Landwirte sind mit Ernte zufrieden, haben aber mit einer Marktkrise zu kämpfen

„Wir zahlen hohen Preis“

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Beim Mais rechnen die Bauern mit durchschnittlichen bis guten Erträgen. Auch sonst sind die Landwirte mit der Ernte zufrieden.

Minden-Lübbecke - Vor Kurzem haben Christen Gott für die Ernte gedankt. Jetzt ziehen die Landwirte der Region Bilanz: „Wir konnten eine normale Ernte einfahren, allerdings mit enormen Schwankungen“, so der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Minden-Lübbecke, Hermann Seeker. Witterungsmäßig und ackerbaulich sei es „ein interessantes Jahr mit Überraschungen gewesen“. Wenig zufriedenstellend sei die Preissituation.

Auf einen milden Winter folgten ein zu kaltes und trockenes Frühjahr sowie Frühsommer und Hitzeperioden im Sommer. Der Juli brach alle Hitzerekorde, erinnert sich Seeker: Es war der heißeste Monat seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen im Jahr 1880. Viele Landwirte, die auf Grund der starken Trockenheit mit schlechten Ernten gerechnet hatten, wurden daher positiv überrascht. „Wir hatten Glück und sind mit einem blauen Auge davongekommen“, resümiert der Vorsitzende.

Die Erträge von Getreide und Raps sind regional sehr unterschiedlich. Je nach Bodengüte haben die Pflanzen die Frühjahrstrockenheit unterschiedlich überstanden. „Doch auf den leichteren Standorten sind die Ergebnisse erstaunlicherweise besser als erwartet“, berichtet Seeker. Zum Ernteverlauf sagt er: „Der Sommer hat uns weitgehend gutes Wetter beschert, Trocknungskosten fielen kaum an.“ Allerdings habe es immer wieder Regenfälle gegeben, die zu Unterbrechungen führten. Insbesondere der Starkregen im August in Levern, Pr. Oldendorf und Stemwede führte zu erheblichen Beeinträchtigungen.

„Die Gerste ist die herausragende Ackerfrucht mit teilweise sehr guten Erträgen“, weiß Seeker. „Die Trockenheit konnte der Gerste nichts anhaben, sie war schon weit abgereift“, erklärt er. Ähnlich sehe es beim Roggen, dem Futtergetreide Triticale und Hafer aus – die Halmfrüchte schnitten laut Seeker „ganz ordentlich ab“.

Der Weizen fiel hingegen unterdurchschnittlich aus. Darüber hinaus brachte der Raps deutliche Mindererträge, aufgrund der Nässe im vergangenen Herbst. Die Ölfrucht konnte sich aber aufgrund des milden Winters ausreichend entwickeln.

Noch ist nicht alles unter Dach und Fach: „Beim Silo- und beim Körnermais rechnen wir mit durchschnittlichen bis guten Erträgen“, schildert Seeker. Bei den Zuckerrüben erwarten die Bauern eine normale Ernte mit durchschnittlichen Zuckergehalten. Weiterhin hoffen die Landwirte auf einen schönen Herbst mit viel Sonne und kühlen Nächten, damit die Rüben noch viel Zucker einlagern.

Bei den Kartoffeln ist Seeker zufolge von einer zufriedenstellenden Ernte auszugehen. „Doch auch ihnen fehlte der Regen.“ Erfreulich sei, dass die Kartoffelpreise deutlich besser ausfielen als im vergangenen Jahr. Sorgen bereiten den Bauernfamilien derzeit die desolaten Erzeugerpreise für Milch, Fleisch und Getreide und die kostentreibenden Auflagen. Wirtschaftlich besonders unter Druck stehen dem Kreisverband zufolge die Sauenhalter und die Milchbauern. „Wir haben eine echte Marktkrise, allerdings mit politischer Ursache“, erläutert Seeker im Hinblick auf das Russland-Embargo: „Wir Bauern zahlen einen hohen Preis für die politisch motivierten Eingriffe in den Markt.“

„Vom Lebensmitteleinzelhandel erwarten wir eine deutlich stärkere Berücksichtigung unserer preislichen Situation“, so der Kreisverbandsvorsitzende. „Lebensmittel sind mehr Wert und haben ihren Preis!“ Es gelte nicht nur über Nachhaltigkeit zu reden und sie zu fordern, sondern auch, danach zu handeln. Seeker erinnert: „In unserer satten Gesellschaft wird oft vergessen, dass eine mehr als ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln keine Selbstverständlichkeit ist.“ Stattdessen werde das Tun der bäuerlichen Familien mehr und mehr hinterfragt. „Neuerungen werden in den Blick genommen, dürfen die Höfe aber wirtschaftlich nicht überfordern“, so Seeker. Das Wünschenswerte müsse mit dem ökonomisch Machbaren in Einklang gebracht werden.

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