Friedrich Horstmann wird heute 100 Jahre alt / Immer für die Familie gelebt

Lebensgeschichten aus einer anderen Welt

„Mit dem Herzen können sie 100 Jahre alt werden“, sagte einst ein Kardiologe zu Friedrich Horstmann. Er bekam Recht: Heute feiert der Pr. Ströher den seltenen Ehrentag. ·
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„Mit dem Herzen können sie 100 Jahre alt werden“, sagte einst ein Kardiologe zu Friedrich Horstmann. Er bekam Recht: Heute feiert der Pr. Ströher den seltenen Ehrentag. ·

Pr. Ströhen - Ein besonderer Festtag ist heute für die Familie Fangmann-Windhorst auf dem Heuerort, Zur Mühlenbrücke 9. Friedrich Horstmann – Senior und Mittelpunkt der Familie – feiert bei zufriedenstellender Gesundheit seinen 100. Geburtstag.

„Ick heff nich glöwt, dat ick mol so old wern wöre“, so der Jubilar, der auf ein arbeitsreiches Leben zurückblicken kann. Viel Energie hat er in den Aufbau seines Anwesens gesteckt. Urlaub und Ausflüge seien für ihn Fremdwörter gewesen, meint Horstmann. Erst im fortgeschrittenen Alter habe er mit seiner Frau ab und an ein paar Tage freigenommen, um mehr von der Umgebung seiner Heimat zu erfahren.

Wenn „Dieckrögers Opa“ aus seinem Leben erzählt, tut sich eine andere Welt auf. Schließlich regierte noch Kaiser Wilhelm II. in Berlin, war Deutschland eine Monarchie, als er am 18. November 1911 als siebtes von zehn Kindern auf der heutigen Stätte geboren wurde.

Als er die Schule im Dorf besuchte und täglich in Holzschuhen den dreieinhalb Kilometer langen Weg zu Fuß zurücklegen musste, wurde Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg eine Republik. 1923 raffte die Inflation alles Geldvermögen dahin.

Wie kaum ein anderer kann der Jubilar noch von dem entbehrungsreichen Leben in einer kinderreichen Familie berichten, wo Jungen wie Mädchen schon in jungen Jahren zu anderen Familien gegeben wurden, damit sie dort ihren Lebensunterhalt verdienten. Das traf auch auf Friedrich Horstmann zu. Er diente auf verschiedenen Bauernhöfen in Pr. Ströhen und im niedersächsischen Rathlosen, Malinghausen und Heilstädt bei Bassum.

Der Jubilar erlebte auch die Weimarer Zeit und die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten mit. In dieser Zeit kehrte er in sein Elternhaus zurück und lernte Sophie, geb. Reimers aus Hann. Ströhen kennen. Am 24. März 1940 heirateten sie. Vier Mal feierten Friedrich und Sophie Horstmann ein Ehejubiläum: die silberne, goldene, diamantene und eiserne Hochzeit. Ihre Gnadenhochzeit stand kurz bevor, als Sophie Horstmann am 21. Januar 2009 im Alter von 94 Jahren die Augen für immer schloss.

Während der Anfangsjahre ihrer Ehe musste sie um ihren Mann bangen, der am 24. März 1940 zur Infanterie eingezogen wurde, später zur Flakartillerie kam und an verschiedenen Fronten diente. In Russland rückte er mit seiner Einheit bis vor Stalingrad vor, um dann den Rückzug bis in die Tschechei mitzuerleben. Eineinhalb Jahre verbrachte er in russischer Kriegsgefangenschaft, bevor er wegen Unterernährung ins Lazarett kam und im Oktober 1946 krank in die Heimat entlassen wurde.

Für den Jubilar und seine Frau begann ein neues Leben. Mit dem 1. März 1949 übernahmen sie die Bewirtschaftung und den Ausbau des elterlichen Anwesens. Schwiegersohn Helmut Fangmann, der Tochter Erika heiratete, half später tatkräftig mit. Mit auf dem Anwesen wohnt heute auch Enkeltochter Heidrun mit ihrem Mann Harald Windhorst und ihren beiden Kindern, während Enkeltochter Silke mit ihrem Mann und zwei Kindern in Selsingen leben.

Seine neun Geschwister hat Friedrich Horstmann alle überlebt. Die Brüder Wilhelm und August fielen als Soldat im letzten Krieg.

Als ehemaliger Kriegsteilnehmer fühlt sich Friedrich Horstmann seit langen Jahren der Kameradschaft ehemaliger Soldaten in Pr. Ströhen verbunden, die ihm heute herzliche Glückwünsche übermitteln wird. · on

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