Leverner Laien-Akteure spielen Sonnabend und Sonntag in der Kirche Theaterstück aus der Historie des Stiftsortes

„Mord im Stift“ wird in Szene gesetzt

Von der Kanzel der Leverner Kirche führt Heinrich Rust in den mehr als 500 Jahre zurückliegenden „Mord im Stift“ ein.

Levern - (ges) · Der im Sommer vergangenen Jahres in Levern tobende „Jungfernkrieg“ gehört längst der Vergangenheit an: In der Gegenwart geht es aber auch um die Historie des Stiftsortes: Um eine Bluttat von Ritter Harduin von Mönnich an Ritter Albert von dem Bussche in der Leverner Kirche, um den „Mord im Stift“ aus dem Jahre 1475.

        Die Bischöfe von Minden und Osnabrück waren im Mittelalter nicht immer gute Nachbarn. Wiederholt gab es Fehden. Eine davon wurde durch die besagte Bluttat ausgelöst. Den Mord, der sich vor weit mehr als 500 Jahren ereignete, will der Heimatverein Levern in Erinnerung bringen. Akteure aus den unterschiedlichsten Bereichen der Ortschaft haben das historische Ereignis aufgegriffen und daraus ein 45-minütiges Theaterstück inszeniert, das am Sonnabend und Sonntag, 28. und 29. November, in der Leverner Stiftskirche aufgeführt wird. In dem Stück wird auch die Weihe des Gotteshauses auf dem Stiftshügel nachgestellt.

Mehr als 15 Laienmimen erinnern vor dem Altar des Leverner Gotteshauses an die tragischen Ereignisse, die sich im Jahre 1475 in Levern zugetragen haben. Sie setzen die Auseinandersetzungen in Szene, die es damals zwischen den Geschlechtern derer von Mönnich aus dem Bistum Minden und derer von dem Bussche aus dem Bistum Osnabrück gab. Die von Mönnichs waren auch auf der Ellerburg in der heutigen Espelkamper Ortschaft Fiestel zu Hause, die von dem Bussches residierten auf der Ippenburg im heutigen Bad Essen, dort, wo im kommenden Jahr die Landesgartenschau stattfindet.

Um 1480 gipfelten die ständigen Streitigkeiten um Grundstücksnutzungen und Steuerpflichten der Einwohner letztlich in dem genannten Tötungsdelikt vor dem Altar der Leverner Kirche. Das Haus von dem Bussche sann in den folgenden Jahrzehnten auf Rache, die Fehde zwischen den Geschlechtern dauerte damals mehr als zehn Jahre.

Der Mord hatte auch Folgen für die beiden Bistümer. Soldaten des Bischofs und der Stadt Osnabrück zogen vor die Ellerburg. Von dem Kriegszug sollen noch heute Rechnungen vorhanden sein.

Mit der blutigen Eskalation aus der mehr als 1 000-jährigen Geschichte des Stiftsortes befassen sich jetzt Leverner Laien-Mimen. Pfarrer Thomas Horst hat historische Unterlagen ausgewertet und daraus das Stück „Mord im Stift“ verfasst, das am morgigen Sonnabend ab 15 Uhr zum ersten Mal aufgeführt wird. Eine Wiederholung folgt am Sonntag, 29. November, ab 16 Uhr.

Die Besucher erfahren in dem Stück auch Hintergründe, die zum Neubau der heutigen Kirche beigetragen haben. Das Gotteshaus wurde um 1480 durch den damaligen Bischof Heinrich III. von Schaumburg geweiht. Dis bisherige Kirche war nicht mehr in bestem baulichen Zustand und durch die Bluttat entweiht worden. Das Wappen des Bischofs von Schaumburg befindet sich noch heute im Südschiff der Kirche. Es zeigt ein Nesselblatt, das in etwas abgewandelter Form im Wappen Schleswig-Holsteins zu sehen ist. Dort hatten die Schaumburger in früheren Jahrhunderten ebenfalls erhebliche Besitztümer.

Heimatvereinsvorsitzende Ingrid Hölscher, die bei dem Stück gemeinsam mit Pfarrer Horst Regie führt, ist stolz, dass sich nach dem „Jungfernkrieg“ im vergangenen Jahr erneut Leverner Bürger zusammengefunden haben, um gemeinsam ein historisches Theaterstück zu spielen. „Das zeugt von einer intakten Dorfgemeinschaft und großem Zusammengehörigkeitsgefühl“, sagt sie. Dazu zähle auch, dass die Frauen des Handarbeitskreises vor beziehungsweise nach den Aufführungen im Gemeindehaus Kaffee und Kuchen anbieten würden. Ganz besonders weist die Vorsitzende auch auf den guten Zweck hin, mit dem die Besucher ihre Zeitreise in die Leverner Geschichte am Sonnabend und Sonntag verbinden können: „Ein Eintritt wird an beiden Tagen nicht erhoben. Gern gesehen werden aber Spenden für die derzeit laufende Sanierung unseres Heimathauses.“

An der Inszenierung des historischen Stückes sind neben dem Projektchor unter der Leitung von Olga Rust auch Hartmut Kämper (Heinrich von Schaumburg), Anneliese Fischer (Äbtissin Mette von Wes-torp), Thomas Horst (Priester), Christel Bade ((Priorin), Christof Müller (Ritter Albert von dem Bussche), Joern Spreen-Ledebur (Ritter Harduin von Mönnich) sowie Heinrich Rust, Uwe Grötemeier, Kerstin Speckmeier, Ulkrike Tönsing, Gerd Tegtmeyer und Friedrich Horst mit.

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