Stemweder Bürgermeister Gerd Rybak äußert sich kritisch zum Frac-Verfahren / Kaum etwas von ExxonMobil gehört

„Gefährdung des Grundwassers ausschließen!“

Rahden - STEMWEDE/ESPELKAMP (dk) · Der US-amerikanische Energiekonzern ExxonMobil sucht nach Erdgas – unter anderem in Oppenwehe. Dabei will der Konzern auch ein Verfahren einsetzen, das durchaus umstritten ist und gegen das sich im Münsterland Bürgerinitiativen wehren. Kritisch äußerte sich auch Stemwedes Bürgermeister Gerd Rybak.

Bei der Suche nach Erdgas-Vorkommen will Exxon das Frac-Verfahren einsetzen. Dabei wird unter Druck Wasser ins Erdinnere gepumpt, um künstliche Risse zu erzeugen. Dadurch sollen weitere Hinweise auf mögliche Erdgas-Vorkommen gewonnen werden.

Umstritten ist das Frac-Verfahren, weil hierbei mit giftigen Chemikalien gearbeitet wird. Kritiker befürchten, dass die zum Teil als grundwassergefährdend eingestuften Chemikalien ins Grundwasser gelangen könnten. Diese Gefahr will auch Werner Zittel von der Münchner Ludwig-Bölkow-Systemtechnik, der sich in einer Studie mit den Risiken unkonventioneller Gasförderung befasst hatte, nicht ausschließen. Zudem könnte aus Sicht Zittels auch Erdgas ins Grundwasser gelangen und wieder freigesetzt werden, wenn das Wasser an die Oberfläche gelange.

Die Gefahren hatte Exxon in der Vergangenheit wiederholt bestritten und von einem bewährten Verfahren gesprochen. Das Frac-Verfahren sei beherrschbar, hatte Exxon-Sprecher Norbert Stahlhut auch gegenüber den Mitgliedern des Stemweder Bauausschusses betont.

Mittlerweile hat der Konzern allerdings – wie berichtet – gegenüber Bürgermeister Gerd Rybak angekündigt, das in Oppenwehe geplante Frac-Verfahren bis auf weiteres auf Eis legen zu wollen. Zu den Gründen hatte sich Stahlhut seinerzeit nicht weiter geäußert, allerdings ausgeschlossen, dass der vorläufige Stopp für das Frac-Verfahren gleichbedeutend sei mit dem Aus für die Erdgassuche im Norden der Gemeinde Stemwede.

Seit dem kurzen Anruf von Norbert Stahlhut hat auch Bürgermeister Gerd Rybak kaum noch etwas vom Energiekonzern gehört. Es habe nur eine Information gegeben, dass als Begleitung des Verfahrens ein Arbeitskreis gebildet werden solle, dem Vertreter des Unternehmens, der Kommune und Wissenschaftler angehören sollen. Der weitere Fortgang sei aber „völlig offen“, sagte Rybak.

Er denke, dass sich Exxon neu ausrichte, sagte Rybak mit Hinweis auf die Bezirksregierung in Arnsberg. Die ist in NRW zuständig für das Bergrecht. Ihr unterliegt auch das Vorhaben in Oppenwehe. Die Arnsberger Behörde hat angekündigt, sich mit einer Überarbeitung des Bergrechtes zu befassen. Zudem könne für jedes geplante Frac-Verfahren ein wasserrechtliches Verfahren verlangt werden.

Dabei steige man in Untersuchungen ein, ob das Grundwasser gefährdet sein könnte oder nicht, meinte Rybak. Zudem gehe es um die Frage, wie eine Gefährdung des Grundwassers ausgeschlossen werden könne.

In Stemwede komme eine Besonderheit hinzu, so der Bürgermeister. Das Exxon-Bohrfeld „Oppenwehe 1“ liegt seinen Angaben zufolge im erweiterten Einzugsgebiet des Lemförder Wasserwerks. „Gäbe es eine Verunreinigung, dann könnte Lemförde die Wasserversorgung einstellen“, so Rybak. Das Unternehmen, fordert Rybak, müsse alles tun. „um eine Gefährdung des Grundwassers auszuschließen.“

Die Informations-Politik von Exxon-Mobile hat bei Rybak für Enttäuschung gesorgt. Exxon habe zwar über das Verfahren informiert, über die Risiko-Situation aber „nicht so, wie wir das erwartet hätten“, so der Bürgermeister. „Wenn ich informiere, dann kann ich nicht alles schönreden.“ Dann müsse man auch zu den Risiken Stellung nehmen – und wie man die ausschließen wolle.

Der amerikanische Energiekonzern hat bei der Erdgas-Suche nicht nur Stemwede ins Auge gefasst, sondern auch den Osterwald in Espelkamp. Eine geplante Probebohrung sei aber noch offen, da es hinsichtlich der Erschließung und Zufahrt noch Klärungsbedarf gebe, sagte Heiner Brockhagen von der Stadt Espelkamp.

Die Minden-Lübbecker Grünen laden für kommenden Donnerstag gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten Ute Koczy zu einer Veranstaltung unter dem Motto „Erdgas aus Espelkamp und Stemwede – Gefahr im Verzug?“ ein. Beginn ist um 16 Uhr im Frotheimer Birkenhof.

Gemeinsam mit Oliver Krischer, Sprecher für Energie- und Ressourcen-Effizienz der Grünen-Bundestagsfraktion, soll über Fakten und Genehmigungsbedingungen informiert werden. Zudem wird über Chancen und Risiken einer unkonventionellen Gas-Förderung diskutiert.

Unkonventionelle Fördermethoden seien in Deutschland bis jetzt unbekannt, teilten die Grünen mit. In den USA werde dagegen schon die Hälfte des Erdgases auf diese Weise gefördert. Es gebe inzwischen Berichte über die Förderung von „giftigen und radioaktiven Stoffen und Wasserverunreinigungen als Folge aus der Gewinnung von unkonventionellem Erdgas“, teilten die Grünen mit.

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