Unternehmer Paul Gauselmann feiert mit 300 Gästen auf Schloss Benkhausen / Zwei Straßen werden umbenannt

Wenn der Raabe zum Geburtstag zwitschert

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Einmal mehr im Rampenlicht: Um seinen 80. Geburtstag nachzufeiern, hatte Paul Gauselmann (l.) Familienmitglieder, Freunde, Politiker und Unternehmer nach Gestringen eingeladen. Unterhaltsame Höhepunkte des pompösen Festes auf Schloss Benkhausen waren die Auftritte von Komiker Jörg Knör und Weltstar Max Raabe.

Gestringen - Von Kai Pröpper. Was eignet sich als Geschenk für einen Mann, der alles hat und sich alles kaufen kann? In Lübbecke und Espelkamp kamen die Stadträte zu dem Schluss, dass es Straßennamen sein sollten. Und so wird demnächst ein Teil der Neustadtstraße in Gestringen zur Schlossallee und die Boschstraße in Lübbecke zur Paul-Gauselmann-Straße.

Der Gründer und Vorstandssprecher der Gauselmann Gruppe, Paul Gauselmann, feierte gestern im Garten des Schlosses Benkhausen mit Familienmitgliedern, Freunden, Politikern und Unternehmern seinen 80. Geburtstag nach – und das in einem ebenso pompösen wie geselligen Rahmen.

Unter den 300 Gästen: Chanson-Weltstar Max Raabe, Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer, Modeunternehmer Gerhard Weber, Stimmenparodist Jörg Knör und die erste Tagesthemen-Moderatorin sowie Gauselmann-Biografin Barbara Dickmann.

Und jedem einzelnen von ihnen schüttelte das „Geburtstagskind“ die Hand. Vom jüngsten Enkel bis zur ältesten Wegbegleiterin. Gefeiert wurde, wie schon bei Gauselmanns 70. Geburtstag in Haldem, in einem belgischen Spiegelzelt.

Tagesschau-Sprecher Hofer konnte „endlich mal gute Nachrichten“ überbringen und Gauselmann „einen Riesenkreis netter Menschen“ begrüßen. Kommende Woche wird dann mit 1000 Gästen in Frankfurt gefeiert.

Paul Gauselmann, der am 26. August 1934 in Borghorst bei Münster das Licht der Welt erblickte, übersprang in seiner Begrüßung Kindheit und Jugend und kam gleich auf seine ersten Schritte in der Automatenbranche zu sprechen, um die Bedeutung der im Eingangsbereich ausgestellten Musikboxen zu erläutern. Denn mit 17 solcher hatte 1957 für den Automatenaufsteller nach seiner Entwickler-Zeit bei Harting alles angefangen.

Der Gestringer bedankte sich besonders beim ehemaligen Landrat Wilhelm Krömer für sein Erscheinen trotz enormer gesundheitlicher Schwierigkeiten. Weiterhin lobte er den Gestringer Geschichtsverein, der ihn dazu animiert hatte, das Schloss Benkhausen zu kaufen und sanieren zu lassen, anstatt ein neues Schulungszentrum zu bauen. „Wir sind stolz, dass wir der Gegend das erhalten können.“

Er feiere seinen 80. Geburtstag jetzt am vierten Tag, berichtete Gauselmann. „Ganz ehrlich, sowas werde ich nie wieder machen.“ Schon am ersten Tag habe das zu Verwirrungen innerhalb der Familie geführt. Was er und seine Frau Karin in 47 Jahren Ehe erlebt haben, habe ihm diese als Geschenk auf 170 Seiten zusammengefasst, verriet der 80-Jährige. „Als ich das gelesen habe, musste ich häufig das Taschentuch nehmen.“ Seine Söhne hätten mit Hilfe von Experten Ahnenforschung betrieben und einen Stammbaum erstellt, der bis ins Jahr 1618 zurückreiche.

Von den Mitarbeitern gab es eine 80-jährige Eiche, die seit Donnerstag den Park des Schlosses Benkhausen ziert. Statt um weitere Geschenke hatte Gauselmann um Spenden für die Deutsche Krebsstiftung gebeten. „Wir sind daran, die 100000 Euro voll zu bekommen.“

Beim Spiel Monopoly ist die Schlossallee die begehrteste Straße. Und an der Schlossallee 1 in Gestringen soll bald das Schloss Benkhausen stehen. „Eine Perle unter den Herrenhäusern“, wie Espelkamps Bürgermeister Heinrich Vieker befand. Er gratulierte Gauselmann und damit „einer Persönlichkeit, der man kaum gerecht werden kann, und sei die Rede noch so lang“. Im Namen ganz Espelkamps dankte Vieker herzlich für „all das Gute, dass Du unserem Gemeinwesen zuteil hast werden lassen“.

Deutlichs sachlicher blieb Lübbeckes Verwaltungschef Eckhard Witte, der die Bedeutung der Gauselmann Gruppe als Arbeitgeber in Lübbecke und der Region würdigte und auch Gauselmanns Wirken für den Handball-Bundesligisten TuS N-Lübbecke hervorhob. Dem Jubilar wünschte er „weiterhin viel Schaffenskraft und Gesundheit“.

Landrat Dr. Ralf Niermann wertete Gauselmanns Historie als „eine der größten Gründergeschichten in Deutschland“ und attestierte dem Gestringer Bodenständigkeit und Heimatliebe. „Sein Herz schlägt für die Region.“

Im Interview mit Barbara Dickmann durfte der Chef der Spielemacher dann offen sagen, was er über so manches denkt, und hielt vor allem mit seinem Missgefallen über die Politik in Berlin nicht hinterm Berg. In keinem Bundesland werde sein Unternehmen so ungerecht behandelt wie dort, sagte er, angesprochen auf den Rücktritt Klaus Wowereits.

Unterhaltsame Höhepunkte des Festes waren der Auftritt von Jörg Knör, der unter anderem mit den Stimmen von Inge Meysel, Udo Lindenberg und Heinz Ehrhard komödiantische Spitzen setzte, und der 45-minütige Bühneneinsatz des befrackten Ausnahme-Sängers Max Raabe.

„Ich bin nur wegen Dir hier“, gestand dieser zur Begrüßung und ließ dieser „selbstgebastelten Komposition“ Lieder aus den Zwanziger- und Dreißigerjahren folgen, am Flügel begleitet von Christoph Israel. Die Zeile „Irgendwo auf der Welt gibts ein kleines bisschen Glück“ hätte auch extra für den Geburtstag des Automatenkönigs geschrieben sein können, stammt aber aus dem Repertoire der Comedian Harmonists. In „Love Song of Tahiti“ zwitscherte der Raabe, bevor er musikalisch erklärte, wie das Stroganoff-Filet entstand. Zum Abschluss gab‘s die Feststellung „Küssen kann man nicht alleine“ und von Gauselmann neben dem Hinweis auf das abendliche Handball-Derby ein Lob für seinen Wohnort Gestringen. „Es ist toll hier.“

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