Schulen legten die Herbstferien so, dass Kinder auf dem Feld helfen konnten / Maschinen nahmen der schweren Arbeit den Schrecken

Härtester Arbeitseinsatz bei der Kartoffelernte

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Ein kräftiger Einspänner schaffte es, den Kartoffelroder allein zu ziehen, mit dem jeweils eine Reihe Kartoffeln ausgemacht wurde, die dann von Hand eingesammelt wurden.

Rahden - STEMWEDE/RAHDEN · Die Kartoffelernte gehörte früher zu den härtesten Arbeitseinsätzen in der Landwirtschaft. Wie bei keiner anderen Ernte war dabei Handarbeit so gefragt. Die Schulen verlegten sogar die Herbstferien, damit die Kinder auf den Feldern helfen konnten.

Sie wurden zwischen den Reihen der Erwachsenen eingeteilt, damit diese mal aushelfen konnten, wenn Rücken, Knie und Beine von der ständigen Arbeit in knieender Haltung gar zu sehr schmerzten. Die Erwachsenen bekamen drei, die Kinder zwei Kartoffelreihen zugeteilt. Der Bauer selbst oder der erste Knecht ging den so genannten Auskriegern vorweg und lockerte mit dem eisernen Kartoffelaufhauer mit kräftigen Schlägen die Kartoffelreihen auf.

Von seiner Arbeit hing es ab, ob der Auskrieger mit seinen Händen die Erde leicht ausheben und die freigelegten Kartoffel auflesen und in die mitgezogenen Kartoffelkörbe tun konnte. Dabei wurden die kleinen Kartoffeln gleich aussortiert und in einen gesonderten Korb gelegt, den die Auskrieger vor sich auf den Kartoffelreihen herschoben. Die Körbe für die dicken Kartoffel wurden von ihnen mitgezogen.

Dem Bauern selbst war es meistens vorbehalten, die vollen Kartoffelkörbe auf den mitgeführten Wagen zu entleeren oder sie zunächst in großen Haufen auf dem Acker zu lassen, wo sie mit Stroh und Kartoffelranken zum Schutz gegen Regen und Nachtfrost abgedeckt wurden.

Später wurden die Haufen dann wieder aufgedeckt und die Kartoffeln erneut mit den Händen oder auch mit hölzernen Kartoffelsortiermaschinen aufgeteilt, wobei alte und angefaulte Kartoffeln aussortiert wurden und auf dem Acker blieben. Die übrigen Knollen wurden in Kellern und Erdmieten bis zu ihrem Verbrauch gelagert. Mehr als ein halbes Dutzend mal wanderte so jede Kartoffel durch die Hände des Menschen, bevor sie in der Küche oder im Viehkessel landete.

Für die Kinder war es eine kleine Entschädigung für die Plackerei beim Ausbuddeln, wenn abends die Kartoffelranken zusammengetragen und angezündet wurden. Gerne legten sie dann auch ein paar Kartoffeln in die Glut und ließen sie rösten. Waren die Erdäpfel dabei auch noch so schwarz geworden, sie schmeckten den jungen Helfern einfach köstlich.

Die Kartoffelernte wurde einfacher, als die ersten von Pferden gezogenen Roder aufkamen. Jeweils eine Reihe wurde dabei vom Rodereisen angehoben und die Kartoffeln von der routierenden Gabel in den nebenher laufenden Drahtkorb geworfen, aus dem sie – frei von Erde – in Reihen auf den Boden zurückliefen. Sie brauchten dann nur noch aufgesucht zu werden.

Immer aber war noch die Handarbeit gefragt, bis die ersten Vollerntemaschinen aufkamen. Die Firma Tielbürger aus Oppenwehe entwickelte nach dem Zweiten Weltkrieg den „Heinzelmann“, mit dem die Kartoffeln ausgemacht und in Drahtkörbe gefüllt wurden. Aber auch diese mussten dann wieder von Hand entleert werden.

Der große Vorteil des Maschineneinsatzes war die kurze Erntezeit. Die Entwicklung führte zur weiteren Verbesserung des Vollernters, dem bald ein Bunker angebaut war, der mehrere Zentner Kartoffeln aufnahm und maschinell entleert wurde.

Heute haben die Kartoffelvollernter der schweren Arbeit von einst den Schrecken genommen. Sie sammeln und sortieren in einem Arbeitsgang die Kartoffeln, ohne dass der Mensch noch dabei helfen oder eingreifen muss. · on

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