Verfahren gegen Auflage eingestellt

Verletzung bei Party: Security vor Gericht

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Mediengruppe Kreiszeitung

Espelkamp/Rahden - Eigentlich beugt die Security Prügeleien vor. Zwei Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes warf die Staatsanwaltschaft gestern vor dem Amtsgericht Rahden jedoch vor, auf dem Espelkamper Stadtfest das Gegenteil bewirkt zu haben. Sie sollen Feiernde geschubst, getreten, geschlagen und an den Haaren gezogen haben. Eine der beiden Angeklagten beteuerte, dass sie und ihr Kollege unschuldig seien.

Auf der Anklagebank saßen eine 39-jährige Frau und ein 46-jähriger Mann aus Espelkamp. Dem Mann wurde zur Last gelegt, beim Stadtfest im vergangenen Jahr einen Partygänger im Bürgerhaus geschubst zu haben. Der 22-Jährige fiel laut Anklage auf ein Glas und schlitzte sich den Daumen auf. Außerdem soll der Türsteher ihn nach draußen gezerrt, zu Boden geworfen und getreten haben. Dem Geschädigten musste die Lippe genäht werden. Die Kollegin des Angeklagten soll der Freundin des 22-Jährigen an den Haaren gezogen haben, so die Staatsanwaltschaft.

Der 46-jährige Security-Mann äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Seine Kollegin erklärte, dass die Anklage „auf keinen Fall“ zutreffe. Auf Nachfrage der Staatsanwältin verlas sie ein Protokoll, dass sie nach dem Vorfall verfasst hatte.

Demnach hatten sich sowohl Gäste als auch das Thekenpersonal über den 22-Jährigen beschwert. Er habe Gäste „angepöbelt“ und mit seinen Fäusten auf die Theke geschlagen. Die Security hätte ihn gebeten, dies zu unterlassen.

Als der junge Espelkamper darauf aggressiv reagierte, führte ihn der Sicherheitsdienst der Angeklagten zufolge zum Ausgang. Auf dem Weg habe er sein Bier verschüttet. Er sei in der Lache ausgerutscht und habe sich selber mit dem Glas verletzt. „Alles war voller Blut“, schilderte die Angeklagte.

Freunde des Gastes hätten den Vorfall mitbekommen und sie und ihre Kollegen angegriffen – verbal und körperlich. „Sie ließen nicht mit sich reden“, sagte die 39-Jährige. Draußen angekommen, sei der junge Mann mit anderen ins Gefecht gekommen. Damit habe der Sicherheitsdienst nichts mehr zu tun gehabt.

„Eigentlich war alles ganz normal. Alle waren gut drauf“, erinnerte sich der Geschädigte an die Nacht. Dann habe ihm an der Theke jemand an der Jacke gezogen und behauptet, dass er den ganzen Abend Stress mache. Anschließend sei er geschubst worden, hingefallen und habe sich am Daumen verletzt. Daraufhin seien seine Freunde gekommen, bestätigte er. Zusammen hätten sie mit dem Sicherheitsdienst diskutiert, „weil wir eigentlich nichts gemacht haben“. Mehrmals beteuerte der 22-Jährige, nicht randaliert zu haben.

Der Angeklagte und ein Kollege hätten ihn herausgetragen, so der Mann. Vor der Tür sei er unsanft abgesetzt und auf den Boden geschubst worden. Der angeklagte Türsteher habe ihn ins Gesicht getreten.

„Verstanden hat das keiner“, sagte die Freundin des Angeklagten. Das ihr Freund vor dem Einsatz der Security randaliert habe, bestritt auch sie: „Wir sind erst spät gekommen und ich war die ganze Zeit bei ihm.“ Sie erzählte, dass die Angeklagte sie während des Vorfalls festgehalten und ihr an den Haaren gezogen habe. Außerdem habe sie beobachtet, dass ein Freund von ihr und ihrem Partner geohrfeigt wurde. Dieser bestätigte die Angaben seiner Freunde im Groben.

Die Aussagen der drei Zeugen stimmten nicht ganz überein. Es ergaben sich zudem Widersprüche zwischen aktuellen Aussagen und dem, was sie bei der Polizei zu Protokoll gegeben hatten. Darauf angesprochen, verwiesen die Zeugen darauf, dass der Vorfall über ein Jahr her ist.

Letztlich stand Aussage gegen Aussage. Die Staatsanwältin merkte an, dass Sicherheitsdienst-Mitarbeiter im Falle einer Verurteilung gekündigt werden. Sie signalisierte, dass sie sich die Verfahrens-Einstellung vorstellen könne – auch wenn es sich bei dem 46-Jährigen um einen „Grenzfall“ handele.

Schließlich verzichteten die Juristen auf die Anhörung weiterer Zeugen und einigten sich auf die Einstellung. Bei der Frau ohne Auflage, bei dem Mann gegen Zahlung von 2100 Euro. Davon gehen 1500 Euro an die Staatskasse und 600 Euro als Schmerzensgeld an den Geschädigten.

ks

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