Sucht-Aktionswoche: Ausgelassene Stimmung ist auch ganz ohne Alkohol möglich

„Rauschfrei in den Mai“

Von Rauschbrillen berauscht, ansonsten nüchtern: So genossen Lilly (v.l.), Adrian-Julius, Romy und Francis mit Jugendpfleger Jan Patrick Sasse die Party „Rauschfrei in den Mai“. Foto: Kreis/Schubert

Minden-Lübbecke/Porta-Westfalica - „Trink doch einen mit, alt genug bist Du.“ „Hab dich nicht so, wir haben damit doch alle unseren Spaß.“ So wird Alkohol ab dem Jugendalter immer mehr als zu einem Stimmung erheiternden Gesellschaftsgetränk angepriesen. Wer ablehnt, wird oft schief angesehen oder muss sich Hänseleien gefallen lassen. Folgen des Alkoholkonsums werden ausgeblendet oder sind gar nicht erst bewusst.

Dass es auch anders geht, hat das „Jugi 71“ in Porta Westfalica-Lerbeck am Freitag bewiesen. Unter dem Motto „Rauschfrei in den Mai“ hatte das Team der Jugendpflege um Jan Patrick Sasse zu einer besonderen Party ins Jugendhaus geladen. Im Mittelpunkt standen neben Spiel und Spaß alkoholfreie Drinks. „Mit der Aktion wollen wir im Rahmen der Aktionswochen ,Sucht hat immer eine Geschichte' auf die Gefahren aufmerksam machen, die Alkohol birgt“, so Sasse.

Die Aktionswochen unter Schirmherrschaft von Landrat Dr. Ralf Niermann fanden zum Monatsende mit den letzten Aktionen ihren Ausklang. Bereits bem Auftakt in der Mindener Kampa-Halle waren die Jugendlichen des Lerbecker Jugenhauses mit alkoholfreien Cocktails dabei. Am Freitagabend gab es neben den Mixgetränken mit fantasievollen Namen wie „die Schöne“ und „das Biest“ mit leckerem Crêpes noch eine Stärkung dazu.

„Es geht nicht darum, Alkohol schlecht zu machen oder zu verteufeln, sondern über dessen Wirkung aufzuklären und für einen verantwortungsbewussten Umgang zu sensibilisieren“, sagt Sasse. Denn insbesondere die Verharmlosung und der Gruppenzwang, dem sich viele nicht entziehen können, seien bei den Jugendlichen gefährlich. „Warum soll ein 14-Jähriger bei seiner Konfirmation als Zeichen des Erwachsenwerdens unbedingt seinen ersten Schnaps trinken, wenn er es nicht möchte?“, sieht nicht nur Sasse den Druck aus dem familiären und gesellschaftlichen Umfeld skeptisch.

„Meine Schwester ist 16 und trinkt noch immer keinen Alkohol. Das führt oftmals zu Diskussionen“, weiß Dyan (10), der mit seinem Freund Marcel (11) erstmalig im „Jugi 71“ Party machte. „Das ist super cool mit den alkoholfreien Cocktails“, waren sich die beiden einig. Noch haben die Jungen mit Alkohol nichts am Hut. „Und der Zeit, bis wir offiziell Alkohol trinken dürfen, fiebern wir auch nicht entgegen.“ Milchshakes und Smoothies seien angesagter.

Auch die weiteren Jugendhausbesucher, meist im Alter zwischen zehn und 13 Jahren, ließen sich dazu hinreißen, nicht nur die gemixten Cocktails zu genießen, sondern, angespornt von den zahlreichen Zutaten, neue Varianten zu kreieren.

Wer doch berauscht sein wollte, konnte das Gefühl mit Rauschbrillen erleben. Immer wieder taumelten die bebrillten Kids durch die Räume, Ballfangversuche scheiterten kläglich. „Wer weiß, wie sich so ein Rausch anfühlt und was man dann von seiner Umwelt noch wahrnimmt, ist für die Folgen sensibilisiert“, hofft Sasse. Auch sonst würden im „Jugi 71“ Cocktailmix-Tage eingelegt, um zu zeigen: „Es geht auch ohne Promille.“

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