Synodale diskutieren über Pfarrermangel

Pilotprojekt als Chance?

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In vielen Dingen gab es bei der Sommersynode des Kirchenkreises Lübbecke ein einheitliches Votum. Andere Themen wie der Pfarrmangel wurden kontrovers diskutiert.

Oppenwehe - Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Dieser Frage kann sich auch der Kirchenkreis Lübbecke in Sachen Pfarrstellenbesetzung nicht erwehren. Denn der demografische Wandel macht auch vor der Geistlichkeit nicht Halt, und die Motivation junger Menschen, sich für diesen Beruf zu entscheiden, ist verhalten. Interventionsmöglichkeiten und Lösungsansätze wurden unter den Synodalen des Kirchenkreises Lübbecke bei ihrer Sommersynode am Montag im Oppenweher Gemeindehaus zeitweise recht kontrovers diskutiert.

Schon jetzt lassen sich immer schwerer Interessenten finden, insbesondere für Teilstellen. Die Gemeinden Pr. Oldendorf und Hüllhorst sind bereits von einem Personalnotstand betroffen. Überlegungen, ob sich solche Teilstellen alternativ mit Gemeindepädagogen besetzen ließen, und dieses mit einem Pilotprojekt über drei Jahre zu probieren, stießen im Plenum auf Zustimmung, aber auch auf Kritik.

„So etwas ist momentan rechtlich ausgeschlossen, denn das widerspricht einem gültigen Beschluss der Landessynode“, informierte Landeskirchenrat Dr. Vicco von Bülow. Pfarrerin Antje Kastens (Pr. Oldendorf) verwies auf positive Erfahrungen anderer Landeskirchen. Pfarrerin Martina Nolte-Bläcker (Espelkamp) fand es für solch eine „Notlösung“ noch zu früh und appellierte, junge Menschen in den Gemeinden für den Pfarrberuf zu motivieren. Die Gefahr als Gemeindepädagoge auf einem „Feuerstuhl“ zu sitzen, auf dem es „Koffer packen und gehen“ hieße, sobald ein Pfarrer gefunden sei, stellte Pfarrer Eberhard Helling (Lübbecke) in den Raum und mahnte ein solches Projekt gut zu durchdenken. Mit dem wachsenden Problem, qualifizierte hauptamtliche Mitarbeiter für die Jugendarbeit zu gewinnen, sprach Jugendpfarrerin Anke Hülsmeier einen weiteren nicht gewollten Effekt an.

„Wacht endlich auf. Wir machen uns doch alle was vor“, fand Pfarrerin Sigrid Mettenbrink (Oppenwehe) deutliche Worte und kritisierte, dass man sich in der hiesigen Region stark jenseits vieler diakonischer Möglichkeiten bewege. „Wir könnten hier Arbeitsplätze für qualifizierte, junge Kräfte schaffen, die dann nicht in die Ferne schweifen müssten. Pfarrer sein ist heute etwas ganz anderes als noch vor sechs Jahren. Es geht mittlerweile richtig ab in den Gemeinden, und die Landeskirche weiß das auch.“ Man müsse neue Berufsbilder hinzunehmen, damit Pfarrer ihren eigentlichen Grundauftrag wieder erfüllen könnten und der Pfarrberuf wieder an Attraktivität gewinne.

Auch Pfarrer Michael Beening (Dielingen) fragte, wie man den Pfarrberuf noch als attraktiv „verkaufen“ soll. Die zahlreichen Krankheitsfälle sprächen für sich. „Ich habe allein fünf junge Leute, die eine Prädikantenausbildung machen wollen, die aber auf der Warteliste stehen.“ Auch weitere Gemeinden sahen den Handlungsbedarf des Kirchenkreises, bei der Landeskirche auf eine höhere Zahl von Ausbildungsplätzen zu drängen.

„Die Zeit läuft, Veränderungen geschehen potentiell schnell und zwingen zum Handeln, das durchaus nachjustierbar ist“, mahnte auch Pfarrer Bodo Hunte. Nach langem Diskutieren und Hinausschieben müssten irgendwann mal Nägel mit Köpfen gemacht werden. Hilfreich sei bei solch einer Entscheidung auch eine Kirchenkreiskonzeption, in der die Ziele und Strukturen für die Zukunft geregelt seien. Doch auch deren Erarbeitung müsse erst vorangetrieben werden, was sich ohne Superintendenten derzeit schwierig gestalte.

Die Kreissynode entschloss sich, das Landeskirchenamt zu bitten, die Möglichkeit eines Pilotprojekts zu prüfen. Das Ergebnis soll dann in der Kreissynode erneut beraten werden.

Art

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