Achtklässler und Senioren sammeln Lieblingsrezepte / Beide Seiten profitieren von Sozial-AG der Rahdener Realschule

„Kennt ihr eigentlich Köksel?“

Da sind sich drei einig: „Schokokuchen ist der beste Kuchen“, meinen (v.l.) Gabriel Glowacki, Walter Schwettmann und Jennifer Hompes.

Rahden - Dass Schülerinnen und Schüler der Freiherr-vom-Stein-Realschule im Frühjahr 25 Stunden ihrer Freizeit mit Senioren verbringen, ist zu einer nutzbringenden Übereinkunft zwischen der Schule und den Senioreneinrichtungen geworden. In diesem Jahr sind es 21 junge Menschen, die im „Schloss Rahden“, „Am Eibenweg“ und der Tagespflege „Arche“ im Rahmen der Sozial-AG lernen und helfen.

Neu ist diesmal ihr Projekt „Rezeptbuch“: Sie befragen Senioren und Mitarbeiter nach deren Lieblingsrezepten, notieren alles und ergänzen es aus Kochbüchern, dem Internet oder mit ihren eigenen Lieblingsrezepten. Am Ende soll alles kopiert und zu einem kleinen Buch gebunden werden.

Jennifer Hompes und Gabriel Glowacki haben sich mit Walter Schwettmann (80) in eine gemütliche Ecke der Tagespflege zurückgezogen. „Kennt ihr eigentlich Köksel?“, fragt der Varlheider die beiden Schüler. Die gucken sich fragend an. „Na, Eintopf oder Mittag, auf plattdeutsch sagen wir Köksel“, erklärt Walter Schwettmann. „Ja, und was kommt da rein in den Köksel?“ „Vor allem Gemüse: Erbsen, Möhren, Bohnen … eben einmal quer durch den Garten.“ Das kennen die beiden Jugendlichen auch und schreiben eifrig mit. „Mir macht das Sozialpraktikum großen Spaß“, erzählt Jennifer. „Ich wollte lernen, wie man richtig mit älteren Menschen umgeht. Zum Beispiel ist mir klar geworden, dass man immer nachfragen muss, was sie wollen und nicht einfach über ihren Kopf hinweg entscheiden darf.“ Auch Gabriel meint, dass er von den Nachmittagen in der „Arche“ profitiert. „Ältere Menschen wissen mehr als ich, da kann ich immer was lernen. Später will ich mal irgend etwas im Rechtswesen machen. Da muss ich viel mit Menschen umgehen und das lerne ich hier auch.“

Im benachbarten Seniorenheim „Am Eibenweg“ sitzen Frieda Seidel (85) und Canan Kayan gemeinsam am Tisch. „Oh, früher habe ich jeden Tag gekocht. Ich habe vier Söhne und eine Tochter, da musste etwas auf den Tisch“, erzählt Frieda Seidel. Canan hat bereits ihre Rezepte für Erdbeertorte und Kartoffelsalat aufgeschrieben. Die beiden kommen gut miteinander zurecht. „Ich mag sie gerne“, sagt die Seniorin über die Schülerin und beide lächeln.

„Unsere Bewohner freuen sich inzwischen schon darauf, dass die Schüler kommen“, berichtet Ute Niestrat, Pflegedienstleitung im „Eibenweg“. „Die Schülerinnen und Schüler sind lebhaft, bringen einfach frischen Wind in den Alltag“, ergänzt Nina Eikenhorst, leitende Pflegefachkraft in der Tagespflege „Arche“. Beiden fiel schon bei der Informationsveranstaltung, die auf das Praktikum vorbereitet, die hohe Motivation der Schüler auf. „Sie haben ganz zielgerichtet nachgefragt, sich sogar nach Krankheitsbildern erkundigt und sich ganz bewusst für die Sozial-AG entschieden.“ Dass die Schüler nicht nur dazulernen, sondern auch helfen können, wertet die Aktion noch auf. „Dank ihrer Hilfe können wir zum Beispiel mit unseren Bewohnern mehr nach draußen gehen,“ meint Nina Eikenhorst. Mit dem zusätzlichen Projekt „Rezeptbuch“ sollte die Kommunikation zwischen den Generationen gefördert werden. Das ist offensichtlich gelungen.

Noch bis zum 28. Mai besuchen die Schüler im Rahmen der AG die Senioreneinrichtungen. Dann erhalten sie ein Zertifikat, das ihnen den Zuwachs an sozialer Kompetenz bescheinigt.

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