Arrenkamperin Margot Osterodt sammelt seit mehr als 30 Jahren Ostereier in allen Variationen

Leidenschaft für fragile Meisterwerke

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Margot Osterodt sammelt Ostereier in alle Variationen. „Die Häschenschule“ diente als Vorlage für dieses bemalte Gänseei. ·

Rahden - Von Heidrun MühlkeARRENKAMP · Osterei ist nicht gleich Osterei – zumindest nicht, was man sich vielleicht landläufig darunter vorstellt: gekocht, bunt gefärbt und zum Verspeisen bestimmt. Margot Osterodt zeigt in ihrem Haus, was man aus einem Osterei noch alles machen kann: bemalt, beschrieben, beklebt, bestickt oder gefräst sind ihre kleinen Kunstwerke. Der Kreativität am Ei scheinen keine Grenzen gesetzt. Nur zum Aufessen sind sie nicht geeignet.

Seit mehr als 30 Jahren hat die Arrenkamperin Hunderte von Ostereiern aus verschiedenen Regionen zusammengetragen. In den Wochen rund um Ostern verwandeln sie ihr Haus in ein kleines Wunder. Osterodt lässt sich gefangen nehmen von der Anziehungskraft der vielfarbigen und variationsreichen Handstücke. Aus Glas bestehen deren Rohlinge, aus Keramik, Holz, Porzellan und in der Mehrzahl Hühner- oder Gänseeiern. Die meisten von ihnen ausgeblasen, manche gefüllt. „Das Ei ist das Symbol des Lebens – überall auf der Welt“, weiß Osterodt.

Aufs Ei gekommen ist sie Anfang der 1980er-Jahre durch das Geschenk einer Freundin. Damit begann eine Sammelleidenschaft, die im Laufe der Jahre ungeahnte Dimensionen angenommen hat. „Zu Ostern schenkte sie mir ein Wellensittich-Ei mit der Aufschrift „Frohe Ostern“, erinnert sich Osterodt, die das zerbrechliche winzige Ei wohl behütet in einer kleinen Schachtel aufbewahrt.

Nur wenig größer sind die Taubeneier, die gleich ne ben an in hübschen Gläsern ihren österlichen Auftritt haben. In meisterlich filigraner Malkunst sind sie mit Ostermotiven im Kleinstformat verziert. „Mit hauchdünnem Pinsel hat die Künstlerin die Eier in Aquarelltechnik bemalt“, bewundert Osterodt die kleinen Kunstwerke – jedes für sich ein Unikat. Und jeder, der weiß, wie schnell gerade diese Farben verlaufen, wird sich der genialen Kunst bewusst, derer es bedarf, um diese kleinen gewölbten ovalen Flächen zu bemalen.

Doch es sind nicht nur die kleinen Eier von Wellensittich, Taube oder Wachtel, die mit ihren österlichen Dekoren faszinieren. In einer Schale liegen Hühnereier, die feine weiße Linien auf dunklem blau zieren. Osterodt nimmt eines vorsichtig heraus und erklärt: „Das Osterei ist in einer so genannten Kratztechnik entstanden. Zunächst wird das Ei gefärbt, manchmal auch in mehreren Schichten und dann wird die Farbe wieder weggekratzt.“

Dann fällt der Blick auf hohe alte Gläser. Darin liegt jeweils ein Ei. „Das sind die Prunkstücke meiner Schatzkiste“, erklärt Osterodt. Gekauft habe sie die perforierten Eier noch zu D-Mark-Zeiten von einem pensionierten Zahnarzt. „Der hat seine nicht mehr benötigten Zahnarztgerätschaften benutzt, um feine Muster in die zarte Eierschale zu fräsen.“ So reiht sich in millimetergenauer Feinarbeit Schlitz um Schlitz ums Ei herum, jedes der winzigen Löcher mit goldener oder silberner Farbe umrandet. Osterodt: „Damals haben sie 25 Mark gekostet – heute bekommt man solch exklusive Oster eier nicht unter 80 Euro!“

Kein Wunder also, dass jedes der fragilen Meisterwerke einen individuellen bruchsicheren Platz hat. Sie liegen in kleinen, passend zum Ei gestalteten Schatullen, in dekorativen Schalen oder in kostbaren alten Gläsern. Dort fristen sie in der Osterzeit ihr Dasein gebettet in Moos oder Heu, aber auch auf getrockneten roten Bohnen oder schwarzen Linsen.

An anderer Stelle erklärt Osterodt, dass auch Wachs oder ätzende Flüssigkeiten für die Eier-Kunst verwendet werden. Auch klitzekleine Fimo-Kunstwerke verzieren manches Ei, andere werden im 3D-Verfahren ins rechte Licht gerückt. Einige dekorierte Eier aus der bisweilen kuriosen Sammlung tragen die Silhouetten von Erdbeerblättern, Efeu oder Fünffingerkraut. „Angedrückt werden diese Blätter, indem man das Ei vor dem Färben in einen Nylonstrumpf schiebt“, beschreibt Osterodt die Arbeit am Oval.

Aber die kreative, 69-jährige Arrenkamperin nimmt die Sache mit den blanken Kalkschalen auch gern selbst in die Hand. Gefallen findet sie an der Herausforderung, gewölbte Ovale jeder Größe zu bemalen oder in irgendeiner Weise mit österlichen oder frühlingshaften Motiven zu verschönern. Im zurückliegenden Jahr zeigten ihre Miniatur-Kunstwerke feinste Scherenschnitte auf zumeist weißen Eiern, in diesem Jahr hat sie sich vom Trend der Muffins und Cupcakes mitreißen lassen und bringt die süßen Verführungen in pastelligem hellblau, zartem rosa, duftigem gelb oder frischen grün auf die kalkige Malfläche.

Ausgeklügelt ist ihr Werken, wenn kleine Stücke mit der Serviettentechnik gekonnt auf dem Ei platziert werden – selbstverständlich faltenfrei! Wie lange sie an einem Ei arbeitet, weiß sie nicht genau. „Ich klebe und male sie so lange an, bis sie mir gefallen.“

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