Zahlreiche Erwachsene und Schüler engagierten sich beim Vorlesetag in Rahdener Grundschulen und Kindergärten

Lesefunke sprang gestern schnell über

„Tatort“ Grundschule Varl: Initiatorin Monika Büntemeyer inmitten der Mädchen und Jungen der Klasse 3 b.

Rahden - (ges/Art) · Von Pfarrerin Gisela Kortenbruck über Ortsvorsteher Wilhelm Kopmann und Bürgermeister Bernd Hachmann bis hin zu Staatssekretär Steffen Kampeter und der Rahdener Initiatorin der Leseförderung in Schulen und Kindergärten, Monika Büntemeyer, waren gestern mehr als hundert Vorleserinnen und Vorleser in den Rahdener Grundschulen und Kindergärten im Einsatz. Allesamt mit dem Ziel, Akzente zu setzen und dem Vorlesen kraftvolle Impulse zu geben.

        In der evangelischen Grundschule Pr. Ströhen lief der Unterricht in der ersten Stunde noch normal, dann ging das „Gewusel“ los: Zunächst stand für die Kinder aller Klassen ein gemeinsames Frühstück auf dem Stundenplan. Acht Viertklässler wechselten zeitgleich in den nahe gelegenen Kindergarten, um dort in ausgesprochen gemütlicher Atmosphäre den drei- bis Sechsjährigen vorzulesen. „Unsere Kinder haben ihre Aufgabe im Kindergarten sehr ernst genommen. Sie haben sich vorher sogar gegenseitig abgehört“, resümierte die kommissarische Schulleiterin Bettina Wehebrink gestern Mittag. Und wusste auch schon, „dass wir nächstes Jahr auf jeden Fall wieder mitmachen, weil alles so wunderbar geklappt hat“.

Alle Kinder hatten für das gesunde Frühstück zum Auftakt des Vorlesetages Kleinigkeiten aus dem eigenen Kühlschrank mitgebracht. Die frischen Brötchen und dazu gehörigen Getränke wurden aus dem Schuletat finanziert. Das eigentliche Vorlesen war geteilt. Die in der Schule gebliebenen Viertklässler unterhielten die jüngeren Mitschülerinnen und Mitschüler auf so genannten „Lese-Inseln“ mit lustigen Geschichten, in den Klassenräumen schlugen Lesepatin Hanna Helms, die Pr. Ströherin Inge Hartmann, die ehemalige Leiterin der evangelischen Grundschule, Uta Hartmeier, und Gemeindepfarrer Roland Mettenbrink Kinderbücher mit Geschichten zum Schmunzeln und Nachdenken auf. Dem Kollegium mit Bettina Wehebrink, Klaus Militz-Frank, Friedhelm Drexhage und Katrin Krömker blieb auf Grund des Engagements anderer Pr. Ströher gestern Vormittag nur die Zuhörer-Rolle.

Ortswechsel: Gespannt und sehr diszipliniert lauschte die Mädchen und Jungen der Klasse 3 b der Grundschule Varl der Geschichte von „Törtel“, einer griechischen Landschildkröte, die in Berlin-Müggendorf die seltsamsten Erlebnisse mit anderen Tieren hat: Mit der Füchsin „Wendy“ beispielsweise und dem Dachs „Palle“. Akteurin im großen „Vorlesesessel“ war Monika Büntemeyer, die seit 2007 mit großem Engagement das Vorlesen für Grundschul- und Kindergartenkinder forciert – im ersten Jahr allein, im zweiten schon mit erfreulich großer Hilfe und in diesem Jahr mit Unterstützung von mehr als 50 Erwachsenen und weit über hundert Schülerinnen und Schülern. Neben Viertklässlern aus den Grundschulen auch von Zehntklässlern der Freiherr-vom-Stein-Realschule, die den Kindern der fünften Klassen aus ihren Lieblingsbüchern vorlasen.

