IHK stellt Umfrageergebnisse zur Konjunktur vor: Wirtschaft im Aufschwung

„Aktuell gute Lage ist kein Dauerzustand“

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„Alles im grünen Bereich“, heißt die Broschüre über den IHK-Konjunkturbericht, den Karl-Heinrich Depenbrock (l.) und Karl-Ernst Hunting in Stemwede vorstellten.

Minden-Lübbecke - Von Anika Bokelmann. Der Aufschwung in der Wirtschaft setzt sich fort und die Betriebe in Minden-Lübbecke schätzen die Lage derzeit als deutlich positiv ein. „Aber auch in guten Zeiten müssen wir Geld zurücklegen, um Rücklagen für nicht kalkulierbare Fälle zu haben“, mahnte Karl-Heinrich Depenbrock am Mittwoch zu verhaltener Euphorie. Denn „die gute Konjunktur ist kein Dauerzustand“, so Depenbrock.

Gemeinsam mit Karl-Ernst Hunting, dem Leiter der Mindener Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, stellte Depenbrock als Vollversammlungsmitglied der IHK-Körperschaft die aktuelle Konjunkturlage vor. Diese basiert auf den Ergebnissen einer Umfrage, an der sich vom 11. Dezember bis 28. Januar insgesamt 277 Unternehmen des Kreises Minden-Lübbecke mit zusammen 22464 Beschäftigten beteiligt hatten. Die Rücklaufquote bezifferte Hunting auf 20,2 Prozent.

Betriebe aus Industrie, Handel und dem Dienstleistungsbereich sehen die Geschäftslage bis Ende 2016 positiv, auch wenn es in den Sektoren feine Unterschiede gibt. Im Vergleich zur Herbstumfrage des Vorjahres haben sich laut Hunting die Werte fast durchweg verbessert. Was die IHK in ihrer Statistik nicht berücksichtigt, sind die Unternehmen, die ihre Lage oder auch Erwartungen als gleichbleibend oder durchschnittlich betrachten. „Bei einer weiteren Umfrage kann das Ergebnis anders ausfallen“, machte Karl-Heinrich Depenbrock deutlich, dass die neutrale Position schnell umschlagen könne – sowohl ins Positive als auch umgekehrt.

„Die Umfrageergebnisse sind seit sechs Jahren im Aufschwung“, betonte Hunting während der Präsentation der aktuellen Werte im Unternehmen Depenbrock in Arrenkamp. Deutlich werde das beim Fazit für den Handel: Handelsunternehmen schätzen laut der Umfrage ihre Geschäftslage besser ein als bei der Herbstumfrage (44,1 Prozent bewerten sie als gut; 6,9 Prozent als schlecht). Ebenso einen positiven Saldo zeigt die erwartete Ertragslage (19 Prozent rechnen mit einer Steigerung; 10 Prozent mit fallenden Erträgen). „Wir hoffen, dass der Handel jetzt erstmal Luft holen kann im Wettbewerb“, merkte Hunting mit Blick auf das Internet als Konkurrenten der heimischen Händler an. Gesondert betrachtete der IHK-Zweigstellenleiter den Einzelhandel, dessen Werte sich zwar verbessert hätten, aber immer noch unter den Prognosen des Gesamthandels liegen. Aufgrund der Arbeitskosten werde sich die Beschäftigtenzahl nur geringfügig positiv entwickeln, vermutete Hunting.

Der Dienstleistungssektor, dazu gehören das Versicherungsgewerbe, Immobilienwirtschaft, Unternehmensberater und ähnliche Anbieter, meldet der Prognose zufolge ebenfalls eine positive Lage, „wenn auch die Stimmung nicht in der Deutlichkeit zu erkennen ist wie bei Industrie und Handel“, so Hunting. Es rechnen weniger Betriebe mit steigenden Umsätzen in den nächsten zwölf Monaten (29,2 Prozent). Im Gegensatz dazu gehen 9,7 Prozent der an der Umfrage beteiligten Firmen mit fallenden Umsätzen aus.

Gestört werde das allgemein positive Bild durch die Umfrageergebnisse bei den erwarteten Erträgen in der Industrie, führte Depenbrock aus. Für die Zukunft geht die regionale Industrie laut Depenbrock von steigenden Auslandsumsätzen aus – rund 77 Prozent rechnen mit steigenden, etwa ein Prozent mit fallenden Umsätzen. Als Reaktion auf die verhaltene Einschätzung rechnen die IHK-Vertreter mit einer möglichen höheren Bereitschaft für Investitionen, besonders im Bereich Produktinnovationen. Gerade beschäftigtenstärkere Betriebe würden eine höhere Neigung für solche Ausgaben und zudem auch eine hohe Einstellungsbereitschaft beim Personal zeigen.

Allgemein könne in Minden-Lübbecke in diesem Jahr mit mehr Beschäftigten gerechnet werden – „vornehmlich in der Industrie, aber teilweise auch im Handel und abgeschwächt bei den Dienstleistern“, erklärte Depenbrock.

Als Risikofaktoren sehen die Unternehmen im Mühlenkreis vor allem die Auslands- und Inlandsnachfrage, die Arbeitskosten und den Fachkräftemangel sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Dazu zählen laut Karl-Heinrich Depenbrock neben der Bürokratie an sich die Mindestlöhne, Zeitarbeit und eine steigende Arbeitnehmerüberlastung.

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