Hatte der Angeklagte ein Messer oder nicht?

Wende im Prozess gegen Lübbecker

Bielefeld/Lübbecke - Von Guntmar Wolff. Eine kleine Überraschung beendete den zweiten Prozesstag um den versuchten Totschlag und die versuchte Körperverletzung gegen Marcel S. aus Lübbecke am Mittwoch vor dem Landgericht in Bielefeld.

Am Mittwochmorgen erschien der erste Zeuge des Tages, Stefan P. Der 24-Jährige war in der Nähe, als der Angeklagte mit dem Messer dem Geschädigten Wladimir T. Stichwunden im Gesicht und Brustkorb zugefügt haben soll. Die Zeugenbefragung dauert mehr als zwei Stunden, da Richterin Jutta Albert Widersprüche aufdecken musste, die sich zwischen der polizeilichen Vernehmung und der Aussage vor Gericht ergeben hatten. Während der Zeuge in der ersten Vernehmung, die noch am Tatabend erfolgte, berichtet hatte, dass er nur den Angeklagten mit einem Messer bewaffnet gesehen habe, räumte er vor Gericht ein, dass auch Wladimir T. bewaffnet gewesen sei – und zwar mit einer Dachlatte. Mit dieser sei er auf den Angeklagten zugerannt. Dabei habe er laut gerufen „Wo ist er, wo ist er?“.

Er selbst habe mit dem Angeklagten auch schon ein paarmal „Stress gehabt“. „Und auch Wladimir hat von Marcel mit der Taschenlampe schon eins aufs Jochbein bekommen. Darum hat er sich die Dachlatte gekauft“, erklärte der Zeuge den Aufbewahrungsgrund für dieselbige. „Dann ist Wladimir auf Marcel zu und die beiden haben sich geprügelt“, fuhr der 24-Jährige fort und schilderte den weiteren vermutlichen Tatablauf: „Dann warf sich Marcel auf Wladimir und ich sah nur noch, wie sein Ellbogen auf und ab ging, als würde er auf ihn einstechen.“

Nachdem Wladimir aufgestanden sei, habe dieser geschrien, als ob er sterben würde. Er selbst habe dessen Verletzungen erst kurze Zeit später gesehen. Diese sollen laut Anklage von einem Messer stammen, das der Zeuge als „spitz zulaufend, mit einer drei Zentimeter breiten Klinge“ beschrieb.

Der nächste Zeuge, Daniel K., der die beiden Kämpfenden voneinander getrennt hatte, war zur Vernehmung nicht erschienen und wurde per Haftbefehl am späten Nachmittag vorgeführt. Er sagte aus, dass der Angeklagte überhaupt kein Messer gehabt habe. Er habe aber wohl die Dachlatte in der Hand des Kontrahenten gesehen.

Die Kammer steht vor einer schwierigen Frage: Hatte der Angeklagte nun ein Messer und wenn nicht, wer hat Wladimir T. solche Verletzungen zugefügt, dass er notoperiert werden musste? Vielleicht bringt der nächste Verhandlungstag mehr Erkenntnisse. Der Prozess wird am Dienstag, 26. April, ab 9 Uhr vor dem Landgericht fortgesetzt.

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