Start der Wolfswochen im Moorhus am Großen Torfmoor / Weitere Veranstaltungen geplant

Rotkäppchen lügt!

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Carola Bartelheimer und ihre Mitstreiter vom Moorhus am Großen Torfmoor informierten über den Wolf.

Gehlenbeck/Stemwede - Der Wolf ist gefährlich, er frisst sogar Menschen. So liest und hört man es als Kind aus dem Märchenbuch. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sieht das anders: „Rotkäppchen lügt!“, prangt auf einem frechen roten Aufkleber. Wie es wirklich in Deutschland um das sagenumwobene Tier steht, kann man noch bis zum 26. April im 2013 eröffneten Nabu-Besucherzentrum Moorhus am Großen Torfmoor, direkt neben dem Gehlenbecker Freibad, erfahren. Eine große Ausstellung und zahlreiche andere Informationen wie ein Büchertisch werden angeboten.

Die gut besuchte Auftaktveranstaltung am Sonntag, gab schon einmal einen Vorgeschmack auf das komplexe Thema rund um den Urahn unserer Haushunde. Nabu-Kreisvorsitzender Lothar Meckling begrüßte vor mehr als 50 Gästen als ersten Referenten Thomas Pusch vom Nabu-Fachausschuss Wolf NRW. Seit 15 Jahren gebe es nun wieder Wölfe in Deutschland, den Beginn habe eine aus Polen eingewanderte Population gemacht. Seit zehn Jahren mache der Naturschutzbund jetzt schon Öffentlichkeitsarbeit, um die Bevölkerung behutsam auf die Rückkehr des hierzulande 1904 ausgerotteten Wildtieres vorzubereiten. „Die Wölfe kommen von allein zurück, sie werden nicht angesiedelt. Sie sind große Beutegreifer, die viel Nahrung und Rückzugsgebiete brauchen. Mit unserer heutigen Zivilisation haben sie wenig Probleme“, erklärte Pusch. Gefährlich sei das Tier als solches bei sachgerechtem Umgang nicht. In den vergangen 15 Jahren sei keine Aggressivität festgestellt worden. Eine Fotosafari sollte man allerdings mit dem scheuen Tier nicht veranstalten. „Ich halte einen Wildschwein-Keiler für gefährlicher“, sagte der Nabu-Fachmann.

Den zweiten Vortrag hielt Jan Preller vom „Landesbetrieb Wald und Holz NRW“. Die bislang in Nordrhein-Westfalen aufgetauchten Tiere, so wie das in Stemwede am 28. Dezember vergangenen Jahres, seien aus Niedersachsen eingewandert. Dort gebe es fünf Rudel, zwei Paare und ein sesshaftes Einzeltier. Die Rudelstandorte seien auf den Truppenübungsplätzen Munster-Nord und Bergen sowie auf dem Schießplatz Rheinmetall und im Raum Gartow und Eschede. Ein sesshaftes Wolfspaar ist gar bis Cuxhaven durchgedrungen. 22 Welpen habe man 2014 feststellen können. Zu sehen gab es Wölfe auch schon in den Nachbarkreisen Diepholz, Nienburg und Vechta.

Ulf Helming studierte Biologie und hat jetzt eine Schafsherde von rund 150 Tieren im Raum Detmold. Er sprach für den Schafzüchterverband Nordrhein-Westfalen. Helming hat vor einigen Jahren selbst einen jungen Wolf mit der Flasche aufgezogen und ihn mit seiner Herde in Kontakt gebracht. „Das geht aber nur bei einem Tier, wo das Beuteschema nicht funktioniert, da es vom Menschen aufgezogen wurde.“ Deutschland sei zwar mit 1,6 Millionen Tieren im Gegensatz zu Großbritannien (36 Millionen) ein kleines „Schafland“, aber immerhin 90 Züchter in Vollerwerb gebe es in NRW. „Die verdienen nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn.“ Daneben arbeiten zahlreiche Hobby- und Nebenerwerbszüchter.

Die Elektronetze gäben zwar relativ guten Schutz für die wehrlosen Schafe, dennoch setzen die Züchter auf Hütehunde und Herdenschutzhunde als Ergänzung. Anhand des in Stemwede gerissenen Schafes habe man mal eine Rechnung aufgemacht: „Der reine Wert des Tieres liegt zwar nur bei rund 400 Euro, wenn man alle Nebenkosten und die Arbeit einrechnet, kommt man aber auf 4000 Euro Schaden“, sagte Helming. Schutzzäune und Entschädigungen wären durchaus eine öffentliche Aufgabe, die gegebenenfalls auch mit EU-Mitteln geleistet werden müsse.

Dirk Rösener ist Schäfer im Großen Torfmoor. Er stand mit Katharina Stenglein an der Schafkoppel hinter dem Moorhus für Fragen rund um die Sicherheit der Schafe zur Verfügung. Kinder hatten die Möglichkeit, eine mit Gips ausgegossene Wolfstatze mit nach Hause zu nehmen. Der rege Besuch der Veranstaltung zeigte, dass der Naturschutzbund mit dem Thema Wolf das breite Interesse im Kreis gefunden hat.

vk

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