Oma und Opa zum Ausleihen: Initiative des Mehrgenerationenhauses sucht unterstützende Senioren

Familien warten auf Leihgroßeltern

Wer schaukelt zukünftig mit Lennard auf dem Spielplatz? – Ramona Mischke und ihr Sohn sind gespannt auf die Leihoma, die sie in den nächsten Wochen kennen lernen werden.

Stemwede - (art) · Wenn Ramona Mischke mit ihrem Sohn Lennard sich unterhalb der Woche auf einem Kinderspielplatz vergnügt, liegt meist schon ein anstrengender Arbeitstag hinter ihr. Oftmals auf die letzte Minute schafft sie es, den Fünfjährigen noch rechtzeitig aus dem Kindergarten abzuholen.

Denn Ramona Mischke ist wie viele Mütter berufstätig, und die Arbeitszeiten der Arzthelferin gehen nicht immer mit den Öffnungszeiten der Kindertageseinrichtung einher. Sie suchte eine Lösung, die ihr sporadisch immer mal wieder unter die Arme greift, wenn es betreuungsmäßig im Hause Mischke brennt.

Durch Bekannte wurde die 39-Jährige, deren Ehemann im Schichtdienst arbeitet, auf die Leihgroßeltern-Initiative des Mehrgenerationenhauses in Gehlenbeck aufmerksam, die im Rahmen des Bündnisses für Familie vor einem Jahr gegründet wurde. Nach langer Suche werden sich hier in den nächsten Wochen eine Oma und Familie Mischke kennenlernen, doch insgesamt ist der Notstand an rüstigen Senioren, die Freude am Umgang mit Kindern haben, groß. „Denn unsere Oma ist gesundheitlich nicht mehr fit genug, um unseren Nachwuchs zu betreuen“, reißt die Arzthelferin ein Problem an, dass heutzutage viele Familien beschäftigt.

Die Großfamilie ist nur noch ein Relikt aus früheren Tagen. „Nur noch ganz selten wohnen mehrere Generationen unter einem Dach, die Großeltern wohnen zu weit entfernt, sind selbst noch berufstätig und viel unterwegs“, erläutert Anke Elsing, Leiterin des Mehrgenerationenhauses. Oftmals sei die Familie auch durch Trennung der Paare gesplittet. Darüber hinaus seien häufiger als in früheren Zeiten beide Eltern berufstätig und müssten sich dafür mehr denn je engagieren, damit der Arbeitsplatz sicher bleibt. Mobilität und Flexibilität aber sind schwer vereinbar mit den elterlichen Pflichten. „Kindertageseinrichtungen und Tagesmütter übernehmen nur innerhalb eines bestimmten Zeitfensters die Betreuung der Kinder. Da wäre die Unterstützung durch Leihgroßeltern sehr wertvoll“, so Ramona Mischke, die in dieser Betreuungsform die liebevolle, Geborgenheit schenkende, fürsorgliche Ader, wie sie nur Großeltern haben, zu schätzen weiß.

Doch bisher trauen sich die Senioren nur sehr zögerlich, zur Vermittlungsstelle Kontakt aufzunehmen. „Dabei ist es doch für sie eine schöne Abwechslung und zudem eine gute Altenative, wenn sie selbst keine Enkelkinder haben oder diese zu weit entfernt wohnen“, wundert sich Elsing, dass das Interesse seit Beginn der Initiative vor gut einem Jahr bisher sehr gering war.

Die Einrichtungsleiterin führt im Vorfeld der Vermittlung mit den Bedarf anmeldenden Familien Gespräche, um deren Bedürfnisse einschätzen zu können. „Dann schauen wir, welche(r) Senior(in) für eine Familie in Frage kommt.“ Ein erstes Treffen findet im Mehrgenerationenhaus in Anwesenheit von Anke Elsing statt. Mittlerweile erreichen das Mehrgenerationenhaus Anfragen von Familien aus dem gesamten Altkreis. Von Hüllhorst bis Stemwede werden Leihomas und Opas gesucht. „Viele ältere Menschen haben entgegen ihrem Wunsch kaum noch Kontakt zu den nachfolgenden Generationen“, weiß Elsing. „Diese Lücke soll unser Leihgroßeltern-Service schließen, gegenseitiges Nehmen und Geben das Leben beider Seiten bereichern.“

Gesucht werden Leih-Omas und -Opas, die typische Großelterndienste leisten – etwa Vorlesen, Spazieren gehen, Kinder vom Kindergarten abholen oder mit ihnen auf den Spielplatz gehen. Eine Regelmäßigkeit muss nicht sein – im Gegenteil: Gerade in der kurzfristigen Verfügbarkeit soll eine Stärke des Angebots liegen. „Die Initiative ist keine Konkurrenz zu Tagesmüttern und Babysittern, die abends auf Kinder aufpassen geschweige denn die alternative „kostenlos-Lösung“ zu den kostenintensiven regulären Betreuungsmöglichkeiten.“ Dort, wo das defizitäre institutionalisierte Angebote, nicht mehr greift, setzt der Großelternservice an.

Für Familien und Senioren ist Anke Elsing unter Telefon 05741/2360136 Kontaktperson. „Auch für Senioren, die sich diese Aufgabe vorstellen könnten, aber noch an sich zweifeln“, so Elsing. „Denn das Strahlen in den Kinderaugen ist es wert, über seinen Schatten zu springen und gemeinsam glückliche Stunden zu genießen.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Erstes Kindersommerfest in Twistringen

Erstes Kindersommerfest in Twistringen

Operngala in Bassum

Operngala in Bassum

Weinfest in Weyhe

Weinfest in Weyhe

„Gegen einen Dieter-Bohlen-Fluch ist kein Kraut gewachsen!“ - Netzreaktionen zur Werder-Niederlage

„Gegen einen Dieter-Bohlen-Fluch ist kein Kraut gewachsen!“ - Netzreaktionen zur Werder-Niederlage

Kommentare