Knapp 150 Besucher und der Rahdener Posaunenchor unter Leitung von Uwe Kolbus nahmen daran teil

In der Idylle plattdeutsch über die „Zeit“ gepredigt

Posaunenchor: Der plattdeutsche Gottesdienst unter den Linden wäre ohne den Posaunenchor unter der Leitung Uwe Kolbus einfach nicht derselbe. Seit jeher begleiten die Bläser die Veranstaltung am Museumshof mit ihrer Musik.

Rahden - (jab) n Unter den Linden in trauter Idylle – dort fanden sich am Sonntagmorgen knapp 150 Besucher ein, die nicht nur Pfarrer Rainer Rohrbecks Gottesdienst, sondern ganz besonders der plattdeutschen Predigt lauschen wollten. Im Zentrum der Rede stand das Thema „Zeit“.

Wie begrüßen sich zwei Rentner vom Dorfe? – „Keen Tied, keen Tied!“

Ein Kichern durchzuckte die Sitzreihen. Die Besucher des plattdeutschen Gottesdienstes am Museumshof, selbst meist Rentner, verstanden den Witz nur zu gut. „Aber“, begann Prediger Manfred Bollhorst, „vielleicht hat einer der beiden Rentner ein Problem und wünscht sich einen Rat. Vielleicht ist er krank und benötigt Hilfe. Eigentlich ist der Witz gar nicht zum Lachen.“ Dem Kichern folgte ein einsichtiges Nicken. Es war keinesfalls die Absicht des Predigers die fröhliche Stimmung am Morgen zu ruinieren, doch wollte er auf ein ganz alltägliches Problem aufmerksam machen: Die Menschen nehmen sich nicht mehr genug Zeit füreinander.

Auch in der Bibel wird dieses Thema behandelt. Bollhorst erzählte die Geschichte des Teiches von Bethesda aus dem Johannes Evangelium (Joh. 5, 1-15). Dort nämlich sollen die Menschen in fünf Säulenhallen rund um den Teich ihre Kranken niedergelegt haben. Diese wiederum warteten darauf, dass ein Engel kam und das Wasser bewegte. Derjenige, der als erster in das Wasser stieg, wurde gesund, egal, welche Krankheit er auch mit sich trug.

Der Teich von Bethesda war einer jener Orte, an dem Jesus ein Wunder vollbrachte. Er traf dort auf einen Mann, der bereits seit 38 Jahren gelähmt war und aufgrund seiner Behinderung nicht zur rechten Zeit in das Wasser gelangen konnte. „Ick hab keen Mensken“, soll der Mann zu Jesus gesagt haben. „Für mich ist das einer der traurigsten Sätze des neuen Testaments“, so Bollhorst betrübt. „Als ich früher noch in der Diakonie in Minden gearbeitet habe, waren da Menschen, die vier oder fünf Jahre keinen Besuch empfangen hatten und zu mir sagten, sie hätten niemanden. Das hat mich persönlich sehr getroffen.“

In der Geschichte konnte Jesus das Leid des Gelähmten allerdings lindern, mit dem einfachen Satz: „Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher!“ Das einzige Problem war, dass Jesus dieses Wunder am Sabbat verrichtete, so dass er sich den Zorn der Juden zuzog. Der Sohn Gottes ließ sich dadurch jedoch nicht beirren und stellte das Gesetz der Nächstenliebe über das des Sabbattages. „Es geht darum füreinander da zu sein und sich gegenseitig zu helfen“, schlussfolgerte der Prediger.

Bollhorst wechselte von der Bibelanekdote zu einer Geschichte aus Antoine de Saint-Exypérys „De lütte Prinz“. Ein Apotheker bietet darin dem kleinen Prinzen Pillen an, mit denen er seinen Durst stillen und insgesamt 100 Stunden Zeit einsparen könne. „Nein, das ist nichts für mich“, antwortet aber der kleine Prinz, denn viel mehr als über ein paar zusätzliche Stunden, freut er sich auf den Weg zum Brunnen und darüber, in aller Ruhe und ganz gemütlich das Wasser trinken zu können. „Bleibt die Frage: Welches ist das schönere Leben? Das, das der Apotheker rät, oder das, das der kleine Prinz wählt?“, ließ der Redner seine Predigt ausklingen und gab den Besuchern damit einen weiteren Anstoß zum Denken mit auf den Heimweg.

Begleitet wurde der plattdeutsche Gottesdienst unter den Linden des Museumshofes traditionsgemäß von Uwe Kolbus und dem Rahdener Posaunenchor.

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