Kabarettist Alfred Mittermeier begeistert mit bissigen Pointen im Life House

Gott und die Sache mit den Sündenböcken

Das Publikum amüsierte sich prächtig im Sündenparadies von Alfred Mittermeier.

Wehdem - Von Heidrun Mühlke„Im französischen Kabarett, da poppt der Bär! Da kriegt man was für sein Geld – nicht so wie heute hier“, stellte Kabarettist Alfred Mittermeier am Sonntagabend im Wehdemer Life House fest und schon war der Sündenbock im Veranstalter gefunden.

Was hätten die Zuschauer noch alles erleben können, wenn die Organisatoren eine Stange auf der Bühne gehabt hätten? „Aber die Veranstalter haben gesagt, dies sei ein anständiges Haus“, machte Mittermeier klar.

Der Verein für Jugend, Freizeit und Kultur in Stemwede (JFK) hatte den scharfzüngigen Kabarettisten zum zweiten Mal auf die Bühne geholt. In seinem neuen Programm „Sündenbockerei“ bekamen alle – von Lothar Matthäus bis zu den Zeugen Jehovas – ihr Fett weg.

Mit rasantem Tempo und erstaunlicher Bandbreite jagte er durch das Programm und hieß die Zuschauer im bestens gefüllten Life House im Sündenparadies der Erde willkommen. Hochkarätige bissige Pointen verlangten zwar höchste Aufmerksamkeit des Publikums, machten aber auch den Spaßfaktor des Abends aus. Mal agierte er so boshaft, dass einem fast das Lachen im Halse stecken blieb, dann wieder witzelte er mit einem großen Maß an Banalität über die inkontinente Frau, die nicht ganz dicht ist.

Zynisch lästerte er über Lothar Matthäus, der seine nächste Frau eher adoptieren könnte, statt zu heiraten und führte beim Heiratsantrag kniende Männer vor Augen, die nie wieder aufstehen. Ein Schlafzimmer, das nach Jahren zur „verkehrsberuhigten Zone“ wird, in dem ausgefallener Sex zu ausgefallenem Sex wird. Schuld sei oftmals die Migräne, die sich aber behandeln ließe. Wenn nur nicht die Wartezimmer bei den Ärzten so überfüllt wären, dass die Patienten bei mitleidenden Menschen auf dem Schoß sitzen müssten. Mittermeier empfiehlt den Besuch beim Tierarzt, doch auch hier sei Vorsicht geboten: „Zu großes Jammern hat dort einschläfernde Wirkung!“

Fröhlich und wortgewandt pendelte er zwischen den verschiedenen Themen hin und her, es ging um Feng Shui, rostende Intim-Piercings, Aggressionsabbau mit Spitzvasen auf dem Friedhof, um Gott und den Teufel, werdende Eltern und glückliche Kinder.

Bissige Statements und schnelles Gequassel wechselten sich ab mit schonungslosen Sprüchen, allerdings fehlte manch einem Zuschauer der Bezug auf aktuelle politische Themen. Dafür kam Mittermeier immer wieder auf das Hauptthema zu sprechen: Gott, die zehn Gebote und die Sache mit den Sündenböcken. „Schlaue suchen sich schon einen Sündenbock, bevor sie handeln“, weiß Mittermeier und behauptete, dass Gott den Teufel geschaffen hat, damit es einen Sündenbock gibt.

Zum guten Schluss ließ der Kabarettist Menschen verschiedenster Religionen ins Jenseits gondeln. Niemand nimmt etwas mit, außer der Buddhist, der hat den Abholzettel der Reinigung dabei, damit er im nächsten leben dort seine Hemden wieder abholen kan.

Dann zeigte Mittermeier, der den Abend mit dem biblischen Zitat „Es werde Licht“ eröffnet hatte, seinem Publikum ein letztes Mal die Hörner, machte „Mäh“ und knipste das Licht wieder aus.

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