Zwei Viehhändler bei Jahreshauptversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Drohne

Handel früher per Handschlag besiegelt

Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Drohne, Wilhelm Gülker, Udo Wiesinger, zweiter Vorsitzender Karl-Friedrich Koch sowie Hubert Hillmann (von links), demonstrierten den Mitgliedern den traditionellen Viehhandel per Handschlag.

Rahden - DROHNE (jh) · Ein besonderes Highlight war bei der Jahreshauptversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Drohne im Gasthaus Hohlt der Besuch der Viehhändler Hubert Hillmann und Udo Wiesinger, die den jüngeren Landwirten den traditionellen Handel per Handschlag näher brachten. Zu Beginn wurde ein Dokumentarfilm über den Alltag des Viehhändlers Hubert Hillmann gezeigt.

Zunächst berichtete Wilhelm Gülker über die Situation der deutschen Landwirtschaft. Er erwähnte den Einbruch der Ferkelpreise Mitte des Jahres sowie der Schweinepreise, die in der zweiten Jahreshälfte weit unter das Vorjahresniveau sanken. „Auch auf dem Milchmarkt sieht es nach wie vor katastrophal aus. Nach unvorstellbaren 23 bis 25 Cent in den Sommermonaten ist der Milchpreis momentan etwas angestiegen”, erklärte Gülker. „Prognosen, wie lang der Aufwärtstrend anhält, wagt kaum jemand zu äußern.“ Zudem gäben Branchenkenner zu bedenken, dass die Milchprodukte in den EU-Interventionslagern auch wieder ausgelagert werden müssten.

„Auch beim Getreide sah es nicht besser aus. Brachte die Tonne Weizen im Jahr 2008 noch bis zu 280 Euro, kann man sie momentan schon für unter 130 Euro beziehen”, so der Vorsitzende.

„Der größte Teil der Ernte konnte bereits Anfang August unter Dach und Fach gebracht werden. Die Erträge waren insgesamt zufrieden stellend, nur der Mais hat ziemlich unter der Trockenheit gelitten. Im August wurde es dann auch wieder sehr unbeständig. Der November verschonte uns mit seinen Kapriolen. Dafür setzte Mitte Dezember, mit bis zu 14 Grad Kälte und Schneefall schon sehr früh der Winter ein”, erklärte Gülker.

Die landwirtschaftliche Produktion sei heute nur noch finanzierbar bei maschineller Großproduktion, machte Gülker deutlich. „Der Beruf des Landwirts ist dem Aussterben preisgegeben – es lebe die Agrarindustrie! Bauernhöfe schließen – es lebe die technische Lebensmittelproduktion wie der Analog-Käse für Pizzen!”

Die landwirtschaftliche Produktion bilde die Grundlage für die Gesundheit des Menschen und stehe für eine intakte Natur, sagte der Vorsitzende weiter. „Ingesamt müssen wir feststellen, dass die Bauern vor allem gegenüber dem Handel immer noch in einer sehr schwachen Position sind.” Die Landwirtschaft sei auch wichtig, um die Artenvielfalt zu erhalten. Bauern würden durch ihre Arbeit den ländlichen Raum gestalten und die Kulturlandschaft prägen. „Dafür ist aber eine angemessene Bezahlung der landwirtschaftlichen Arbeit notwendig”, forderte Gülker.

Nach Meinung des Vorsitzenden bräuchten Betriebe, die in der neuen Zeit bestehen wollten, transparente Rahmenbedingungen sowie faire Partner für einen fairen Wettbewerb. „Nicht jeder Bauer wird das Erbe seiner Väter an seine Kinder weitergeben können. Dabei sollten wir aber wissen, dass nur Landwirte den ländlichen Raum auf Dauer pflegen und erhalten können.” Deutschland und seine Landwirtschaft dürften nicht für die Globalisierung geopfert werden, setzte Gülker den Schlusspunkt hinter seinen viel beachteten Bericht.

Vor drei Jahren hatte ein Team des NDR den Viehhändler Hubert Hillmann aus Osterfeine begleitet und einen Film über seinen Alltag gedreht. Herausgekommen ist dabei ein 30-Minuten-Beitrag, der während der Versammlung gezeigt wurde.

Anschließend demonstrierte Hillmann mit Udo Wiesinger den traditionellen Handel. „Der Handschlag ist beim Viehhandel wie ein Kaufvertrag. Es ist eine alte Tradition, die jüngere Landwirte kaum noch kennen. Das gegenseitige Abklatschen symbolisiert das Feilschen. Erst wenn man sich einig ist, gibt es den Handschlag und der Handel ist perfekt”, erklärte Hillmann.

Trotz aller negativen Randerscheinungen für den landwirtschaftlichen Berufsstand hatte der Ortsverband ein abwechslungsreiches Jahr. Gülker erinnerte an den Kreisverbandstag in Espelkamp mit Bundesministerin Ilse Aigner, an die Aktion „Saubere Landschaft”, die jährliche Fahrradtour und die Teilnahme am Dorfpokalschießen.

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