Monika Büntemeyer kommt gern zum Vorlesen in die Grundschule Varl. „Weil hier unsere Kinder das Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt haben“, sagt sie. Mit entsprechender Mimik und Gestik zog sie zunächst die Kinder der Klasse 3 b, anschließend die Schülerinnen und Schüler der 3 a in ihren Bann. Zuvor hatte schon der Sielhorster Ortsvorsteher Wilhelm Kopmann in der ersten Klasse und Gudrun Straßburg in der zweite Klasse gelesen. Abgelöst wurde Monika Büntemeyer von Pfarrerin Gisela Kortenbruck.

Die Viertklässler der Grundschule Varl befanden sich derweil im „Außendienst“. Sie waren Vorlesegäste bei den Mädchen und Jungen im Kindergarten „Bärenhöhle“ in Rahden.

Auch die Varler Grundschulleiterin Karin Thrien bewertete den gestrigen Vorlesetag als großen Erfolg: „Wir unterstützen die Aktion gern, weil gerade in der heutigen Zeit das Vorlesen und die damit verbundene Nähe zu den Kindern richtig und wichtig ist, auch als Gegenströmung zu anderen Medien“, resümierte die Rektorin und zollte allen, die zum Gelingen des gestrigen Aktionstages beigetragen haben, Lob und Dank.

In der Kindertagesstätte am Krankenhaus in Rahden sorgte „hoher Besuch“ für strahlende Kinderaugen. Dort wurde Steffen Kampeter, MdB und Parlamentarischer Staatssekretär schon von den Kindern erwartet. Im Gepäck hatte er zahlreiche Kinderbücher, die seine drei Kinder gestern kurzfristig entbehren mussten. „Ich lese das, was die Kinder möchten und so lange wie sie zuhören“, beantwortete der erst am Morgen aus Berlin angereiste CDU-Politiker die Frage nach seiner Verweildauer. Den Vorleseort hatte er schnell ausgewählt: „Das Traumzimmer“ mit kuscheligen Kissen und Matratzen war für ihn ideal. Locker und erfrischend war die Begrüßung, als Victoria, Alina, Anastasia, Merle, Chantal und Justin herein kamen. „Hallo, ich bin der Steffen und wie heißt ihr?“ Seines Sakkos und seiner Schuhe hatte er sich schon entledigt. Schnell wählten die Kinder zwischen den mitgebrachten Büchern aus, das größte Buch war das verlockendste: Tomi Ungerers „Die drei Räuber“. Nicht nur einmal betrachtete er das Buch mit den Kindern, der zweite Durchgang mündete in einem lockeren Gespräch über die ausdrucksstarken Bilder.

Locker, unkompliziert und leger wusste der dreifache Familienvater, worauf es beim Vorlesen ankommt. Kein starres Vorlesen der Texte, sondern eine Mischung aus Vorlesen, Erzählen, Aktivitäten zum Mitmachen und das Gehörte besprechen war das, womit Kampeter nicht nur bei den Kindern für strahlende Augen sorgte. „Der kann jederzeit wiederkommen“, sagte Kindergartenleiterin Erika Schiplock begeistert. Denn auch bei kleinen Wehwehchen wusste Kampeter die Kindertränen zu trocknen – mit einer weiteren Geschichte als Trostpflaster. Nach insgesamt vier Büchern trennten sich die Kinder schweren Herzens von ihrem „Vorlesebesuch“, nicht ohne ihm die Frage zu beantworten, wer denn bei ihnen zu Hause immer vorlese. „Bei uns zu Hause ist es meist meine Frau, weil ich sehr häufig abends unterwegs bin“, so Kampeter. Man merkte ihm an, dass er diese Aufgabe gerne öfter übernehmen würde. Er selbst habe als Kind das Vorlesen geliebt, früher seien es hauptsächlich Märchen gewesen, die ihm seine Mutter vorgelesen habe. „Kinder brauchen Wiedererkennungswerte und Strukturen, die sie beim Vorlesen faszinieren. „Es müssen auch mal Herausforderungen dabei sein wie ein bisschen Grusel“, sagte Kampeter, der mit den siebenjährigen Zwillingen Viktoria und Elisabeth und dem vierjährigen Sohn Justus selbst lesebegeisterte Kinder Hause hat.

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