Theaterstück beleuchtet eindringlich sexuelle Gewalt an Jugendlichen

„Ich werde es sagen“

Schauspieler Reinhard Gesse von der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück in dem autobiographischen Stück „Ich werde es sagen“ in der Sekundarschule Pr. Oldendorf. - Foto: Lohmeyer-Lorek

Pr. Oldendorf - Sexuelle Gewalt ist ein Thema, das in der Gesellschaft noch immer tabuisiert ist. Umso wichtiger ist es, Jugendliche darüber aufzuklären und Betroffenen zu helfen. Für die Enttabuisierung des Themas sexuelle Gewalt an Jugendlichen und Kindern setzt sich die Sparkassenstiftung Minden-Lübbecke seit 2012 an Schulen ein. Die theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück hat das Ein-Personen-Stück „Ich werde es sagen“ nach dem gleichnamigen autobiographischen Roman von Kristian Ditlev Jensen jetzt vor 110 Schülern aus Pr. Oldendorf in der Sekundarschule aufgeführt.

Die Zehntklässler der Realschule und der Hauptschule in Pr. Oldendorf hatten anschließend Gelegenheit, den Schauspieler Reinhard Gesse zu befragen. In einer weiteren Schulstunde standen die Vertreter der Beratungsstellen „Mannigfaltig“ aus Lübbecke (Marcus Wojahn) und „Wildwasser“ aus Minden (Julia Breuer) den Schülern zur Verfügung, um das Thema in Gesprächen aufzuarbeiten.

In einem Grußwort stellte Georg Droste, Vorstand der Sparkassenstiftung, kurz die vier Themenbereiche vor, die von der Stiftung gesponsert werden. Einer davon ist die theaterpädagogische Arbeit.

Schauspieler Gesse versetzte sich sehr glaubhaft in die Rolle des mittlerweile erwachsenen Kristian, der als Neunjähriger von einem Freund der Familie, dem dreißigjährigen Gustav, sexuell missbraucht wird. Zunächst in den Bann des freigeistigen Erwachsenen gezogen, vermag sich Kristian nicht zu wehren. Erst als der Leidensdruck nach drei Jahren Missbrauch unerträglich wird, gelingt ihm der Ausbruch aus der Beziehung und die Befreiung.

Mithilfe einer sparsam ausgestatteten Bühne, ein Stuhl und wenige Gegenstände, sowie ausgewählter Songs, die teilweise als Rap daherkamen, schuf Gesse eine Atmosphäre aus Beklemmung, Angst und geballtem Zorn. Dass Gesse das Opfer persönlich kennengelernt hatte, trug sicherlich zu seiner authentischen Darstellung bei.

Betretenes Schweigen herrschte unter den Schülern, wie auch Ausrufe des Entsetzens und des Ekels. Die anschließenden Fragen der Schüler zielten darauf ab, warum das Opfer Kristian nicht schon eher sein Schweigen gebrochen habe. Gesse antwortete, dass der Missbrauch nicht sofort eingesetzt hätte, sondern der Erwachsene geschickt eine Freundschaft zu dem Jungen aufgebaut hatte, um so Macht über ihn zu bekommen. Gesse berichtete, dass es zunächst schwer gewesen sei, die Rolle des Kristian zu spielen, er mittlerweile aber sogar Gefallen daran gefunden habe. Auch habe er bei einem 16-jährigen Jungen erlebt, dass dieser sich als Opfer outete und so Heilung erfahren konnte. Das Publikum aus Schülern und Lehrern bedankte sich bei den Mitwirkenden mit angemessenem Applaus. 

IL

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