Vortrag von Bert te Wildt zum Thema Internetabhängigkeit beleuchtet Gefahren

Fesselnder Reiz der modernen digitalen Welt

Landrat Dr. Ralf Niermann und das Organisationsteam der Fachstelle für Suchtprävention und des Präventiven Rates freuten sich, mit Dr. Bert te Wildt (Mitte) einen führenden Experten in Sachen Internetabhängigkeit begrüßen zu können. - Foto: Schubert

Minden-Lübbecke - Alkohol, Drogen, Glückspiel, Essstörungen oder auch die neuen digitalen Medien. Sucht hat viele Gesichter – und immer auch eine Geschichte. Mit einem Blick auf das größte neue Gefährdungspotential, die Internetabhängigkeit, starteten die kreisweiten Aktionswochen, die die Fachstelle für Suchtprävention des Kreises Minden-Lübbecke gemeinsam mit dem Präventiven Rat unter Schirmherrschaft von Landrat Dr. Ralf Niermann initiiert hat.

Für die Eröffnungsveranstaltung im Sitzungssaal des Kreishauses in Minden, die von Sarah Golcher moderiert wurde, hatten die Organisatoren Dr. med. Bert te Wildt, Leiter der Medizinambulanz der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums der Ruhr-Universität Bochum gewonnen, der laut Mitteilung des Kreises bundesweit als führender Experte in Sachen Internetabhängigkeit gilt.

Mehr als 100 Zuhörer aus der Jugendpflege und pädagogischen Einrichtungen verfolgten die Einführung des Arztes und Psychotherapeuten in ein facettenreiches Thema, für das die Forschung angesichts der fortwährenden Entwicklung digitaler Medien gerade erst den Kinderschuhen entwachsen ist.

Te Wildt beleuchtete die Gefahren der digitalen Welt und zeigte Abhängigkeitsmerkmale, Behandlungsmöglichkeiten sowie Präventivmaßnahmen auf. „Internetabhängigkeit stellt ein zunehmendes Suchtproblem vor allem bei jungen Menschen dar. Neben der häufigsten Variante, der Online-Computerspielabhängigkeit, spielen auch exzessive Nutzungsweisen von sozialen Netzwerken und Cybersex-Angeboten eine Rolle“, so der Experte, der seit 13 Jahren in diesem Forschungsfeld tätig ist.

Zunehmendes Problem bei jungen Menschen

Steigender Medienkonsum, Reduzieren beziehungsweise Abbrechen des Kontaktes zu Freunden, Zurückschrecken vor der realen Welt, Angst- und Unsicherheitsreaktionen, Depressionen, ADHS und nicht zuletzt hygienische Vernachlässigung, Medienkonsum bis zur körperlichen Erschöpfung und Entzugserscheinungen seien Verhaltensmerkmale, die auf Internetsucht schließen ließen, so te Wildt. „Shooter- und Strategiespiele haben einen besonders fesselnden Reiz, da hier belohnende Glücksspielkomponenten mit eingebaut werden.“

Bei der Behandlung einer solchen Abhängigkeit sei nicht nur die Reduzierung oder Abstinenz von PC-Spielen wichtig. „Vor allem muss damit das Erlernen alternativer Verhaltensweisen einhergehen, um die entstehenden Zeitlücken attraktiv zu füllen.“ Neben der ambulanten Behandlung gebe es für Jugendliche auch stationäre Behandlungsmöglichkeiten. Zudem hätten sich neben fachlicher Hilfe erste Selbsthilfegruppen gegründet. Auch die Familie sei wichtig für den Weg aus der Sucht, so te Wildt. „Kinder müssen zunächst eine reale Kindheit erleben, in der sich ihre Fantasie entwickeln kann. Erst später sollten sie nach und nach an digitale Medien wie PCs und Smartphones herangeführt werden.“ Er wolle die digitale Revolution nicht verteufeln, stellt der Referent klar. Nicht die Geräte selbst seien eine Gefahr, sondern der Raum, der sich dahinter verberge. „Wir müssen lernen, verantwortungsvoll damit umzugehen.“

Auf die aus dem Plenum aufkommende Frage, was gezielt in der Jugendarbeit und in pädagogischen Einrichtungen zu leisten sei, hatte te Wildt eine konkrete Antwort: „Ein Bewusstsein für die Problematik schaffen und darüber aufklären, Kinder- und Jugendliche sowie Mitarbeiter in den Einrichtungen schulen, damit sich dieses Wissen in der Gesellschaft multipliziert.“ Vor allem Eltern bräuchten mehr Unterstützung. „Denn der verantwortungsvolle Umgang mit den digitalen Medien ist die größte Herausforderung, der wir uns derzeit stellen müssen.“

Eltern brauchen mehr Unterstützung

„Gerade im ganz alltäglichen Leben ist es wichtig, sensibel für mögliche Suchtursachen zu sein und möglichst frühzeitig zu handeln, bevor eine Sucht entsteht“, unterstrich Landrat Niermann in seinem Grußwort. „Gerade bei Kindern und Jugendlichen gilt es, die persönlichen und sozialen Kompetenzen sowie deren Eigenverantwortung zu stärken, um eine Grundlage für ein gesundes und selbstbestimmtes Leben zu schaffen.“

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