Musical über die wilden Anfänge der Beatles begeistert das Espelkamper Publikum

Wir waren doch alle mal jung

Die Hits der Beatles überzeugten das Publikum im Neuen Theater in Espelkamp. Das fast dreistündige Musical, das die Anfänge der „Pilzköpfe“ thematisiert, kam auch ohne große Showeffekte an. - Foto: Knickmeyer

Espelkamp - Es dauerte etwas, bis das Espelkamper Publikum im Theater in Schwung kam, aber ganz zum Schluss fruchteten die Rhythmen und Anfeuerungen der „jungen Beatles“. Stehende Ovationen und Mitsingen der eingängigen Rocktexte waren angesagt. Die legendären Beatles-Hits gab es ja Anfang der 60er-Jahre noch nicht. Stattdessen unzählige Auftritte in teils abgewrackten Clubs auf der Reeperbahn.

Nach fast drei Stunden und vier Zugaben waren die Akteure und das Publikum geschafft, aber auch hoch zufrieden. Viele wollten den gebürtigen Rahdener Philip Spreen sehen – er machte als Paul McCartney musikalisch und schauspielerisch eine gute Figur. Auf der heimischen Bühne stand er bereits mit dem Ensemble Espelkamp.

Doch der eigentliche Star des Abends sollte nach dem Drehbuch Künstler und Bassist Stuart Sutcliffe, dargestellt von Andreas Christ, sein. Sutcliffe spielte nur in den ersten beiden Jahren der Band mit, setzte aber wichtige Akzente, unter anderem in puncto Outfit. Sutcliffe starb tragisch mit nur 22 Jahren.

Zuvor lernte der Liverpooler Astrid Kirchherr (Uta Krüger), eine Hamburger Fotografin kennen, die die Beatles als erste professionell in Szene setzte. Auch bekannte Figuren wie Klaus Voormann sowie Plattenladenbesitzer und späterer Manager Brian Epstein hatten ihre Nebenrollen im Stück. Regisseur Franz-Joseph Dieken hat die Story dem gleichnamigen Film von Iain Softley nachempfunden und glänzend auf die Bühne gebracht.

Die Geschichte der jungen Beatles steht stellvertretend für zahllose Bands, die sich teils unter menschenunwürdigen Bedingungen auf der Bühne gequält haben und es trotzdem zu nichts brachten. Die Beatles stellte eine Ausnahme dar. Interessant ist, dass der Regisseur die Musiker auf der Bühne lässt, während die Story sich entwickelt. Oft gibt es Livemusik zur Untermalung. Ein riesiger goldener Vorhang ist neben einem mickrigen Verstärker und den Instrumenten die einzige Dekoration. Nachkriegszeit eben.

Lichteffekte und Nebel reichen vollkommen aus

Die große Spielfreude des Ensembles und der Kontakt zum Publikum machten das Musical zu einem Genuss. Und das alles ohne großes Brimborium, wie man es aus bekannten Musicals gewohnt ist. Allenfalls ein paar Lichteffekte und etwas Bühnennebel haben nachgeholfen, um die richtige Atmosphäre zu schaffen.

Hier wurde die Musik noch mit der Hand gemacht. Zu Gehör kamen unter anderem Rock-´n-Roll Hits wie „Rock And Roll Music“, „Johnny B. Goode“ und „Please Mr. Postmann“. Erfrischend auch die Auftritte vom betrunkenen Seemann im Publikum, Schauspieler und Musiker Joseph Reichelt brillierte später auch noch als swingender Bert Kaempfert im blauen Zwirn und als Schlagzeuger Ringo Starr.

Die jungen Schauspieler und zugleich Musiker wurden nicht als Double ausgesucht, das tat dem Geschehen gut. So konnten sie frei agieren und dem Musical den richtigen Witz geben. Dem Altoner Theater ist es zu verdanken, dass hier ein wichtiges Stück Musikgeschichte so toll umgesetzt wurde. - VK

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