Freie Spitze nahezu aufgebraucht

Zukunftserwartungen zwingen Kirchenkreis Lübbecke zum Sparen

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Bernd Kammann, Vorsitzender des Finanzausschusses, stellte die Haushaltspläne für das Jahr 2017 vor.

Lübbecker Land - Von Anja Schubert. Der Haushalt für 2016 ist ausgeglichen, selbiger für 2017 bewilligt. Und doch können sich die Verantwortlichen des Kirchenkreises Lübbecke mit Blick auf die Zukunft alles andere als zurücklehnen.

Denn die „freie Spitze“, um Ausgleichszahlungen für Kindergärten und ähnliches leisten zu können, ist aufgebraucht. Da die Finanzlage mit Blick auf die demografische Entwicklung nicht rosiger wird, ist schon jetzt zukunftsorientierter Handlungsbedarf gefragt. Mit der Erstellung einer Kirchenkreiskonzeption und der Einführung des Neuen Kirchlichen Finanzmanagements (NKF) ist bereits der erste Schritt gemacht.

Der Blick auf den Haushalt des Kirchenkreises Lübbecke und die Haushaltsentwicklung war bei der Herbstsynode am Montag im Nettelstedter Gemeindehaus zentrales Thema. Bernd Kammann, Vorsitzender des Finanzausschusses, stellte mit einem lachenden und einem weinenden Auge die Haushaltsplanungen für 2017 vor. 

Die wirtschaftlich gute Lage in Deutschland lasse die Einnahmen aus der Kirchensteuer sprudeln. Die evangelische Landeskirche habe hierdurch ein sattes Plus zu verzeichnen. Den gegenüber 2016 um 5,1 Prozent steigenden Zuweisungen an die Kirchenkreise stünden allerdings zusätzliche Ausgaben und Belastungen gegenüber. „Vor allem die höhere Pfarrbesoldungspauschale macht uns schwer zu schaffen. Der Zuwachs an Zuweisungen an den Kirchenkreis wird durch diese nahezu aufgefressen, so dass die Zuweisungen an die Gemeinden sogar sinken“, erläuterte der Finanzexperte.

Pfarrbesoldung frisst höhere Zuweisung auf

Vom übersynodalen Finanzausgleich auf Landesebene, aus dem auf der Basis der Gemeindegliederzahlen eine Zuweisung von 8,04 Millionen Euro auf den Kirchenkreis Lübbecke entfällt, ging der Blick auf die Finanzen vor Ort, die nach Berücksichtigung aller Abzüge (Pfarrbesoldungspauschale, Sachkosten, Deckungsreserven, Trägeranteile Tageseinrichtung für Kinder, etc.) einen Zuweisungsbetrag an die Kirchengemeinden in Höhe von 4,6 Millionen Euro ergaben. Die sich von 7.634 Euro auf 1.333 Euro vermindernde „freie Spitze“ sei bei einem Haushaltsvolumen von rund 11,2 Millionen Euro praktisch aufgebraucht, so Kammann.

Verwaltungsleiterin Elisabeth Halwe-Grote gab einen Überblick über den Haushalt der offenen Ganztagsgrundschulen und des Trägerverbundes der evangelischen Kindertageseinrichtungen. Im laufenden Kindergartenjahr würden 1 659 Kinder in den 25 Einrichtungen des Kirchenkreises betreut, darunter 63 Flüchtlingskinder, 280 Kinder unter drei Jahren und 67 integrativ betreute Kinder. 

Aufgrund einer Änderung des Kinderbildungsgesetzes und der Zahlung eines Zuschusses zu den Kindpauschalen sprach Halwe-Grote zunächst bis zum Kindergartenjahr 2018/2019 von einer Erhöhung der Einnahmen. Dennoch habe man auch hier steigende Kosten zu verzeichnen.

„Ohne die derzeit hohen Kirchensteuereinnahmen wäre die Situation bereits jetzt schwierig“, zog Kammann ein Fazit und prognostizierte: „Die fetten Jahre werden nicht unendlich weitergehen.“ Superintendent Dr. Uwe Gryczan appellierte daher: „Es ist in allen Bereichen äußerste Haushaltsdisziplin gefragt und ein Überziehen ohne Weiteres nicht mehr möglich.“ 

Die Mitte 2017 startende Einführung des Neuen Kirchlichen Finanzmanagements Westfalen werde durch die Schaffung von drei bis 2020 befristeten Stellen den Haushalt zwar zusätzlich belasten. „Doch die Umstellung auf dieses System ist nichts, was jemand vernünftig nebenbei machen kann“, erläuterte der Superintendent. Den Anstieg der Personalkosten, der sich durch tarifliche Verpflichtungen verstärke, werde durch die Streichung freiwilliger Leistungen ausgeglichen.

Trendumkehr nicht zu erwarten

Angesichts der demografischen Entwicklung und sinkender Mitgliederzahlen sei eine Trendumkehr nicht zu erwarten. Daher sei die Aufstellung der Kirchenkreiskonzeption sehr wertvoll. 

„Denn diese bestimmt mit, wie wir das zukünftig zur Verfügung stehende Geld verteilen und wofür es ausgegeben werden soll“, so Uwe Gryczan. „Noch ist Zeit, um in entspannter Lage die Weichen für die Zukunft zu stellen.“

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