Fleischspende von Westfleisch für Tafel

Freude nicht nur vom „Bärtigen“

Etwas besonderes zum Fest: Brnd Hagemeier, André Vienerius und Reinhard Köhler von der Firma Westfleisch übergaben eine 200 Kilogramm schwere Fleischspende an Bärbel Agua und Helga Berghorn-Detering.

Rahden - · Großer Andrang an Heiligabend in der Rahdener Ausgabestelle der „Tafel“ im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde. Glückliche Gesichter bedürftiger Menschen, strahlende Kinderaugen – allein der Anblick ließ die Herzen höher schlagen und Weihnachten als Fest der Nächstenliebe spürbar werden.

Ein Weihnachtsmann, der als Überraschung sich selbst spendete, Nikolaustüten, Stofftiere für die Kinder und nicht zuletzt eine großzügige Fleischspende der Firma Westfleisch aus Lübbecke halfen, das Leben der Bedürftigen über die Feiertage ein wenig erträglicher zu machen.

An die 200 Kilogramm Rind- und Schweinefleisch hatten André Vienerius, Bernd Hagemeier und Reinhard Köhler im Gepäck, als am 24. Dezember die vorletzte Tafelausgabe in diesem in der Auestadt stattfand. Die Spende wurde von den ehrenamtlichen Helfern und Kunden der Tafel mehr als dankbar in Empfang genommen, denn eine Bereicherung für die feiertäglichen Mahlzeiten war die diese allemal. „Wir spenden in jedem Jahr einer Tafelausgabe eine größere Menge Fleisch“, so Vienerius. In diesem Jahr sei die Wahl auf Rahden gefallen, weil sich hier die jüngste Ausgabestelle befinde, die es besonders zu unterstützen gelte.

Weiterhin ungebrochen war vor den Weihnachtstagen die Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität in der Bevölkerung mit den sozial schwachen Mitgliedern der Gesellschaft. Nach der großen Weihnachtskistenvergabe der „Tafel“ in der Lübbecker Stadthalle, wurde auch die Lebensmittelausgabe im Rahdener Gemeindehaus an Heiligabend für die Bedürftigen zu einem kleinen Fest.

Erst vor kurzem habe ein Landwirt eine große Menge Kartoffeln gebracht, die er selbst nicht verzehren konnte. Unzählige Privatspenden, teilweise anonym, Spenden von Betrieben und aus dem Einzelhandel sowie der Freiwilligen Feuerwehr, die mit einer Kiste Weihnachtstüten insbesondere den Kindern eine Freude machte, brachten ein wenig Sonnenschein in den sonst meist eher düsteren Alltag der Tafel-Klientel.

„Weihnachten verläuft bei uns wie jeder normale Tag auch“, erzählte Kundin Heidi noch vor ein paar Tagen bedrückt über ihre Situation. „Wenn wir nicht schon vor Jahren einen künstlichen Weihnachtsbaum gekauft hätten, säßen wir ganz ohne da.“ Die 49-Jährige ist ein klassisches Beispiel dafür, wie schnell jeder in eine soziale Notlage abrutschen kann. Als Subunternehmerin durch ausstehende Zahlungen ihrer Auftraggeber in die Insolvenz gerutscht, konnte sie mit dem Verkauf des Elternhauses einen Großteil der Schulden begleichen und verlor gleichermaßen ihr Dach über dem Kopf.

Familiäre Probleme verschlimmerten die Situation. Nervlich am Ende, daher krankheitsbedingt langfristig arbeitsunfähig und kaum in der Lage, in einem Wust sich kumulierender Probleme einen Ausweg aus ihrer Situation zu finden. „Da ist es jeden Donnerstag eine Wohltat, aus dem lethargischen Alltagstrott auszubrechen, sich mit Gleichgesinnten bei einer Tasse Kaffee auszutauschen, hier so etwas wie menschliche Wärme zu erfahren,“ berichtet Heidi, während sie mit den engagierten Tafel-Mitarbeiterinnen ihr drängendstes Problem diskutiert. Auf die Lebensmittel sei sie mehr als angewiesen. „Denn wenn meine Tafel-Ration aufgebraucht ist, esse ich bis zur nächsten Ausgabe teilweise fast gar nichts.“

Teilweise beklemmend die Schicksale, die hinter den Kundennummern stehen. Gleich, ob selbst oder unverschuldet in Not geraten, finden die Bedürftigen bei der Tafel neben materieller Hilfe zum Leben ein wenig Wärme. „Das Angebot ist von Anfang an gut angenommen worden“, so Bärbel Agua und Helga Berghorn-Detering, die die Rahdener Filiale leiten.

„Unser Dank gilt all denjenigen, die uns seit Eröffnung der Ausgabestelle Anfang Juni dieses Jahres so tatkräftig unterstützt haben“, äußerten sie ihre Begeisterung. Das Engagement der mittlerweile 30 ehrenamtlichen Helfer, nicht nur bei der Lebensmittelausgabe, sei beispiellos. „Wir haben bereits eine Warteliste mit Menschen, die sich bei uns engagieren möchten.“

Oftmals schütten die Kunden den Aktiven ihr Herz aus, und obwohl nicht aktiv in die Suche nach Lösungsansätzen für individuelle Probleme involviert, lassen sich die Eindrücke nach „Schichtende“ nicht einfach so wegdrücken.

Die Ausgabestelle im Rahdener Gemeindehaus ist jeden Donnerstag, so auch an Silvester, von 9.30 bis 11.30 Uhr geöffnet.

Eine sechste Ausgabestelle wird am 17. Februar im ehemaligen Asylantenhaus in Wehdem aus der Taufe gehoben. Somit ist dann ein flächendeckendes Versorgungsnetz gespannt, welches mit 150 Engagierten mehr als 1700 Menschen, darunter rund 700 Kinder, unterstützt. Wer sich hier ehrenamtlich einbringen möchte, sollte sich mit Ulrike Gralla vom DRK Stemwede in Verbindung setzen.

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