lieber Weihnachtsmann gewesen“, scherzte der 19-jährige Niedermehner bei seinem Abschied.

        Mit der abgeschafften Wehrpflicht entfällt für Jugendliche künftig auch die wahlweise Ableistung einer sechsmonatigen Zivildienstzeit. Anita Schmalge, Geschäftsführerin des Wehdemer Seniorenhauses, sieht das mit zwei weinenden Augen: „Die 47 Zivildienstleistenden, die wir von 1992 bis jetzt hatten, haben in unserer Einrichtung durchweg gute Arbeit abgeliefert.“ Dass sich künftig junge Leute bewerben würden, um ein Freiwilliges Soziales Jahr im Seniorenhaus zu absolvieren, glaubt Anita Schmalge ebenso wenig wie Verwaltungsleiter Martin Boguschewski. „Der erste Zivildienstleistende war 1992 Dierk Peithmann aus Frotheim, der war noch 15 Monate bei uns“, erinnert sich Boguschewski. Andere seien elf oder sechs Monate geblieben. „Drei Plätze konnten wir interessierten Zivildienstleistenden zur Verfügung stellen, zwei waren meist besetzt.“

Der 19-jährige Johannes Fortriede hatte gleich nach der Musterung auf seinen Großvater gehört und den Dienst mit der Waffe verweigert. „Weil das Seniorenhaus Stemweder Berg fast vor der Haustür liegt, habe ich mich hier beworben und bin angenommen worden“, blickt der künftige Student zurück. „Die Entscheidung für die Fachrichtung Maschinenbau ist während der Projekttage im Gymnasium Rahden und beim Berufspraktikum bei der Firma IMA in Lübbecke gefallen“. Für Maschinen habe er sich schon immer interessiert, betont der 19-Jährige, „weil es davon auf dem elterlichen Hof genug gibt“.

Die sechs Monate im Seniorenhaus waren für Johannes Fortriede eine interessante Erfahrung. „Hier habe ich hautnah erlebt, wie es Menschen im Alter ergeht.“ Eingesetzt war der 19-Jährige überwiegend für Begleitdienste. Zudem hat er Hausmeister Jürgen Lutkewitz bei der Gartenarbeit unterstützt sowie Tagesgäste geholt und wieder nach Hause gebracht. „Einmal musste ich innerhalb einer Stunde Medikamente nach Bremen liefern. Ich bin in Lemförde in den Zug gestiegen, 60 Minuten später war die Arznei beim Patienten“, war eines der herausragenden Erlebnisse des Augeschiedenen in den sechs Monaten zuvor. „Die abends drangehängte Zeit durfte ich am anderen Morgen später kommen.“

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