Bettina Tietjen spricht beim Kreislandfrauentag über Pflege und Familie

Mut zum Nein-Sagen

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Freuten sich über einen gelungenen Abend: Bettina Tietjen (5.v.l.), Regina Selhorst (2.v.r.) und die Frauen des Kreisvorstandes (v.l.) Marie-Luise Hahne, Claudia Weber, Marianne Berger, Vanessa Fenn, Marlis Klocke und Doris Speckmeier.

Lübbecke - Sehr erfrischend, spritziger als im Fernsehen – die Fernsehmoderatorin Bettina Tietjen begeisterte beim Kreislandfrauentag Minden-Lübbecke in der ausverkauften Stadthalle Lübbecke. Die Hamburgerin unterhielt mit Auszügen aus ihrem Buch „Unter Tränen gelacht“ und talkte vor 650 Gästen locker mit Landfrauen der Region. Da machte es auch nichts, dass der Abend länger dauerte, als geplant.

In ihrem sehr persönlichen Buch erzählt Tietjen von der Demenzerkrankung ihres Vaters. Dabei beschreibt sie die Themen Demenz und Pflege in vielen kleinen Geschichten offen und liebevoll. „Es gibt eine Hemmschwelle darüber zu reden, wenn ein geliebter Mensch dement wird. Ich möchte anregen, sich mehr auszutauschen“, erklärt Bettina Tietjen. „Menschen mit Demenz zu verstecken, kann nicht die Lösung sein.“ Das Ende des Lebens gehöre genauso dazu wie der Anfang. Dennoch sei es wichtig, Verantwortung abzugeben und sich professionelle Hilfe zu suchen. Ihre Bewunderung für den Beruf Altenpflege, der mit viel Kraft verbunden sei, sei riesengroß.

Ihr dementer Vater habe ihr Leben verändert, aber auch bereichert, erklärt die Hamburgerin. „Wir hatten viel Spaß, aber es war auch eine Herausforderung.“ Es gebe noch so viele Emotionen und schöne Momente. Sich darauf einzulassen, dazu wolle sie Mut machen. In den Jahren der Demenz sei sie mit ihrem Vater so eng zusammengerückt, wie im ganzen Leben nicht. „Dafür bin ich heute dankbar.“

Im zweiten Teil des Abends talkte Tietjen mit Regina Selhorst, Präsidentin des Westfälisch-Lippischen Landfrauenverbands, und Landfrauen aus dem Mühlenkreis. Das Gespräch drehte sich unter anderem um das Leben auf dem Land, das Bild von der Landwirtschaft oder Bauer sucht Frau. „Die Familien auf den Höfen erbringen enorme Leistungen“, weiß Dr. Eva Ursula Peitzmeier. Die 46-jährige Fachtierärztin für Schweinehaltung aus Hille kennt durch ihren Beruf viele landwirtschaftliche Betriebe und weiß von den schönen und schwierigen Seiten des Landlebens. Die alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern ermunterte: „Habt Mut zu sagen, ich kann nicht mehr.“

Das unterstützt Iris Melcher aus Stemwede. „Holt euch Hilfe, so viel wie es geht.“ Die 58-jährige Pharmazeutisch-Technische Assistentin und Hauswirtschafterin, die mit ihrer Familie auf einem Betrieb mit Sauenhaltung lebt, hat neun Jahre ihre Schwiegereltern gepflegt.

Auf dem Land funktionierten die Gemeinschaft und das generationenübergreifende Leben noch, merkte Selhorst an. „Landfrauen sind ganz starke Frauen“, betonte sie. Auch die Diplom-Verwaltungswirtin, die mit ihrem Mann, den fünf Söhnen und den Schwiegereltern auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Mastschweinehaltung im münsterländischen Herbern lebt, ermutigte, aufzuzeigen, wenn die eigenen Grenzen erreicht seien.

Die Landfrauen seien wichtige Fürsprecher und eine entsprechende Lobby für den ländlichen Raum, stellte Dr. Ralf Niermann heraus. „Ich schätze mich glücklich, dass es sie gibt“, betonte der Landrat. Er ermunterte, sich von den Zahlen der demografischen Entwicklung nicht schrecken zu lassen, sondern anzupacken und zu handeln.

Den humorvollen Einstieg beim Kreislandfrauentag gestalteten die Hiller Landfrauen Elke Rohlfing, Carolin Schüler und Sylke Rösener sowie Edvard Salvesen am Klavier. Der 13-Jährige aus Lübbecke, Sieger des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“, präsentierte Stücke von Franz Liszt und Claude Debussy.

SoR

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