Informationsabend zur Energiewende im Tonnenheider Mühlenhaus

„Handlungsbedarf besteht“

Beleuchteten die Energiewende von verschiedenen Seiten – natürlich mit Ökostrom (v.l.): Reinhard Steinmann, Christian Krüger, Rainer Rohrbeck, Tim Uges und Friedhelm Ortgies. ·
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Beleuchteten die Energiewende von verschiedenen Seiten – natürlich mit Ökostrom (v.l.): Reinhard Steinmann, Christian Krüger, Rainer Rohrbeck, Tim Uges und Friedhelm Ortgies. ·

Tonnenheide - Den Veranstaltungsort für den ersten gemeinsame Info-Abend „Welche Chancen und Risiken bringt die Energiewende in Zukunft?“ hatten die CDU-Ortsunion Tonnenheide und der Verein Energiedorf Tonnenheide nicht unbedacht gewählt. „Früher wurde hier mit Windenergie Mehl gemahlen. Die Mühlen sind größtenteils aus der Landschaft verschwunden, heute entstehen nach und nach neue ‚Windmühlen‘“, sagte Christian Krüger, Vorsitzender der Ortsunion in seiner Begrüßung im voll besetzten Mühlenhaus an der Tonnenheider Mühle.

Um nach Fukushima zu informieren, wie die Energiewende im Altkreis vorangetrieben werden könnte und wo ihre Grenzen liegen, hatten die Organisatoren drei Referenten eingeladen: MdL Friedhelm Ortgies (CDU), Tim Uges (Firma Hilker Solar aus Rahden) und Reinhard Steinmann von der Vehlager Firma Windkonzept.

Rainer Rohrbeck, Vorsitzender des Vereins Energiedorf Tonnenheide, hatte die Entwicklung der erneuerbaren Energien im Rahdener Raum genau beobachtet. Er verglich ihren Anteil an der Gesamtenergiegewinnung im Altkreis von 2009 (12,4 Prozent) und 2010 (18,9 Prozent) sowie in Rahden (2009 9,6 Prozent und 2010 16,5 Prozent). Mit den Prozentwerten sei man noch weit entfernt von den von der Bundesregierung geforderten 47 Prozent, sagte er. 532 PV-Anlagen, neun Biogas- und drei Windkraft-Anlagen gebe es in Rahden. „Da ist noch 'ne Menge zu tun“, klärte Rohrbeck auf und warb für die Klima-Olympiade, die sein Verein als Mitglied im Klimabündnis im Mühlenkreis unterstützt. „Nur über erneuerbare Energien werden wir den Co2-Verbrauch nicht so weit senken können wie gefordert.“ Notwendig seien unter anderem auch Wärmeschutzmaßnahmen, der Einsatz von Solarstrom sowie Stromeinsparungen. Rohrbeck erinnerte an die guten Plätze Rahdens (Platz zwei bei den Kommunen), Tonnenheides (Platz vier bei den Ortschaften) und Schmalges (Sonderpreis Wärmeschutzmaßnahmen) bei der jüngsten Klima-Olympiade. „Wichtig ist uns als Verein, dass wir deutlich machen, dass jeder Einzelne etwas tun kann“, sagte der Vorsitzende. „Kleinvieh macht auch Mist.“

„In Tonnenheide wird seit Jahren daran gearbeitet, wie man die Umwelt schützen und trotzdem Energie gewinnen kann“, lobte Ortgies. Er, und das sei nichts Neues, halte den Ausstieg aus der Atomenergie für unumkehrbar. Seiner Partei werde vorgeworfen, ihre Paradigmen ständig zu wechseln. „Wenn man bei so einer Katastrophe seine Meinung nicht ändern kann – ja wann denn dann?“, fragte er in die Runde, in der auch Mitglieder des Stadtrates saßen.

Die Wende sei nicht allein mit erneuerbaren Energien zu schaffen, so Ortgies. Verlassen müsste sich das Land zudem auf fossile Brennstoffe. Danach ging er auf die Probleme von Biogas- und Photovoltaik-Anlagen ein und kam für sich zu dem Schluss, dass man mit erneuerbaren Energien allein keine großen Firmen betreiben könne.

Die Windenergien nannte er als am rentabelsten. Man müsse Flächen ausweisen, in denen die Gewinnung möglich sei und die Bevölkerung mit einbeziehen. „Ein Bürgerwindpark wäre ein Weg“, so Ortgies.

„In Rahden besteht Handlungsbedarf“, sprach Steinmann das Windkraft-Vorranggebiet in Varl, das einzige Rahdens, an. Dort habe die Politik viel Kreativität bewiesen, um keine Anlage zulassen zu müssen.

Das Gebiet sei im Vergleich zur Größe des Stadtgebietes sehr klein, es gebe sehr restriktive Festsetzungen zur Bauhöhe und zur Erschließung und die Grundstückseigentümer lehnten eine Bebauung mit Windkraftanlagen ab. „Die Ausweisung muss vor diesem Hintergrund als Verhinderungsplanung gesehen werden“, so der Geschäftsmann. Sie sei deshalb möglicherweise anfechtbar.

Er ging darauf ein, wie in der Bevölkerung Akzeptanz für Großwindkraftanlagen gefördert werden könne und nannte die Voraussetzungen von Windenergie-Vorrangflächen, ehe er eine Beispielrechnung für eine fiktive Bürgerwindkraftanlage für Tonnenheide brachte. Zwölf Windenergieanlagen müssten gebaut werden, damit Rahdens Stromverbrauch durch erneuerbare Energien gedeckt wäre, sagte er später.

Ob sich Kleinwindkraft- oder Photovoltaikanlagen auf Privatgelände auch nach der Kürzung der Einspeisevergütung rechnen, unter anderem dazu referierte Tim Uges. Eine fiktive PV-Anlage amortisierte sich in einer Beispielrechnung nach rund 8,55 Jahren. „Das ist noch im akzeptablen Rahmen.“

Im Anschluss stellte der für Hilker Solar arbeitende Student vertikal laufende Windkraftanlagen vor, deren Anschaffungspreis weit über dem von horizontalen Anlagen liegt und die sich dadurch erst wesentlich später amortisieren.

Seinen Beispielrechnungen legte er eine Fünf-kW-Anlage und einen Eigenverbrauch von 100 Prozent zugrunde. Bis so eine Anlage stehe, gehe einige Zeit ins Land. Man benötige logischerweise eine Baugenehmigung und es sei ein „irrer Aufwand“, sagte Uges. · kap

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