Ehepaar Kleinloh gründet Trauma-Kindergarten in Jordanien

Ein sicherer Ort als Zuflucht

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Familie Kleinloh in ihrem Wohnzimmer in Obermehnen: Manuela und Dirk Kleinloh mit (v.l.) Josia (3), Jomana (10), Johannes (14), Jonathan (9), Josefa (12). Für die Kinder sind sie von Jordanien zurück nach Deutschland gezogen.

Vom Imme Lohmeyer-Lorek - Das Ehepaar Kleinloh hat großen Mut bewiesen. Gerade einmal ein Jahr lang verheiratet, machten sich Manuela Kleinloh aus Obermehnen und Dirk Kleinloh, gebürtig aus dem Siegerland, in ihrem Bully auf den Weg nach Jordanien. Es sei für sie eine Berufung gewesen, so Manuela Kleinloh, gelernte Sozialarbeiterin. Wie in einer Vision habe sie das Wort „Moab“ vor Augen gehabt, der Name der Region in Jordanien, in der sie später 14 Jahre lebten.

Eine gehörige Portion Gottvertrauen hatte sie bestimmt auch, denn Manuela Kleinloh war im fünften Monat schwanger, als sie sich auf die abenteuerliche Reise begaben. Auch Ehemann Dirk teilte dieses Gottvertrauen, denn der studierte Ingenieur für Nachrichtentechnik ging auf blauen Dunst in das arabisch-sprachige Land, ohne eine feste Arbeitsstelle.

Dass sie später einen Trauma-Kindergarten in Karak in Südjordanien gründen würden, wussten beide vorher noch nicht. Doch Manuela Kleinloh brachte als Sozialarbeiterin, die Kinder- und Jugendarbeit in einer Kirchengemeinde in Düsseldorf geleitet hatte, schon mal gute Voraussetzungen mit. Nach einer Reise mit Hindernissen, auf der in Griechenland der Bully repariert werden musste und von wo aus es dann per Schiff nach Israel ging, blieb das Paar zunächst für vier Jahre in der Hauptstadt Amman.

Dirk Kleinloh hatte das Glück, zunächst bei Siemens in seinem Beruf arbeiten zu können, während Michaela in der Organisation „Shevet Achim“ arbeitete, die herzkranken, arabischen Kindern zu OPs in Israel oder Europa verhilft.

Nach dem Vorbild eines Trauma-Kindergartens im nordjordanischen Mofraq entschloss sich Familie Kleinloh im Süden des Landes eine vergleichbare Einrichtung aufzubauen. Mit Hilfe der Organisationen „Vision Hope“, „Sternstunden“, „Ein Herz für Kinder“ und „Tear Fund“ entstand ein Trauma-Kindergarten in der Kleinstadt Karak, südlich von Amman. „Das Wichtigste war, den Kindern eine liebevolle Atmosphäre zu geben und einen Ort, an dem sie sich sicher fühlen konnten“, erinnerte sich Manuela Kleinloh an ihre Zeit in Jordanien.

90 Kinder, die Hälfte von ihnen syrische Flüchtlinge, die andere Hälfte Jordanier, wurden von geschulten Lehrkräften auf die Schule vorbereitet. Das Konzept der Einrichtung in Karak bezog sich auf Traumatherapie, in der die Kinder durch Malen, Rollenspiele oder Bewegung ihre Erlebnisse verarbeiteten, und auf spielerisches Lernen. „Die jordanischen und syrischen Kinder mussten überhaupt erst einmal lernen, zu spielen und kreativ zu sein“, hatte Manuela Kleinloh beobachtet. Im Nachmittagsprogramm erhielten ältere Kinder Ergänzungsunterricht in den Fächern Arabisch, Englisch und Mathe, denn hier müssen sie bereits Vorkenntnisse mitbringen, wenn sie in Jordanien eingeschult werden.

Weitere 80 Schulkinder zwischen sechs und 14 Jahren erhielten ebenfalls Ergänzungsunterricht. Aber auch kreative Workshops in Tanzen, Basteln, Kochen und Fußball zählten zum Nachmittagsangebot der Einrichtung.

Nun lebt die siebenköpfige Familie – alle fünf Kinder sind in Jordanien geboren – seit drei Monaten in Obermehnen, auf dem elterlichen Hof von Manuela Kleinloh. Im wesentlichen seien sie wegen der Kinder zurückgekommen, damit ihnen eine optimale Schulbildung zuteil werden könne. Ihre Kinder kannten Deutschland vorher nur als Urlaubs- und als Luxusland. Denn in Jordanien seien tägliche Stromausfälle und Wasserrationen die Regel.

Was sie in Jordanien aufgebaut haben, will Dirk Kleinloh von hier aus weiterführen – mit häufigeren Besuchen vor Ort. „Es ist wichtig, dass die Probleme in den Herkunftsländern gelöst werden“, äußerte er sich zur Flüchtlingssituation. Ziel ist es für ihn also, dass ihr Herzensprojekt einmal von jordanischer Hand geleitet wird.

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