CDU-Informationsveranstaltung in Wehdem mit Genossenschaftsvertreter

Josef Hovenjürgen: „Erträge vor Ort lassen“

Friedrich Klanke, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion (r.), erklärte am Donnerstag, dass es schwierig werde, in einem Streusiedlungsgebiet wie dem Mühlenkreis die Windkraft im großen Stil auszubauen. ·

Wehdem - Von Kai PröpperGuido Pelzer aus Wehdem gehört nach eigener Aussage zu einer neuen Interessengemeinschaft, die „schon vor Fukushima“ auf die Idee gekommen ist, sich mit Windkraft zu beschäftigen. Ihr Wunsch ist die Errichtung eines Bürgerwindparks auf Stemweder Gebiet. Die Gemeindeverwaltung sei schon kontaktiert worden. „Unser Bestreben muss ein 100-prozentiger Konsens sein“, sagte Pelzer. Die Suche nach Investoren gestalte sich schwierig. Den Satz „Seht zu, dass ihr erst einen Standort bekommt“ hat Pelzer schon von potenziellen Investoren gehört.

Ob man die Umsetzungshorizonte von fünf Jahren für einen Windpark auch verkürzen könne, wollte der Wehdemer am Donnerstagabend in der Begegnungsstätte von Josef Hovenjürgen wissen.

Eine Dauer von zwei bis fünf Jahren könne man nicht umgehen, erklärte der CDU-Landtagsabgeordnete des Kreises Recklinghausen, den der Stemweder CDU-Gemeindeverband zu seiner Diskussions- und Infoveranstaltung zum Thema Energiewende in die Begegnungsstätte eingeladen hatte. Gastredner waren außerdem MdL Friedhelm Ortgies und der Lemförder Ralf Rehker, Vorstandsmitglied der Energiegenossenschaft „Energie für Uns“, der die Genossenschaft und ihre Ziele im Laufe des Abends vorstellte. Die Genossenschaft sei für einen Bürgerwindpark. „Dieser kann als Gegenstück zum klassischen Investorenkonzept gesehen werden“, so Rehker.

Bislang sei der Interessengemeinschaft nicht klar gewesen, wie die CDU zu dem Thema Bürgerwindpark stehe, sagte Pelzer in seiner Vorstellung. Jetzt merke er aber, dass „wir mit unserem Vorhaben offene Türen einrennen.“

Im Vorfeld hatte CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender Michael Jürgens kurz die Situation in Stemwede beschrieben. Acht Einzelwindkraftanlagen sowie zehn Anlagen in einem Windpark gebe es, zudem einen Photovoltaik-Park in Oppenwehe und zahlreiche mit Photovoltaik-Anlagen bestückte Dächer.

Auf die Situation im Mühlenkreis wollte Friedhelm Ortgies hinweisen. Seine persönliche Meinung zur Windenergie habe sich in den vergangenen Monaten geändert, erklärte er. „Nach der verlorenen Landtagswahl war es zu erwarten, dass die neue Regierung die Windenergie nach vorne treibt.“ Er sei für einen „verträglichen Weiterausbau“, aber auch dafür, dass die Gemeinden und Bürger einen „Fuß in der Tür“ behielten, wenn es darum ginge, wer wo die Anlagen baut.

„Wir werden die gesetzliche Lage in Stemwede nicht ändern können.“ Die Kommunalpolitiker sollten stattdessen aufpassen, dass „diejenigen beteiligt sind, die betroffen sind“. „Ich befürchte, dass es zu einer Veränderung des Landschaftsbildes kommen wird“, sagte der Landtagsabgeordnete auch mit dem Blick aufs Repowering.

Beim Bau von Windenergieanlagen in bebautem Gebiet stelle sich die Frage der Wirtschaftlichkeit. Nicht alles, was rechtlich gehe, sei wirtschaftlich sinnvoll, so der Landtagsabgeordnete Josef Hovenjürgen.

Friedhelm Ortgies:

„Fuß in der Tür halten“

„Wenn wir bauen, sollten wir die Erträge vor Ort lassen.“ Grundstückseigentümer sollten einen Pool bilden, sich Investoren suchen und den Ertrag selbst schöpfen. Mit Energiegenossenschaften schafften Menschen aus der Region etwas für die Region. Auch er gehe von Veränderungen des Landschaftsbildes aus. Man müsse zudem die Entwicklung und Erforschung neuer Speichermedien für Wind- und Solaranlagen vorantreiben.

