Landwirte blicken auf schwierige Zeit zurück / Niedrige Preise, hohe Auflagen

Rote Zahlen trotz guter Ernte

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Die Landwirte müssen derzeit sprichwörtlich auf vielen Feldern ackern.

Minden-Lübbecke - „2015 war für uns kein leichtes Jahr“, blickt Hermann Seeker, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke, zurück. Mit dem Wetter und der Ernte sei man zwar zufrieden. Doch Tiefpreise, wachsende Bürokratisierung, kostenträchtige Auflagen und politischer Druck würden auf den Bauernfamilien lasten. Die Stimmung auf den Höfen sei mies – und die Aussichten für 2016 nicht viel besser.

Die Landwirte im Kreis Minden-Lübbecke konnten in diesem Jahr eine normale Getreideernte einfahren, aber mit enormen Schwankungen. Die Trockenheit in der Hauptwachstumszeit ließ zunächst keine guten Ergebnisse erwarten, heißt es in einer Pressemitteilung des Landwirtschaftlichen Kreisverbands. Seeker: „Doch wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen.“ Bei Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais fielen die Erträge ihm zufolge noch zufriedenstellend aus.

Große Sorgen bereitet Landwirten allerdings die wirtschaftliche Situation. „Niedrige Preise, rote Zahlen – die wirtschaftlich angespannte Lage ist für viele Höfe existenzgefährdend“, erklärt Seeker. Ursache seien niedrige Erzeugerpreise für Milch, Fleisch und Getreide. „Neben der abgeschwächten Konjunktur in Schwellenländern wie China hat vor allem das russische Importverbot zu der extrem angespannten Situation geführt“, so Seeker.

Der Berufsstand fordert laut Mitteilung von der Bundesregierung eine Aufhebung des russischen Embargos auf landwirtschaftliche Produkte. Nötig sei ein Ankurbeln des stotternden Exports, ebenso ein kritischer Blick auf den Lebensmittelhandel. Weiter fordern die Landwirte eine Risikoausgleichs-Rücklage, die in guten Jahren Spitzen bei der Steuerlast breche.

Vor allem aber: „Wer ständig erwähnt, dass die bäuerliche Landwirtschaft das politische Ziel ist, der muss darauf achten, dass Bauern nicht durch immer mehr Auflagen und strengere Vorschriften im Wettbewerb untergehen“, unterstreicht der Vorsitzende. Das sei vor allem das „Aus“ für die kleineren Höfe.

Seeker kritisiert zudem das Verhalten des Lebensmittelhandels. Dieser betreibe „unmoralisches Preisdumping“. Wenn der Handel Lebensmittel liebe, könne er nicht gleichzeitig die Bauern mit immer neuen, teilweise unrealistischen Anforderungen konfrontieren, diese aber nicht bezahlen wollen. Niemand könne auf Dauer „Made in Germany“ zu Dumpingpreisen liefern.

„Wir Landwirte stehen vor großen Herausforderungen“, beschreibt der Vorsitzende. „Auch haben wir an der einen oder anderen Stelle Verbesserungspotenzial.“ Das sei nichts Neues, denn die Tierhaltung habe sich in der Vergangenheit immer zum Wohle der Nutztiere weiter entwickelt. Man könne über vieles reden, allerdings müssten die Anpassungen fachlich sinnvoll, praktikabel und auch bezahlbar sein. „Die Bauernfamilien betreiben Landwirtschaft nicht nur als Hobby“, betont der Pr. Ströher Landwirt. „Wir müssen auch Geld verdienen, um zu leben.“

Dass die Landwirtschaft für höhere Standards im Tierschutz steht, hat sie laut Mitteilung mit der im Frühjahr gestarteten Initiative Tierwohl bewiesen. Mehr Landwirte möchten sich beteiligen als aktuell möglich. Sie haben mehr Maßnahmen – mehr Platz, größere Fenster und mehr Lebensqualität für ihre Tiere – umgesetzt, als der Lebensmitteleinzelhandel bereit ist zu bezahlen. Bei der Initiative bekommen die Landwirte einen Kostenausgleich im Bereich Tierwohl.

Und der Blick in die Zukunft? „Das Jahr 2016 wird ein spannendes Jahr“, so Seeker. „Die Bandbreite der Themen wird immer größer.“ Die geplanten Gesetze und Änderungen wie das Landeswasser- und Landesnaturschutzgesetz NRW, die Düngeverordnung, die Nachhaltige Nutztierhaltung in NRW sowie das Artenschutzabkommen seien nur einige Arbeitsfelder, auf denen die Landwirte 2016 ackern müssten.

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