Feuerwehrkameraden aus Oppenwehe kehren mit vielen Eindrücken aus dem Hochwassergebiet an der Elbe zurück

Hilfsbereitschaft zeigt sich in der Not

+
Die Lage im Schönebecker Stadtgebiet war zwar angespannt, aber stabil. Bei der Hochwasser-Katastrophe an der Elbe halfen rund 15 Kräfte aus dem Kreis Minden-Lübbecke in der Bezirksreserve bei der Bekämpfung der Wassermassen. ·

Rahden - Von Anika BokelmannOPPENWEHE/SCHÖNEBECK · Eine Welle der Hilfsbereitschaft geht seit Anfang Juni durch das Land, um die vom Hochwasser betroffenen Bewohner der Gebiete in Ost- und Süddeutschland bei der Bekämpfung der Wassermassen zu unterstützen. Auch Feuerwehrkräfte aus dem Kreis Minden-Lübbecke waren für den Katastrophenschutz vor Ort. Paul Melcher und Torsten Geldmeier von der Freiwilligen Feuerwehr Stemwede, Löschgruppe Oppenwehe, gehörten zur Bezirksreserve des Regierungsbezirkes Detmold und sicherten Deiche in Schönebeck.

Seit Freitag sind alle regionalen Hilfskräfte der Bezirksreserve aus dem Einsatzgebiet in Schönebeck an der Elbe wieder in der Heimat. Eine Woche lang haben auch vier Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Stemwede insgesamt geholfen, die Deiche mit Sandsäcken zu stabilisieren und damit die Stadt vor größeren Schäden bewahrt.

Als die Bezirksregierung Detmold eine Abteilungsführung zum ersten Einsatz nach Schönebeck beorderte, waren Torsten Geldmeier und Maik Henke aus Oppenwehe mit von der Partie. Sie trafen am Samstag, 8. Juni, an der Elbe ein. „Als wir am Abend ankamen, war gleich Alarm. Eine Mauer war eingebrochen“, erinnert sich Geldmeier.

Als „zum Glück nicht bedrohlich und relativ ruhig“ schätzt er rückblickend die Lage vor Ort ein, da umliegende Städte noch stärker von der Naturkatastrophe betroffen gewesen seien.

Trotzdem waren alle Freiwilligen nahezu rund um die Uhr im Einsatz und stießen dabei an ihre körperlichen Grenzen. Mit Rückenschmerzen und zahlreichen Mückenstichen kehrten die Oppenweher Feuerwehrmitglieder von ihrem ersten Einsatz dieses Ausmaßes wieder in den Mühlenkreis zurück.

Der Pegelstand habe anfangs bei ungefähr 7,51 Meter gelegen und sei im Verlauf der Woche noch weiter angestiegen – normal sind für Schönebeck 2,2 Meter, erklärt Torsten Geldmeier. Mit dem Mannschaftstransportfahrzeug und einer Nahtauchpumpe rückten die Oppenweher Feuerwehrkräfte zur Hilfeleistung an. In Schönebeck wurden die Helfer des THW, der DLRG, der Feuerwehren und Bundeswehr sowie dem DRK in Züge eingeteilt, mit jeweils 40 Personen pro Zug.

Vergangenen Mittwoch wurde die Abteilungsführung in Schönebeck dann durch weitere Kollegen abgelöst. Als Paul Melcher und Torsten Spreen an der Elbe eintrafen, hatte sich bei der Arbeit der Einsatzkräfte bereits eine Struktur eingestellt. „Wir haben in 24- und 12-Stunden-Schichten gearbeitet“, sagt Melcher. Der Oppenweher Löschgruppenführer und die weiteren Hilfskräfte waren überwiegend damit beschäftigt, die Deiche weiterhin zu sichern. „Die Deiche sind alle aus Lehm und waren weich wie Pudding. Wenn da ein Baum drauf getroffen wäre, hätten Löcher alles zum Einsturz gebracht“, so Melcher zur Gefahrensituation in Sachsen-Anhalt.

Wasser, das trotz unzähliger Sandsäcke über die Deiche getreten war, pumpten die Oppenweher mit Kollegen aus dem gesamten Kreis Minden-Lübbecke, darunter auch die Feuerwehren aus Espelkamp und Rahden, und anderen Gebieten der Bundesrepublik wieder zurück in die Elbe. „Es galt, eine Überflutung der Stadt zu verhindern“, sagt Melcher.

Untergebracht waren die Stemweder Helfer in Schönebeck in einer Sekundarschule, die während der Zeit des Katastrophenalarms den Unterricht eingestellt hatte. „Klassenräume, die Sporthalle und sonstige Zimmer waren alle belegt“, erläutert Paul Melcher. Die Versorgung mit Lebensmitteln übernahmen die örtlichen Gruppen der DLRG und des DRK sowie die Bevölkerung.

„In solch einer Situation sieht man, wie hilfsbereit Menschen sein können“, ist Paul Melcher von dem Verhalten der Bürger Schönebecks begeistert. „Sie haben soviel hergegeben und gespendet“, so der Feuerwehrkamerad und Torsten Geldmeier ergänzt: „Alle Bewohner haben sich mit Arbeiten abgelenkt. Und viele sind mit ihren Privatautos zu den Helfern gefahren, um Kuchen zu verteilen.“

In den umliegenden evakuierten Ortschaften von Schönebeck hingen große Plakate mit einem Dank an die Helfer. Wie emotional die Lage für alle war, habe sich im Gespräch mit den heimischen Feuerwehrkräften gezeigt, so die Oppenweher. „Nach vielen Stunden Einsatz am Stück musste ein Kamerad die Evakuierung seines eigenen Ortes bekannt geben“, erinnert sich Paul Melcher.

Die freiwilligen Helfer haben bei dem Katastrophenschutz viele neue Erfahrungen gemacht und betonen: „Wir würden es immer wieder machen.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Koalition einigt sich auf CO2-Preis und Pendler-Entlastung

Koalition einigt sich auf CO2-Preis und Pendler-Entlastung

Ein Jahr im Packeis: Eisbrecher "Polarstern" gestartet

Ein Jahr im Packeis: Eisbrecher "Polarstern" gestartet

Weltweiter Massenprotest für eine bessere Klimapolitik

Weltweiter Massenprotest für eine bessere Klimapolitik

Familienfest im Kurpark

Familienfest im Kurpark

Kommentare