In Sachen Biogas war sich Hovenjürgen sicher, dass „wir das „Maximum der Kapazität erreicht haben. Ich mache mir langsam Sorgen, dass wir in unserem Land keine Nahrung mit ausreichender Qualität mehr erzeugen können.“

Zuhörer Jörg Dürre und seine Berechnungen, wie günstig Photovoltaik-Freiflächenanlagen seien, bügelte Hovenjürgen mit den Worten „Man sollte sich die Dinge nicht besoffen schönreden“ ab. Er sei gegen die Versiegelung von Freiflächen für Anlagen, da genug Dächer vorhanden seien.

Zuhörer Friedrich Klanke, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, erklärte, dass es schwierig werde, in einem Streusiedlungsgebiet wie dem Mühlenkreis die Windkraft im großen Stil auszubauen. Photovoltaik-Module würden immer günstiger, was der Produktion in China zu verdanken sei, aber der Transport nach Deutschland sei auch nicht gerade umweltfreundlich.

Klanke sagte, dass die 2 500 PV-Anlagen im Kreis nur ein Drittel der Leistung der beiden Wasserkraftwerke in Petershagen erbrächten. „Es ist sinnvoll, Wind und Sonne zu nutzen“, so der Leverner. Man sollte die Lebensqualität in Stemwede aber nicht durch Windparks gefährden. „Nach meiner Kenntnis ist die Gemeinde nicht im Zugzwang, einen Windpark auszuweisen.“

Hans Niemann: „So ein Durcheinander“

Dass die CDU die Energiewende akzeptiere, stimme gar nicht, warf Zuhörer Hans Niemann nach einem Vortrag vom Landtagsabgeordneten Friedhelm Ortgies ein. Man habe die Mitglieder nicht gefragt, die Anordnung sei „par ordre du mufti“ , also von oben, gekommen. Er halte es nicht für richtig, dass man sich eine Meinung aufsetzen lasse. Seit 45 Jahren sei er ein CDU-Mann, und „so ein Durcheinander habe ich noch nicht erlebt“. Dafür gab‘s Applaus aus dem Publikum.

„Was hätten alle gesagt, wenn wir nach Fukushima so getan hätten, als wäre nichts passiert?“, fragte Ortgies Niemann. Er, Ortgies, sei seit seiner Jugend Atomkraft-Kritiker und fühle sich jetzt „nicht als Wendehals“.

„Wer sagt denn, dass wir nicht mal ein 7,0-Beben bekommen ?“, fragte Josef Hovenjürgen, der eine Frage Niemanns nach der Atompolitik Frankreichs mit dem Satz „Wenn wir mit gutem Beispiel voran gehen, wird sich auch Frankreich auf den Weg machen“ beantwortete.

Windkraftgegner und

Befürworter

Windkraftgegner waren ebenso in der Begegnungsstätte anzutreffen wie Befürworter. Die alternativen Energien hätten bisher nicht den angestrebten Erfolg gebracht, argumentierte Karl Wärmker aus Getmold. Diese Diskussion habe man schon oft geführt, konterte Ortgies. Man habe die Veranstaltung in Wehdem nicht gemacht, um für Windenergie zu werben, aber „wenn wir nichts machen, werden wir uns die Sache überstülpen lassen müssen“.

Ernst Lohmeier, Vorsitzender des Vereins „PRO Preußisch Oldendorf - Stemwede CONTRA Windkraft“, fragte „Hätten Sie gerne ein Windkraftrad vor der Haustür ?“ und bemängelte die Zusammenarbeit mit den Kommunen. Seine Frage konnte Josef Hovenjürgen, in dessen Nachbarschaft eine Windkraftanlage steht, nur verneinen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Meistgelesene Artikel

Glätteunfälle beschäftigten Polizei im Mühlenkreis

Glätteunfälle beschäftigten Polizei im Mühlenkreis

Glätteunfälle beschäftigten Polizei im Mühlenkreis

Kommentare