Abbruch der Gaststätte Hanau-Helms in Varl lässt Heimatverein nicht kalt

Auf gute Nachbarschaft

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Platz für ein Gemeindezentrum: Der Abriss der ehemaligen Gaststätte Hanau-Helms beschäftigt den Heimatverein. ·

Rahden - Von Kai PröpperVARLHEIDE/VARL · Das Varler Ortsbild ist im Wandel. Auf dem Friedhof fiel eine markante Ahorn-Allee der Kettensäge zum Opfer, und an der Hauptkreuzung der Ortschaft will die Freie Evangelische Gemeinde Rahden (FEG) ein neues Gemeindezentrum bauen. Dafür müsste die ehemalige Gaststätte Hanau-Helms weichen. Und wenn sich was in der Heimat tut, interessiert das naturgemäß auch den Heimatverein Varl-Varlheide, der sich am Mittwoch bei seiner Jahreshauptversammlung mit beiden Themen befasste.

„Schade“ findet es Vorsitzender Günter Meyer, dass die Gaststätte abgebrochen werden soll. „Viele von uns haben dort sicher ihr erstes Bier getrunken.“ Er stellte infrage, ob der Abriss der Wirtschaft für den Neubau eines Bethauses richtig sei.

Die FEG habe mit den Vorständen von Union Varl und des Heimatvereins gesprochen. Die Mitglieder hätten, so Meyer, „eindeutig mitgeteilt, dass, wenn sie nicht erwünscht wären, nicht bauen würden“, und eine gute Nachbarschaft angeboten. Außerdem wollen sie den neuen Parkplatz auch dem Sportverein zur Verfügung stellen. Der Vorstand des Heimatvereins habe oft über die Gaststätte gesprochen, erklärte der Vorsitzende. „Es hat sich nicht mehr gerechnet, das alte Gebäude zu erhalten.“ Für den Bau des neuen Hauses sei keine Ratsentscheidung notwendig. Meyer: „Der Bebauungsplan gibt das her.“ Nur für die Anlegung der Parkplätze sei eine Planänderung vonnöten.

Er und Varls Ortsheimatpfleger Reinhard Stevener seien von mehreren Personen angerufen worden, die nicht verstanden hätten, warum das historische Gebäude abgebrochen werden solle. „Welche Alternativen haben wir sonst?“, fragte Meyer. Die Gaststätte stehe auf Privatgrund, darüber könne niemand verfügen. Wenn die Besitzer die Chance hätten, es zu verkaufen, „sollten wir froh sein, das wir keinen zweiten Schandfleck in Varl bekommen.“

Die FEG wolle sich in das Dorf einbringen. „Wenn wir personenmäßig davon profitieren können, wäre es positiv für Varl.“ Kritisch sieht es Meyer jedoch, wenn ein zusätzlicher Kindergarten oder eine andere Grundschule geschaffen werden solle. Die FEG hatte jüngst erklärt, dass auch die Arbeit mit Kindern zu ihren Zielen gehört (wir berichteten). „Jeder zusätzliche Kindergarten gefährdet die kommunalen Einrichtungen.“ Diese müssten laut Meyer Bestandsschutz haben, genau wie die örtliche Grundschule.

Winrich Dodenhöft, der auch Grünen-Ratsmitglied ist, geht es um die „katastrophale Optik“ des Gemeindezentrum-Entwurfes in den aktuellen Plänen. Das sich zur Leverner Straße herabneigende Dach des Betsaals erinnere an ein „stallähnliches Gebäude“. Diese Meinung unterstütze auch die Rahdener Architektin Brunhilde Meier. Doch die FEG, so Dodenhöft, habe bei ihrer Vorstellung in Rahden Gesprächsbereitschaft signalisiert. Nun gelte es, schnellstmöglich ins Gespräch zu kommen und Verbesserungen anzuzeigen. Das wolle man tun, erklärte Günter Meyer. „Einfluss haben wir nicht, aber Wünsche können wir äußern.“

Er habe familiäre Erfahrungen mit ähnlichen Gemeinden erklärte Dodenhöft. „Die Gruppen sind relativ abgeschottet.“ Die Varlheider Christus-Gemeinde gebe sich modern und habe eine eigene Kindergruppe. „Ich gehe davon aus, dass die Gemeinde in Varl ihre eigenen Sachen machen wird.“ Auch die Grundschule werde nicht wirklich von der Gemeinde profitieren, schätzt Dodenhöft, da es eine Bekenntnisschule in Stemwede gibt. „Die werden ihre Richtung einhalten.“

Dagmar Nolte, sie sitzt für die CDU im Stadtrat, erklärte daraufhin: „Das können wir nicht verhindern. Das sind Strömungen wie sie eben kommen.“ Sie freue sich zwar nicht darüber, dass die Kirchengemeinde „Konkurrenz“ in Varl bekomme, doch es werde auch Gemeinsamkeiten geben. Für den Fußball-Bezirksligisten Union Varl (Nolte: „Da geht was!“) sei der Parkplatz von Vorteil.

Günter Meyer beendete die Diskussion. Es sei den meisten sicher lieber, wenn in die ehemalige Gaststätte ein Lebensmittelgeschäft oder eine neue Kneipe einziehen würden, doch erinnerte er daran, dass es sich bei dem Verkauf um eine Privatsache handele.

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