Nettelstedter Freilichtbühnenversion schlägt Film über schrulligen Engländer

80 Tage in drei Stunden

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Phileas Fogg (Volker Kracht) sorgt bei seiner Weltreise für reichlich Verwirrung.

Nettelstedt - Von Volker Knickmeyer. Glück gehabt. Die größten Feinde einer Open-Air-Veranstaltung hatten Urlaub: Weder Regen noch Wind störten die Premiere des Abendstücks der Freilichtbühne Nettelstedt. Die Spielgemeinschaft hat sich für diese Saison „In 80 Tagen um die Welt“, Jules Vernes Klassiker von 1873, vorgenommen.

Die erste Aufführung auf der Bühne im Wiehengebirge darf als voller Erfolg bezeichnet werden. Hunderte Besucher wollten das Stück sehen. Grußworte sprach Spielleiter Thomas Kracht und übergab an Marcus Hannig vom Sponsor Stadtwerke Lübbecke. Hannig versprach, dass sich die Stadtwerke weiterhin für die Jugendförderung der Bühne einsetzen. Als Dank für das langjährige Sponsoring gab es eine Palette der neuen Nettelstedter Marke „Turmtropfen“.

„In 80 Tagen um die Welt“ gibt es in verschiedenen Film- und Hörspielversionen. Auch Jackie Shan und Pierce Brosnan haben schon in Jules-Verne-Verfilmungen mitgewirkt. Man durfte also gespannt sein, wie die 60-köpfige Schauspielschar, inclusive Zweitbesetzung, das witzige und umfangreiche Stück umsetzten würde. Obwohl Regisseur Claus Martin den Inhalt schon stark beschnitten hatte, kam man mit Pause auf drei Stunden.

Phileas Fogg, wunderbar glaubwürdig von Volker Kracht gespielt, ist kein normaler Mensch. Überpünktlich, übergenau, jemand, der niemals Fünfe gerade sein lässt. So besteht er auf 36 Erbsen zum Steak und der Earl-Grey-Tee hat gefälligst 61 Grad zu haben. Man merkt: Es werden schrullig-liebenswerte Engländer portraitiert. Franzose Jules Verne hat reihenweise Seitenhiebe auf die englischen Eigenheiten eingebaut, die Nettelstedter setzen noch einen drauf: Mit „Rule Brittania“-Untermalung, dem Union Jack und passender Kostümierung fühlte sich der Zuschauer in die britische Kolonialzeit versetzt.

Foggs Begleiter Passepartout wurde von Arne-Philipp Arning gespielt. Die Rolle des gewieft-trotteligen Scotland-Yard-Fahnders Inspektor Fix übernahm Ernst-Ulrich Wellpott. Sergeant Looney (Philip Öwermann) und sein Chef jagten Fogg hinterher. Dieser hatte gewettet, dass er in nur 80 Tagen um die Welt reisen könnte. Passagierdampfer und Eisenbahnen gab es noch nicht so lange. Inspektor Fix indes fahndete nach einem „Mann mittleren Alters und mittlerer Größe“, der die Bank von England überfallen hatte, und redete sich schon in Ägypten ein, er habe mit Fogg den Dieb.

So begann das Katz- und Maus-Spiel rund um den Erdball. Garniert mit allerlei Gags wie der indischen Zugdurchsage auf sächsisch. Die Requisiten hatten Rainer Bachmann und sein Team zu verantworten.

Natürlich endet die Geschichte mit einem Happy End, zwischendurch wird noch eine Prinzessin (Carolin Lange) befreit und Foggs Starrsinn, seine Uhr stets auf Londoner Zeit zu lassen, sorgt schließlich dafür, dass er trotz Zeitverzugs noch pünktlich zur Wetteinlösung im Hause von Lady Ensworth (Monika Möhlmann) eintrifft.

Die Nettelstedter Umsetzung zeichnete sich durch sprühende Witze, pointierte Bemerkungen und hohe Textsicherheit aus. Mit einer Mischung aus Volkstheater und Augsburger Puppenkiste überzeugten die Schauspieler. Den ehrenamtlichen Akteuren ist zu wünschen, dass auch die weiteren Veranstaltungen reibungslos verlaufen und ebenso gut besucht werden.

Bis zum 29. August, jeweils samstags sowie an den Freitagen, 31. Juli und 14. August, jeweils um 20.30 Uhr ist das Stück noch zu sehen.

www.freilichtbuehne-

nettelstedt.de

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