Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs

Marktmanipulation aus der Provinz

Rahden - STEMWEDE/FRANKFURT/BERLIN · Diese Geschichte handelt von einem Berliner Börsenguru, der einst eine eigene TV-Sendung beim Nachrichtenkanal N24 hatte und die DVD „Die todsichere Strategie“ vertrieb. Sicher war dabei offenbar nur das Gewinnstreben von Markus F.. Denn zeitgleich mit einer Hausdurchsuchung in Stemwede wurde der 40-Jährige am 3. Januar 2013 in Berlin verhaftet und in Untersuchungshaft genommen.

Das großzügige Anwesen nahe der Ortschaft Niedermehnen liegt abseits der Straße Am Fischteich, die Toreinfahrt wird von einer Überwachungskamera abgedeckt. Der nächste Nachbar ist so weit entfernt, dass ausreichend Privatsphäre gewährleistet ist.

Beamte des hessischen Landeskriminalamts betraten Anfang des Jahres das Gelände, beschlagnahmten Festplatten und nahmen einen 42-jährigen Geschäftsführer einer Firma für Finanzanalysen fest. Er soll der Verfasser von sogenannten Börsenbriefen sein, mit denen diverse Aktienkurse manipuliert worden sein sollen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt bestätigte jetzt einen Zusammenhang zwischen der Festnahme in Stemwede und der Inhaftierung des früheren TV-Moderators Markus F.. Beiden wird gemeinschaftlicher, gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Mit Börsenbriefen und Newslettern, die teilweise als Spam-Mails verschickt wurden, sollen beide den Aktienmarkt zu ihren Gunsten manipuliert haben.

Niedermehner Anwesen

durchsucht

Ein Blick auf die jüngere Vergangenheit von Markus F. lässt erahnen, um welche Summen es dabei gehen könnte. Das Landgericht Berlin warf ihm 2011 vor, zwischen 2005 und 2007 in knapp 50 Fällen in seinen als E-Mail verschickten Börsenbriefen Aktien empfohlen zu haben, die er selbst hielt und dabei eigene wirtschaftliche Interessen verfolgt zu haben.

Außerdem soll der Börsenguru zum Kauf wertloser Aktien von Unternehmen geraten haben, deren Papiere er selber besaß. Aufgrund seiner Empfehlung sollen die Kurse dreier Firmen in die Höhe gegangen sein. Die Ermittlungen ergaben, dass 20 000 Anleger auf Empfehlung von Frick rund 760 Millionen Aktien der drei Unternehmen geordert hatten. Die Staatsanwaltschaft stellte am Ende 80 Millionen Euro sicher.

Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin interessiert sich für eine der Firmen, um die es bei der Hausdurchsuchung in Stemwede ging. Das Internetportal kursraketen24.at gibt zwar Anlageempfehlungen heraus, hat jedoch keinen Ansprechpartner, der für die Finanzaufsicht erreichbar ist.

„Ersteller von Finanz analysen haben nach dem Wertpapierhandelsgesetz eine Anzeigepflicht. Sie müssen eine Anschrift vorweisen und eventuelle Interessenskonflikte offenlegen“, sagt BaFin-Sprecherin Dominika Kula. Ist dies nicht der Fall, könnte eine Marktmanipulation – zu neudeutsch „Scalping“ – vorliegen. Markus F. wurde dafür vom Landgericht Berlin 2011 rechtskräftig zu einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt. Seit dem 3. Januar sitzt er in U-Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm jetzt erneut Marktmanipulation vor. Und das aus dem beschaulichen Stemwede.

Scalping als

Straftatbestand

Die Methode, mit der Markus F. tausende Anleger täuschte, wird mit dem Begriff Scalping beschrieben. Diese Art der Marktmanipulation liegt vor, wenn ein Handelsteilnehmer eine Aktie erwirbt, diese dann zum Kauf empfiehlt und nicht zugleich mit der Kaufempfehlung in angemessener und wirksamer Weise seinen Interessenkonflikt offenlegt. Dieser besteht darin, dass er die von ihm empfohlenen Aktien auch selbst besitzt und gegebenenfalls veräußern will. Ein derartiges Verhalten erfüllt unabhängig davon, ob die Empfehlung sachgerecht war oder nicht, den Tatbestand der Marktmanipulation. Auch eine sachlich gerechtfertigte Kaufempfehlung kann – ohne angemessene Offenlegung bestehender Interessenkonflikte – eine Manipulation darstellen. Das Oberlandesgericht München hat zudem festgestellt, dass Scalping auch arbeitsteilig begangen werden kann. Sofern aufgrund eines gemeinsamen Tatplans eine Person die Aktien hält und eine weitere Person diese Aktien nachfolgend zum Kauf empfiehlt, ohne auf den bestehenden Interessenskonflikt hinzuweisen, könnten sich beide der Marktmanipulation in Mittäterschaft schuldig machen.

Mit dieser Methode hat der ehemalige Börsenguru Markus F. offenbar 42 Millionen Euro angehäuft, die er im Zuge einer Verurteilung 2011 wieder verlor. Wie groß der finanzielle Schaden im aktuellen Fall ist, kann die Staatsanwaltschaft bislang nicht sagen. · tyl

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