Bonitas-Geschäftsführer wehrt sich gegen Darstellung in TV-Magazin

Kritik am Fast-Mieter

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Bonitas-Geschäftsführer Lars Uhlen (Mitte), Rahdens Bürgermeister Bernd Hachmann (r.) und Bauamtsleiter Dieter Drunagel bei einer Ratssitzung im Januar. · Archivfoto: Pröpper

Rahden - Von Kai Pröpper · In Rahden wird der Pflegedienst Bonitas Holding aus Herford manchmal als „Retter der Bettenhaus-Obergeschosse“ gesehen.

Wie bereits berichtet, beabsichtigt Bonitas, die drei oberen Bettenhaus-Etagen des Rahdener Krankenhauses von der Stadt anzumieten, um dort Pflegeplätze für Langzeitbeatmungspatienten sowie eine ambulante Wohngruppe einzurichten. Unterschrieben ist der Mietvertrag jedoch noch nicht. Schwere Anschuldigungen gegen Bonitas erhebt indes das TV-Politmagazin „Report Mainz“.

In einem am Dienstag gesendeten Beitrag des Magazins ist von verdecktem Menschenhandel und Beatmungspatienten als Renditeobjekten die Rede.

„Das ist so krank, arm und konstruiert“, wehrt sich Bonitas-Geschäftsführer Lars Uhlen im Gespräch mit unserer Zeitung gegen die Vorwürfe. Inhalte von Schreiben seien aus dem Zusammenhang gerissen worden, das „verdeckt gefilmte Verkaufsgespräch“ sei fingiert. Er habe die unkenntlich gemachte Person erkannt. Es handele sich dabei um Hasan Burzik, Inhaber des Pflegedienstes Zilka Heimbeatmung aus Gerlingen. Uhlen: „Er gibt, wenn es sein muss, eine eidesstattliche Erklärung ab, dass alles fingiert war.“

Hasan Burzik bestätigt diese Aussage. Er habe das im Beitrag Nachgesprochene zwar gesagt, jedoch seien die Sätze aus dem Zusammenhang gerissen worden. Uhlen befürchtet nun, dass die Bevölkerung allein dem TV-Bericht glaubt und berichtet von Beschimpfungen seiner Mitarbeiter auf offener Straße. Um den Mietvertrag mit der Stadt Rahden macht er sich wenig Sorgen. Dieser sei „theoretisch schon unterschrieben“.

Wenn Patienten, die auf Beatmungsgeräte angewiesen sind, das Krankenhaus verlassen, trägt oft die Krankenkasse die hohen Folgebeatmungskosten. Laut „Report Mainz“ werden solche Patienten im häuslichen Bereich zu Preisen von 40- bis 60 000 Euro zwischen Pflegediensten gehandelt.

Mietvertrag „theoretisch

schon unterschrieben“

In dem im TV-Beitrag gezeigten verdeckt gedrehten Verkaufsgespräch soll Burzik fünf Patienten für insgesamt 250 000 Euro zum Kauf angeboten haben.

Das Politmagazin beruft sich zudem auf ihm vorliegende Verträge zwischen zwei Pflegediensten und eine Patientenliste. In diesen gehe es um mehr als 30 Patienten zu einem Kaufpreis von je 40 000 Euro sowie die Übernahme der gesamten Belegschaft. Der Vertrag stehe unter dem Titel „Unternehmenskaufvertrag über einen Teilbetrieb“.

„Report Mainz“ geht aber davon aus, dass es hauptsächlich um die Patienten und deren Rendite ging, und zitiert unter anderem den ehemaligen Geschäftsführer eines veräußerten Stuttgarter Pflegedienstes.

Dass für eine Patientenübernahme gezahlt werde, habe er, Uhlen, noch nie erlebt. Gängige Praxis sei es jedoch, dass bei Übernahmen von Pflegedienst-Unternehmen Geld fließe. „Dass zur Bewertung Patientenzahlen herangezogen werden, ist auch bei Arztpraxen üblich.“ Laut dem TV-Magazin soll der Bonitas-Geschäftsführer aber vor dem Motiv der Profitgier zwei Männer von der Patientenliste gestrichen, sprich nicht übernommen haben. Auch SPD-Bundestagsmitglied Karl Lauterbach und Wolfgang Zöller, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, kommen in dem TV-Beitrag zu Wort. Auf ihn, so Lauterbach, mache die Situation den „Eindruck eines verdeckten Menschenhandels“. Zöller: „Da wird Ethik und Monetik wohl verwechselt.“

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