Vorwurf des versuchten Totschlags eventuell nicht haltbar / Erinnerungslücken

Espelkamper soll mit Beil Massenschlägerei angezettelt haben

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Mediengruppe Kreiszeitung

Espelkamp/Bielefeld - Von Guntmar Wolff. Mit dem gestringen Prozesstag begann ein Mammutverfahren am Landgericht Bielefeld, das gleichzeitig einen traurigen Rekord beinhaltet. Die Untersuchungsakte, die diesem Fall zugrunde liegt, ist die momentan älteste, die am Bielefelder Landgericht liegt – von 2012.

Im Februar vor vier Jahren soll sich, so sieht es die Staatsanwaltschaft, der wegen Diebstahls- und Betrugsdelikten vorbestrafte 46-jährige Angeklagte aus Espelkamp mit 3,8 Promille gemeinsam mit seinem Sohn und einer Gruppe von circa 20 weiteren Personen zu dem Internat für Jugendliche am Ludwig-Steil-Hof begeben haben.

Mit einem Beil bewaffnet, soll er eine Massenschlägerei „mit eventuell bis zu 70 Beteiligten angezettelt haben“. Der Tatverdächtige, der von seinem Schweigerecht Gebrauch macht, hat demnach einem Internatsschüler den Kiefer ausgerenkt und dem Geschädigten eine blutende Platzwunde zugefügt. Einem anderen soll der Angeklagte mit dem Holzstiel des Beils Prellungen im Gesicht zugefügt haben, „wobei er dessen Tod in Kauf genommen haben soll“, so die Anklage.

Aber schon am ersten Verhandlungstag wurde der dritten großen Jugendkammer unter dem vorsitzenden Richter Nabel vor Augen geführt, dass durch die große zeitliche Verzögerung zwischen der Tat und dem Prozess bei den Zeugen enorme Erinnerungslücken entstanden sind.

Dass es eine Schlägerei vor dem Internat gab, war die einzige Aussage, die bei den gestern vernommen Zeugen übereinstimmte.

Während sich der eine Zeuge sicher war, durch die Angreifer einen „Adidas Fußabdruck im Gesicht gehabt zu haben“, war ein anderer. davon überzeugt, dass es keinen Fußabdruck, dafür aber drei Platzwunden gewesen waren. Auch die zeitlichen Abläufe waren so verwirrend, dass der Kammer nichts anderes übrig blieb, als jedem Zeugen die damals getätigten Aussagen vorzuhalten, die in teilweise eklatantem Widerspruch zu den heutigen Erinnerungen standen.

Am Ende des Prozesstages blieb Richter Nabel nichts anderes übrig, als nach einer längeren Beratung mit der Kammer einzuräumen, dass der schwerste Tatvorwurf des versuchten Totschlags durch die Zeugenaussagen nicht belegt werden konnte.

Er forderte die Prozessbeteiligten auf, darüber nachzudenken, ob eine Verständigung zustande kommen könnte, falls sich der Angeklagte dazu entschließen könnte, auszusagen. „Das würde der Kammer viel Arbeit ersparen, Dutzende weiterer Zeugen zu hören“, so Nabel.

Der nächste Verhandlungstag des Verfahrens ist am Dienstag, 9. Februar. Dann soll über den Vorschlag beraten werden.

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