Gestern Flachsernte auf dem Kleinfeld

„Gerauft und nicht geschnitten“

In gut einer Stunde hatten die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museumshof-Teams gestern Nachmittag das 90 Quadratmeter große Flachsfeld auf dem Museumshofgelände gerauft. Fotos (2): Scheland

Rahden - (ges) · „Nach den ersten hundert Tagen im Jahr wird der Flachs angebaut, und weitere hundert Tage später kann er geerntet werden“, weiß Magdalene Kottenbrink aus ihrer jahrelangen Erfahrung. Wegen des langanhaltenden Winters wurden die Fristen in diesem Jahr zwar nicht ganz eingehalten, aber gestern war es so weit: Auf dem kleinen Feld des Museumshofgeländes wurde der Flachsertrag eingebracht.

        „Damit die Fasern keine Beschädigungen davontragen, werden sie gerauft und nicht geschnitten“, machte die frühere ehrenamtliche Museumshofleiterin bei ihrem gestrigen Arbeitseinsatz deutlich. „Die Pflanzen werden mit einem Ruck herausgezogen, damit keine Erde an den Wurzeln bleibt“, sagte sie. Unterstützt wurde Magdalene Kottenbrink bei der gut einstündigen Arbeit von Hilde Griepenstroh, Egon Rohlfing, Willi Hopmann und Herbert Engel. Zudem fasste der kleine Thore Ore mit an und legte ein gerauftes Flachsbündel neben das andere.

Die beiden Frauen trugen die in früheren Jahren bei Feldarbeiten typischen Schlapphüte, die Männer schützten sich mit Strohhüten vor der Sonne.

Auf Grund der Niederschläge der vergangenen Tage waren die bereits sehr trockenen Flachshalme wieder nass geworden und müssen jetzt etwa eine Woche in der Sonne nachtrocknen. „Dann können sie auf dem Riffelbalken geriffelt werden“, teilte Magdalene Kottenbrink am Rande des gestrigen Erntetages mit. „Dabei werden dann die Samenkörner abgerieben, die als Leinsamen bei der Ölherstellung Verwendung finden.“

Die so genannten Riffelbalken gibt es in unterschiedlichen Größen. „Meistens arbeitet eine Person daran“, wies die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Museumshof-Teams gestern auf die Vorführungen während der kommenden Aktionstage in dem landwirtschaftlichen Freilichtmuseum hin. „In unserer Dauerausstellung ist ein Riffelbalken für zwei Personen zu sehen, und in der Rossmühle gibt es ein Riffelrad, an dem gleich sechs Personen den Flachs weiterbearbeiten können.“

Magdalene Kottenbrink weiß auch viel über die Geschichte des Flachsanbaus. „Im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts war die Rahdener Leinenerzeugung das wichtigste Ausfuhrgewerbe des Fürstentums Minden. Auf Grund des Klimas und der sandigen Bodenverhältnisse wurde in Rahden selbst nur wenig Flachs angebaut. Oft wurde er daher im Ravensbergischen vor allem gegen hausgefertigte Holzwaren eingetauscht.“

Die Leinenerzeugung sei damals zwar arbeitsaufwändig gewesen, habe den klein- und mittelbäuerlichen Betrieben aber die Existenz gesichert. Heimindustrie habe man das damals genannt. Die Kleinbauern hätten das Leinen vermarktet, die größeren Bauern Flachs dagegen ausschließlich für den Eigenbedarf angebaut. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts hätten sich die Erwerbsmöglichkeiten durch die Leinenerzeugung rapide verschlechtert. Das Rahdener Leinen sei durch industriell erzeugtes Leinen verdrängt worden. „Anschließend spielte der Tabakanbau eine immer wichtigere Rolle.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mittelstandsforum in Scheeßel

Mittelstandsforum in Scheeßel

Putin sieht Chancen für Lösung im Atomkonflikt mit Nordkorea

Putin sieht Chancen für Lösung im Atomkonflikt mit Nordkorea

Niclas Füllkrug: Seine Karriere in Bildern

Niclas Füllkrug: Seine Karriere in Bildern

„Wenn du denkst es geht nichts mehr, Zaubert Siebert einen Elfer her“ - Die Netzreaktionen #SVWFCB

„Wenn du denkst es geht nichts mehr, Zaubert Siebert einen Elfer her“ - Die Netzreaktionen #SVWFCB

Kommentare